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Venezuela will Goldreserven bei Bank of England für Wiederaufbau nutzen

Nach verheerenden Erdbeben und steigender Inflation intensiviert Venezuela seine Bemühungen um 31 Tonnen Gold in London.

Venezuela will Goldreserven bei Bank of England für Wiederaufbau nutzen

Venezuela plant, seine Bemühungen zur Rückgewinnung von Goldreserven im Wert von rund 4 Milliarden US-Dollar zu intensivieren, die in den Tresoren der Bank of England lagern. Dies erklärte der Präsident der Nationalversammlung, Jorge Rodriguez, am Mittwoch. Hintergrund ist der dringende Bedarf an Mitteln für den Wiederaufbau des Landes nach zwei schweren Erdbeben.

Die Bank of England weigert sich seit Jahren, die rund 31 Tonnen venezolanisches Gold freizugeben. Der Grund: Die britische Seite erkennt die Legitimität der Regierung von Präsident Nicolas Maduro nicht an. Die Goldbarren sind Gegenstand eines langjährigen Rechtsstreits vor britischen Gerichten, der bislang keine Lösung gefunden hat.

Trotz der Festnahme Maduros durch die USA im Januar und eines persönlichen Ersuchens der amtierenden Präsidentin Delcy Rodriguez an König Charles III. blieb das Gold bisher eingefroren. Die venezolanische Regierung und das Parlament haben sich nun darauf geeinigt, die Rückgewinnungsbemühungen zu verstärken, um die dringend benötigten Mittel für den Wiederaufbau zu mobilisieren.

Erdbeben und Inflation belasten die Wirtschaft

Das südamerikanische Land wurde Ende Juni von zwei verheerenden Erdbeben erschüttert, bei denen mehr als 6.000 Menschen ums Leben kamen. Die Katastrophe hinterließ massive Schäden an Wohngebäuden, der Gesundheitsinfrastruktur und der Stromversorgung. Rodriguez zufolge konzentriert sich die Regierung nun auf Projekte zum Wiederaufbau von Haushalten, Gesundheitskapazitäten, der Stromversorgung sowie auf die Trümmerbeseitigung.

Die Erdbeben haben auch die wirtschaftliche Lage des ohnehin angeschlagenen Landes weiter verschlechtert. Die venezolanische Zentralbank teilte mit, dass die Katastrophe die Warenverteilung erheblich unterbrochen habe, was maßgeblich zum Anstieg der monatlichen Inflation beigetragen habe. Im Juli kletterte die Inflationsrate auf 19,9 Prozent, nach 13,8 Prozent im Vormonat Juni.

Jahresinflation bei fast 576 Prozent

Die Zahlen verdeutlichen das Ausmaß der wirtschaftlichen Krise in Venezuela. Auf Jahresbasis beläuft sich die Inflation laut Berechnungen von Reuters auf Basis der Zentralbankdaten auf 575,9 Prozent. Damit gehört Venezuela weiterhin zu den Ländern mit der höchsten Inflationsrate weltweit.

Die Zentralbank zeigte sich jedoch vorsichtig optimistisch und gab an, für den Monat August einen Rückgang der Inflation zu erwarten. Ob sich diese Prognose bewahrheitet, hängt auch davon ab, wie schnell sich die durch die Erdbeben gestörten Lieferketten und Verteilungswege wieder normalisieren.

Für deutsche Anleger und Beobachter verdeutlicht der Fall Venezuela einmal mehr, wie politische Konflikte und Sanktionen den Zugang zu staatlichen Auslandsvermögen blockieren können. Der Rechtsstreit um das venezolanische Gold bei der Bank of England gilt als eines der prominentesten Beispiele für die Verknüpfung von Geopolitik, Völkerrecht und Zentralbankreserven auf internationalem Parkett.

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