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Verdacht auf geheime Absprachen bei ProSiebenSat.1

Großaktionäre MFE und PPF sollen Abstimmungen koordiniert und Personalentscheidungen beeinflusst haben – Ermittlungen drohen

Verdacht auf geheime Absprachen bei ProSiebenSat.1

Mitglieder von Konzernleitung und Aufsichtsrat von ProSiebenSat.1 werfen den beiden größten Aktionären, dem italienischen Medienkonzern Media for Europe (MFE) und der tschechischen Unternehmensgruppe PPF, geheime Absprachen bei Personalentscheidungen und Abstimmungen vor. Solche Absprachen wären aktienrechtlich untersagt. Sollte sich dieser Verdacht bewahrheiten, könnten die betreffenden Aktionäre ihre Stimmrechte verlieren oder gezwungen sein, den übrigen Aktionären ein Übernahmeangebot zu unterbreiten.

MFE, an dessen Spitze Pier Silvio Berlusconi, Sohn des verstorbenen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, steht, hält gemeinsam mit der tschechischen Gruppe PPF, die von der Milliardärin Renatá Kellnerova kontrolliert wird, fast 45 Prozent der Anteile an ProSiebenSat.1. Konkret soll es Ende Januar 2025 zu einer Absprache beim Rückzug des Aufsichtsratsvorsitzenden Andreas Wiele gekommen sein. Vertreter von MFE und PPF hätten unabhängig voneinander, aber kurz nacheinander, Wiele telefonisch mitgeteilt, nicht länger mit ihm zusammenarbeiten zu wollen. Dabei seien weder inhaltliche Gründe genannt, noch alternative Kandidaten vorgeschlagen worden.

Interne Dokumente sollen weitere Indizien liefern. Bei der letzten Hauptversammlung fiel auf, dass MFE und PPF bei insgesamt 38 Tagesordnungspunkten fast ausnahmslos ein identisches Abstimmungsverhalten zeigten. Lediglich bei sieben Punkten unterschieden sich die Stimmen. Auffällig war zudem, dass die Enthaltungen jeweils eines Großaktionärs dem anderen halfen, gegen den Streubesitz und gegen die Vorschläge des Aufsichtsrates entscheidende Abstimmungen für sich zu gewinnen. Dies zeigte sich unter anderem bei der Besetzung des Aufsichtsrats.

Während der Aufsichtsrat zwei Kandidaten vorschlug, die bei der Versammlung von der Mehrheit des Streubesitzes unterstützt wurden, lehnten MFE und PPF diese Kandidaten ab. Stattdessen präsentierte jede der beiden Gesellschaften eigene Kandidaten, die anschließend gegenseitig gewählt wurden. Diese Vorgehensweise führte letztlich auch zur Abwahl von Rolf Nonnenmacher, einem erfahrenen Mitglied des Aufsichtsrates, dessen Ausscheiden vom damaligen Aufsichtsratschef Wiele als Verlust eines besonders kompetenten Experten bedauert wurde.

Andreas Wiele selbst, der seit 2022 den Vorsitz des Kontrollgremiums innehat, kündigte bereits an, aufgrund dieser Aktionärsstruktur nicht mehr kandidieren zu wollen. Er betonte, dass es ihm unmöglich geworden sei, sein Amt unabhängig und im Interesse aller Aktionäre wahrzunehmen. MFE äußerte sich auf Nachfrage nicht zu den Vorwürfen, PPF blieb eine Stellungnahme bisher schuldig.

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