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Verdi ruft zu Warnstreiks bei Postbank und Telekom auf

Die Gewerkschaft Verdi verschärft den Druck in laufenden Tarifverhandlungen und lähmt den Betrieb bei zwei deutschen Großunternehmen.

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Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi eskaliert gleich an zwei Fronten: Sowohl bei der Postbank als auch bei der Deutschen Telekom hat die Gewerkschaft zu Warnstreiks aufgerufen. Die Arbeitsniederlegungen markieren eine deutliche Verschärfung der Tarifkonflikte, nachdem die Arbeitgeberseite nach Ansicht von Verdi keine ausreichenden Angebote vorgelegt hat.

Bei der Postbank, einer Tochtergesellschaft des Deutsche-Bank-Konzerns, sind bundesweit rund 9.000 Beschäftigte der Postbank Filialvertrieb AG betroffen. Sie wurden aufgerufen, am Donnerstag, dem 30. April, sowie am Samstag, dem 2. Mai, die Arbeit niederzulegen. Verdi-Verhandlungsführer Jan Duscheck begründete den Schritt mit der Unzulänglichkeit der bisherigen Angebote.

Duscheck erklärte, das vorliegende Angebot spiegele „weder die wirtschaftliche Lage der Deutschen Bank noch die hohe Belastung in den Betrieben wider". Die Gewerkschaft fordert eine Gehaltssteigerung von acht Prozent, mindestens jedoch 300 Euro pro Monat. Für Auszubildende wird ein Plus von 200 Euro monatlich angestrebt.

Postbank: Forderungen gehen über Gehalt hinaus

Verdi stellt bei der Postbank nicht nur monetäre Forderungen. Die Gewerkschaft verlangt zusätzlich eine verbindliche Beschäftigungs- und Standortsicherung sowie einen Rechtsanspruch auf Weiterbildung – insbesondere mit Blick auf die wachsenden Herausforderungen durch Künstliche Intelligenz. Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 18. Mai in Frankfurt angesetzt.

Der Blick auf die Vergangenheit stimmt wenig optimistisch: Im Jahr 2024 konnte bei der Postbank erst nach fünf Verhandlungsrunden eine Einigung erzielt werden. Angesichts dieser Erfahrung stellt sich das Unternehmen auf einen erneut langwierigen Arbeitskampf ein, der den Kundenservice spürbar belasten dürfte.

Telekom: 60.000 Beschäftigte im Ausstand

Parallel dazu hat Verdi auch bei der Deutschen Telekom zu flächendeckenden Warnstreiks aufgerufen. Auslöser war nach Gewerkschaftsangaben eine „enttäuschende zweite Verhandlungsrunde". Die Streikmaßnahmen begannen am Dienstag mit Arbeitsniederlegungen in Niedersachsen, Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Brandenburg. Weitere Standorte sollen im Verlauf der Woche folgen.

Die Forderungen betreffen rund 60.000 Tarifbeschäftigte. Verdi verlangt eine Entgeltsteigerung von 6,6 Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Zusätzlich fordert die Gewerkschaft einen sogenannten „Verdi-Mitgliederbonus" in Höhe von 660 Euro pro Jahr.

Die Verhandlungen bei der Telekom sind strukturell besonders komplex: In Deutschland agieren 20 verschiedene tarifgebundene Unternehmen des Konzerns mit jeweils eigenständigen Verträgen. Vorab wurden jedoch gemeinsame Verhandlungen vereinbart, was den Prozess zusätzlich erschwert.

Angespannte Stimmung im deutschen Dienstleistungssektor

Die aktuelle Streikwelle verdeutlicht die angespannte Stimmung in weiten Teilen des deutschen Dienstleistungssektors. Während die Arbeitgeber auf wirtschaftliche Rahmenbedingungen und die Notwendigkeit der Kostenkontrolle verweisen, betont Verdi den Bedarf an Inflationsausgleich und einer fairen Beteiligung der Beschäftigten am Unternehmenserfolg.

Besonders bei der Postbank, wo die Filialstruktur bereits unter erheblichem Druck steht, könnten die angekündigten Streiks die Kundenbindung weiter strapazieren. Für beide Unternehmen bedeutet die Eskalation eine Phase der Unsicherheit, in der sowohl operative Stabilität als auch das Vertrauen der Kunden auf dem Spiel stehen. Die kommenden Tage werden zeigen, ob die Arbeitgeberseite bereit ist, ihre Angebote nachzubessern, um einen längeren Arbeitskampf abzuwenden.

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