Venezuelas Ölexporte steigen im Mai auf 1,25 Millionen Barrel täglich
Dritter Anstieg in Folge: Höhere Liefermengen in die USA, nach Indien und Europa treiben Venezuelas Ölausfuhren an.

Venezuelas Ölexporte haben im Mai leicht zugelegt und erreichten 1,25 Millionen Barrel pro Tag (bpd). Es war der dritte Anstieg in Folge, getragen von höheren Liefermengen in die Vereinigten Staaten, nach Indien und Europa. Das geht aus Schifffahrtsdaten hervor, die auf Tankerbewegungen und Aufzeichnungen des staatlichen Ölkonzerns PDVSA basieren.
Insgesamt wurden im Mai 67 Ladungen aus dem südamerikanischen Land verschifft. Das Gesamtvolumen aus Rohöl und Raffinerieprodukte lag damit 0,7 Prozent höher als im April und sogar 61 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats – ein deutliches Zeichen für die anhaltende Erholung der venezolanischen Ölindustrie.
Sanktionslockerungen und ausländische Investitionen als Wachstumstreiber
Hintergrund des Aufschwungs ist die politische Neuausrichtung unter der von den USA unterstützten Regierung der Interimspräsidentin Delcy Rodriguez. Washington lockerte seine Energiesanktionen gegen Venezuela, woraufhin ausländische Unternehmen ihre Öl- und Gasprojekte in dem OPEC-Mitgliedsland ausweiten konnten. Dies hat sowohl die Rohölproduktion als auch die Exportkapazitäten spürbar gestärkt.
Das venezolanische Erdölministerium gibt sich ambitioniert: Bis zum Jahresende soll die Rohölförderung auf 1,37 Millionen bpd steigen. Das entspräche einem Anstieg von 22 Prozent gegenüber den Ende 2025 produzierten 1,12 Millionen bpd – einem Niveau, das seit der erstmaligen Verhängung von US-Energiesanktionen im Jahr 2019 nicht mehr erreicht worden war. Das Wachstum hat Venezuela zudem ermöglicht, Exporte in Länder wiederaufzunehmen, an die es jahrelang kein Öl verkaufen konnte.
USA bleiben wichtigstes Abnehmerland
Bei den Exportzielen führen die USA mit großem Abstand: Mit rund 558.000 bpd waren sie im Mai erneut das wichtigste Ziel für venezolanisches Öl. Dahinter folgte Indien mit 427.000 bpd und Europa mit 169.000 bpd. Alle drei Regionen nahmen im Mai größere Mengen ab als noch im April.
Deutlich zurückgegangen sind hingegen die Exporte zu karibischen Terminals, die zur Zwischenlagerung genutzt werden. Sie fielen von 187.000 bpd im April auf rund 58.000 bpd im Mai. Analysten werten dies als Signal für eine gestiegene direkte Nachfrage der Raffinerien nach Venezuelas schweren Rohölsorten und Rückstandsölen.
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Zur AktienanalyseHändler steigern Verschiffungen, Chevron gibt nach
Interessant ist die Verschiebung zwischen den einzelnen Exporteuren: Der US-Ölkonzern Chevron, der wichtigste Joint-Venture-Partner von PDVSA, verschiffte im Mai rund 269.000 bpd – ein Rückgang gegenüber 308.000 bpd im April. Gleichzeitig steigerten globale Rohstoffhändler wie Vitol und Trafigura ihre Verschiffungen aus Venezuela deutlich auf 787.000 bpd, nach 691.000 bpd im Vormonat.
Die Entwicklung zeigt, dass Venezuela trotz jahrelanger Isolation durch internationale Sanktionen zunehmend wieder als relevanter Akteur auf dem globalen Ölmarkt wahrgenommen wird. Für deutsche Anleger, die in Energieunternehmen oder Rohstoff-ETFs investiert sind, ist die steigende venezolanische Fördermenge ein Faktor, der das globale Ölangebot und damit mittelbar auch die Ölpreise beeinflussen kann.


