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Versicherer wollen Kündigungsschreiben umbenennen – auf Latein

Londoner Versicherer debattieren über einen lateinischen Euphemismus, um politischen Druck nach Prämiensprüngen im Persischen Golf abzuwenden.

Versicherer wollen Kündigungsschreiben umbenennen – auf Latein

Londoner Transportversicherer erwägen, ihre umstrittenen Kündigungsschreiben umzubenennen – und greifen dabei offenbar zum Latein-Wörterbuch. Hintergrund ist der massive politische Gegenwind, den die Branche nach Prämienexplosionen im Bereich der Straße von Hormus erfahren hat. Selbst US-Präsident Donald Trump mischte sich öffentlich ein.

Auslöser war eine gängige Branchenpraxis: Nachdem die USA und Israel im Februar Angriffe auf den Iran gestartet hatten, verschickten Transportversicherer sogenannte „Notices of Cancellation" – Kündigungsschreiben –, um den Versicherungsschutz für Schiffe in und um die Straße von Hormus aufzuheben. Anschließend schlossen sie neue Verträge zu deutlich höheren Preisen ab. Obwohl dieses Vorgehen im Kriegsfall branchenüblich ist, löste es heftige Reaktionen bei politischen Führern aus.

Die Prämien für die Durchquerung der Meerenge stiegen von rund 0,25 Prozent des Schiffswertes vor dem Krieg auf bis zu 7,5 Prozent in den vergangenen Wochen. Ein drastischer Anstieg, der nicht nur Reedereien, sondern auch Politiker alarmierte.

Trumps Reaktion und das verschwundene Versicherungsprojekt

Trump reagierte im März über soziale Medien und schrieb, er habe eine US-Entwicklungsbehörde angewiesen, „zu einem sehr günstigen Preis Versicherungen gegen politische Risiken und Garantien für die finanzielle Sicherheit des GESAMTEN Seehandels, insbesondere im Energiebereich, der den Golf durchquert, bereitzustellen". Das angekündigte Vorhaben verschwand jedoch spurlos. Auch Medienkritiker griffen Lloyd's scharf an: Ein Kolumnist warnte, der „Status von Lloyd's als eine der herausragenden Finanzinstitutionen Großbritanniens" sei bedroht.

Als Reaktion auf den Reputationsschaden debattiert die Branche nun über eine Umbenennung der Kündigungsschreiben. Federführend ist dabei unter anderem die Lloyd's Market Association. Eine hochrangige Persönlichkeit bei Lloyd's favorisierte einen lateinischen Euphemismus wie denunciato recisiones – eine direkte Übersetzung von „Notice of Cancellation" – oder einen anderen lateinischen Begriff. „Es hat etwas von Harry Potter", räumte die Person selbst ein, betonte aber, dass das Entscheidende sei, dass jede Neubenennung möglichst obskur klingen solle.

„Gute PR" oder unnötiger Aufwand?

Ein Makler für Transportversicherungen bezeichnete die Umbenennung als „gute PR" und argumentierte, die Mitteilungen seien „eigentlich eher eine Ankündigung der Gelegenheit zur Neubewertung des Risikos". Die Wortwahl solle also den eigentlichen Charakter des Vorgangs besser widerspiegeln – und gleichzeitig weniger angreifbar wirken.

Nicht alle Insider halten eine Umbenennung jedoch für notwendig. „Die bestehenden Mechanismen werden von Fachleuten in den Luftfahrt- und Schifffahrtsmärkten gut verstanden", sagte eine weitere hochrangige Lloyd's-Persönlichkeit, „aber für Personen außerhalb dieser Fachbereiche ist es nicht so klar." Diese Aussage verdeutlicht das Kernproblem: Was intern als Standardverfahren gilt, wirkt nach außen wie Opportunismus in Krisenzeiten.

Die Prämien im Persischen Golf bleiben derweil hoch – trotz des Waffenstillstands, der am Mittwoch durch ein vorläufiges Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran gefestigt wurde. Die anhaltende Bedrohung von Vermögenswerten am Golf hält die Risikoeinschätzung der Versicherer auf erhöhtem Niveau. Ob ein lateinischer Kunstbegriff daran etwas ändert, bleibt fraglich – er dürfte aber zumindest die nächste Schlagzeile verhindern.

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