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Vermeidet Booking.com Steuern im großen Stil?

Kritik an Praktiken trotz globaler Mindeststeuerforderungen

Vermeidet Booking.com Steuern im großen Stil?

In der Europäischen Union wird seit Jahren intensiv gegen Steuervermeidung vorgegangen. Trotz dieser Bemühungen offenbart eine aktuelle Studie, wie es großen Konzernen gelingt, der Steuerpflicht in erheblichem Umfang zu entgehen. Ein prominentes Beispiel hierfür ist das niederländische Reiseportal Booking.com, das für seine Dienstleistungen zwar weltweit präsent ist, jedoch einen Großteil seiner Erträge in den Niederlanden versteuert. Dies wird durch die Nutzung der sogenannten "Innovation Box Tax" ermöglicht, die dem Unternehmen erlaubt, Einnahmen zu einem deutlich reduzierten Steuersatz zu verbuchen. Kritiker, wie Christoph Trautvetter vom Netzwerk Steuergerechtigkeit, hinterfragen die Legitimität dieser Praxis, da Booking.com auf diese Weise fast drei Milliarden Euro an Steuern einsparen konnte.

Die "Innovation Box Tax" ermöglicht es Unternehmen, Einnahmen aus als innovativ deklarierten Tätigkeiten mit nur neun Prozent zu versteuern, im Gegensatz zu den üblichen 25 Prozent in den Niederlanden. Trautvetter weist darauf hin, dass der durchschnittliche Steuersatz von Booking.com dadurch über Jahre hinweg bei etwa 15 bis 16 Prozent lag, was im Vergleich zum Gesamtgewinn als "unrealistisch" hoch angesehen wird. Die Studie, die diese Praktiken beleuchtet, wurde von Martin Schirdewan, dem Co-Chef der Linken, in Auftrag gegeben und zeigt auf, dass die Steuerbehörden möglicherweise eine zu großzügige Auslegung der Steuergesetze zugunsten von Booking.com praktizieren.

Die Niederlande verteidigen jedoch ihre Steuerpolitik. Maarten de Wilde, Professor für internationales und europäisches Steuerrecht, argumentiert, dass der reduzierte Steuersatz für Forschung und Entwicklung im Einklang mit internationalen Vereinbarungen steht und darauf abzielt, Investitionen in diesen Bereich zu fördern. Er betont zudem, dass die Niederlande aufgrund weiterer attraktiver Bedingungen für Unternehmen, wie qualifizierte Arbeitskräfte und politische Stabilität, besonders erfolgreich in der Anwendung dieses Modells sind.

Neben der Steuervermeidung durch die Nutzung der "Innovation Box Tax" wird Booking.com auch die Praxis der Gewinnverschiebung vorgeworfen. Italienische und französische Finanzbehörden untersuchen derzeit, ob Booking.com seine Tochtergesellschaften in diesen Ländern angemessen vergütet hat. Dies ist entscheidend, da Unternehmen Steuern dort zahlen sollten, wo die Erträge erwirtschaftet werden.

Booking.com betont, sich in allen Ländern, in denen das Unternehmen tätig ist, an die gesetzlichen Bestimmungen zu halten und die entsprechenden Steuern zu entrichten. Dennoch bleibt die Frage nach der moralischen Vertretbarkeit solcher Steuervermeidungspraktiken bestehen. Lucia Sommerer, Rechtsprofessorin an der Universität Halle-Wittenberg, weist darauf hin, dass es zwar legal sein mag, Steuern zu minimieren, es jedoch als moralisch bedenklich angesehen werden kann, wenn Unternehmen die Vorteile eines Landes nutzen, ohne einen angemessenen Beitrag zum Gemeinwesen zu leisten.

Die Einführung einer globalen Mindeststeuer von 15 Prozent für international tätige Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 750 Millionen Euro wurde als wichtiger Schritt zur Bekämpfung der Steuervermeidung begrüßt. Doch Kritiker wie Trautvetter betonen, dass trotz dieser Maßnahme die profitabelsten Konzerne der Welt immer noch Steuersätze zahlen, die deutlich unter denen liegen, die kleinere Unternehmen tragen müssen. Dies verdeutlicht die anhaltende Herausforderung, eine faire und gerechte Steuerpolitik auf internationaler Ebene durchzusetzen.

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