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Verteidigungsindustrie im Wandel: Silicon Valley fordert klassische Rüstungskonzerne heraus

Ukraine-Krieg und Iran-Konflikt beschleunigen einen Paradigmenwechsel: Schnelle Iteration statt jahrzehntelanger Entwicklungszyklen wird zur neuen Maxime.

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Verteidigungsindustrie im Wandel: Silicon Valley fordert klassische Rüstungskonzerne heraus

Das traditionelle Verteidigungsmodell steht unter massivem Druck. Jahrzehntelange Entwicklungszyklen, teure Plattformen und Präzisionsschläge – dieses Modell, das einst als Goldstandard galt, wird durch die Realitäten moderner Konflikte in der Ukraine und im Iran zunehmend infrage gestellt. Stattdessen gewinnt ein neuer Ansatz an Bedeutung: kürzere Vorlaufzeiten, schnelle Einsätze und kosteneffizientere Lösungen.

Blythe Crawford, ehemaliger Kommandant des Air and Space Warfare Centre der RAF, beschreibt den historischen Kontext: Früher habe sich Kriegführung um teure Plattformen und Präzisionsschläge gedreht, was zu einer Verkleinerung der Streitkräfte geführt habe, da Länder zunehmend auf Spitzentechnologie setzten. Doch dieser Ansatz stoße nun an seine Grenzen. Crawford betont, dass High-End-Produkte wie der Eurofighter Typhoon zwar weiterhin unverzichtbar seien, nun aber eine „kostengünstige Hülle" benötigten, um zu überleben.

Als konkretes Beispiel nennt Crawford die britischen Storm-Shadow-Raketen: Deren Erfolgsraten in der Ukraine seien erst drastisch gestiegen, nachdem sie durch Schwärme billiger Drohnen und elektronische Kampfführung ergänzt wurden, um die russische Verteidigung zu überwältigen. Dieses Zusammenspiel aus teurer Präzisionstechnologie und günstigen Massensystemen gilt als Blaupause für die Kriegführung der Zukunft.

Neue Akteure aus dem Silicon Valley

Inmitten dieses Wandels positionieren sich junge Technologieunternehmen als Alternativen zu etablierten Rüstungskonzernen. Ark Robotics entwickelt autonome Roboter für den schnellen Einsatz und nutzt dabei direkte Rückmeldungen vom Schlachtfeld zur Weiterentwicklung der Technologie. Der CEO des Unternehmens, der aus Sicherheitsgründen das Pseudonym Achi verwendet, erklärte gegenüber CNBC, dass der Krieg in der Ukraine einen Paradigmenwechsel in der Kriegführung zeige, der Teil einer größeren Veränderung sei, die auch im Iran-Krieg zu beobachten ist.

Achi warnt eindringlich: „Die meisten Militärangehörigen versuchen immer noch, sich auf die Kriegführung der vorherigen Generation vorzubereiten." Der Westen sei nicht ausreichend für die Realität „massenhafter, erschwinglicher" moderner Konflikte gerüstet, die der Ukraine-Krieg offengelegt habe. Ark Robotics entwickelt derzeit eine Technologie, die es einem einzelnen Bediener ermöglichen soll, Hunderte von unbemannten Systemen in der Luft, zu Lande und zu Wasser gleichzeitig zu steuern.

Ein weiteres Unternehmen, das auf diesen Trend setzt, ist Tiberius Aerospace. Das vor zwei Jahren von Silicon-Valley-Unternehmern gegründete Unternehmen konzentriert sich auf Design und Entwicklung von Waffen und lizenziert Entwürfe an inländische Hersteller. Mit seiner Plattform GRAIL führt es einen neuen Weg ein, um Design und Entwicklung schnell von der Fertigung zu trennen.

GRAIL-Plattform als „Defense-as-a-Service"

Tiberius Aerospace gab bekannt, dass geistiges Eigentum an ukrainischer Verteidigungstechnologie über die KI-gestützte GRAIL-Plattform für Lizenzen und die Fertigung im Vereinigten Königreich verfügbar sein wird. Das Unternehmen positioniert das Modell als „Defense-as-a-Service" und zielt darauf ab, den sogenannten „Beschaffungsengpass" zu lösen. Die Plattform soll einen sicheren Marktplatz schaffen, auf dem NATO-Mitglieder auf kampferprobte Technologie zugreifen und eine lokale Fertigung in Wochen statt in Jahren aufbauen können.

Ark Robotics plant, über den Zugriff auf britische Fertigungskapazitäten via GRAIL die Produktion seiner Systeme effizient zu skalieren. Dieser Silicon-Valley-Ansatz – mit schneller Iteration, praxisbasiertem Feedback und Software-Updates, die „over-the-air" bereitgestellt werden – steht in scharfem Kontrast zu den langwierigen Prozessen etablierter Rüstungskonzerne.

Europäische Rüstungsriesen profitieren – vorerst

Während neue Akteure drängen, verzeichnen auch die klassischen Rüstungskonzerne beeindruckende Zahlen. Große Verteidigungsunternehmen auf beiden Seiten des Atlantiks haben seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine im Jahr 2022 einen rasanten Anstieg ihrer Aktienkurse erlebt. Der Rüstungshersteller Rheinmetall und der Kampfflugzeugentwickler Saab verzeichneten zwischen 2021 und 2025 mit 323 % bzw. 284 % das explosivste Wachstum beim Auftragseingang unter den großen europäischen Namen.

Rheinmetall prognostiziert, dass sein Umsatz in diesem Jahr um bis zu 45 % wachsen könnte, und erklärte, man befinde sich in einer „hervorragenden Position", um die USA angesichts des Krieges im Iran aufzurüsten. Die Umsätze dieser Unternehmen sind seit 2022 sprunghaft angestiegen, wobei die Zuwächse nur noch vom Auftragseingang übertroffen werden – viele kämpfen damit, die gestiegene Nachfrage überhaupt zu decken.

Neben der wirtschaftlichen Effizienz geht es jedoch auch um ein strategisches Spiel für die europäische Autonomie. Da die Rhetorik bezüglich der Zukunft der NATO und des US-Engagements schwankt, könnte die Fähigkeit zur Herstellung souveräner, kostengünstiger Munition ein wichtiges Sicherheitsnetz für die Regierungen der Region bieten. Während es in der Vergangenheit eine Zurückhaltung unter frühen Investoren gab, in den Verteidigungssektor einzusteigen, ändert sich dies nun infolge der jüngsten Entwicklungen.

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