Versicherer und Private Credit: Billionen-Markt entwächst der Aufsicht
US-Versicherer halten Private-Credit-Bestände von einer Billion Dollar – Regulierer und Finanzministerium schlagen nun Alarm.

Das US-Finanzministerium plant Gespräche mit den Versicherungsaufsichtsbehörden der einzelnen Bundesstaaten. Anlass ist das rasante Wachstum von Private-Credit-Investments in den Portfolios amerikanischer Versicherer, das mittlerweile die Marke von einer Billion US-Dollar überschritten hat. Die Regulierer haben bislang kaum öffentlich Stellung bezogen – doch der Druck aus Washington wächst.
Im Mittelpunkt der Debatte steht ein brisanter Bericht der National Association of Insurance Commissioners (NAIC), der Dachorganisation aller US-amerikanischen Versicherungsaufsichtsbehörden. Das Capital Markets Bureau der NAIC veröffentlichte die Studie im Jahr 2024 unter dem Titel „Private Ratings Among U.S. Insurer Bond Investments Continue to Rise and Have Nearly Tripled in Five Years". Der Bericht enthüllte, dass die Bonitätsbewertungen für Private-Credit-Investments von Versicherern routinemäßig zu hoch angesetzt waren – ein gravierender Befund mit weitreichenden Konsequenzen für die Stabilität der Branche.
Bericht von der Website entfernt – und nicht zurückgekehrt
Im Mai des vergangenen Jahres zog die NAIC den Bericht jedoch von ihrer Website zurück. Als Begründung nannte die Organisation, sie müsse die Ergebnisse „präzisieren". Seitdem ist fast ein Jahr vergangen, und die Studie bleibt weiterhin unter Verschluss. Trotz des Rückzugs beschäftigen die Erkenntnisse des Berichts Versicherer und deren Aufseher nach wie vor intensiv.
Die Relevanz der Studie wächst derweil weiter. Zahlreiche Private-Credit-Investoren – darunter finanzstarke Pensionskassen, Universitätsstiftungen sowie vermögende Privatpersonen – zeigen sich zunehmend besorgt über die finanzielle Verfassung der Unternehmen, die Privatkredite aufnehmen. Namhafte Fondsmanager berichten von einer steigenden Zahl an Rückzugsanträgen, mit denen Privatanleger Kapital aus Private-Credit-Fonds abziehen wollen. Diese Entwicklung signalisiert ein wachsendes Misstrauen gegenüber der Anlageklasse.
Finanzministerium reagiert auf Alarmsignale
Das US-Finanzministerium hat die Warnsignale registriert und handelt. Es kündigte eine Reihe von Treffen mit den staatlichen Versicherungsaufsichtsbehörden an. Diese Gespräche sollen es den Teilnehmern ermöglichen, „jüngste Marktereignisse, aufkommende Risiken und Risikomanagementpraktiken" sowie die Aussichten für die Private-Credit-Märkte zu untersuchen. Damit rückt das Thema erstmals auf die höchste regulatorische Ebene in Washington.
Zusätzliche Brisanz erhält die Debatte durch einen Rechtsstreit rund um die Ratingagentur Egan-Jones Ratings. Das Unternehmen war im NAIC-Bericht als häufiger Anbieter privater Bonitätsbewertungen für US-Versicherer identifiziert worden. Im vergangenen Monat stellte die US-Börsenaufsicht SEC die Fähigkeit von Egan-Jones infrage, „konsistent integre Kreditratings" für bestimmte Schuldtitel zu erstellen, für die das Unternehmen eine Zulassung anstrebte. Dieser Konflikt wirft weitere Fragen über die Qualität und Verlässlichkeit privater Ratings auf.
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Zur AktienanalyseHintergrund: Was ist Private Credit?
Private Credit bezeichnet Kredite, die nicht über öffentliche Kapitalmärkte, sondern direkt zwischen Kreditgebern und Unternehmen vergeben werden. Für Versicherer ist die Anlageklasse attraktiv, weil sie höhere Renditen als klassische Anleihen verspricht. Gleichzeitig sind Private-Credit-Investments weniger transparent und schwerer zu bewerten als börsengehandelte Wertpapiere – genau das macht sie aus Sicht der Regulierer riskant.
Die Kombination aus intransparenten Ratings, einem zurückgezogenen Aufsichtsbericht und wachsenden Rückzugswünschen von Anlegern zeichnet ein beunruhigendes Bild. Für deutsche Privatanleger, die über Versicherungsprodukte oder Fonds indirekt in Private Credit investiert sein könnten, lohnt ein genauer Blick auf die Zusammensetzung ihrer Portfolios.


