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Venezuela-Öl: Experte warnt vor jahrelanger Durststrecke

Die Erholung der venezolanischen Ölproduktion wird deutlich länger dauern als erwartet. Umweltschäden, politische Unsicherheit und fehlende Infrastruktur erschweren ausländische Investitionen erheblich.

Venezuela-Öl: Experte warnt vor jahrelanger Durststrecke

Die Hoffnungen auf eine schnelle Wiederbelebung des venezolanischen Ölsektors dürften sich als verfrüht erweisen. Baron Lamarre, Mitbegründer der International Digital Exchange (INDEX) und ehemaliger Handelschef beim malaysischen Ölkonzern Petronas, zeichnet im Gespräch mit Investing.com ein ernüchterndes Bild der Lage. Ohne tiefgreifende Reformen werde das Land jahrelang Schwierigkeiten haben, umfangreiches ausländisches Kapital anzuziehen.

Umweltschäden als Milliarden-Engpass

Allein die Umweltsanierung stelle einen massiven Engpass dar, der Milliarden verschlingen werde. Lamarre verweist auf den Maracaibo-See und den Orinoco-Gürtel, wo jahrzehntelange Korrosion, Lecks und Ökosystem-Verschlechterung zeitintensive Umweltuntersuchungen erfordern. Diese Einschätzungen benötigen Unterwasserdrohnen, Fernerkundungssatelliten und umfassende chemische Analysen – Fähigkeiten, über die Venezuela derzeit nicht verfüge. Erschwerend komme hinzu, dass die Sanierung keine klare kurzfristige Kapitalrendite biete, was sie für Investoren kommerziell unattraktiv mache.

Politische Stabilität wichtiger als Sanktionslockerung

Die politische Beständigkeit sei das Hauptanliegen der Branche, betont Lamarre – nicht die Lockerung der Sanktionen. Unter Berufung auf jüngste Äußerungen von ExxonMobil-CEO Darren Woods erklärt er, dass Spitzenmanager Venezuela aufgrund der rechtlichen und politischen Unsicherheit weiterhin für "nicht investierbar" halten. Diese Unsicherheit resultiere aus der US-Militäroperation, die Nicolás Maduro absetzte und die Kontrolle über nationale Ölvermögen beanspruchte.

"Die Aufhebung von Sanktionen ist zwar notwendig, um den Handel zu normalisieren und Rohölexporte zu ermöglichen, reicht aber allein nicht aus, um umfangreiche Investitionen auszulösen", so Lamarre. Unternehmen befürchten künftige Gerichtsurteile oder politische Kehrtwenden, die langfristige Verträge untergraben könnten. "Exxon und andere wollen wissen, dass ihre Vermögenswerte nicht einer Rücknahme, Enteignung oder Rechtsstreitigkeiten unterliegen."

Schatten der Verstaatlichungen

Die früheren Verstaatlichungen unter Hugo Chávez, die zu Schiedsklagen in Milliardenhöhe und unbezahlten Schiedssprüchen führten, seien eine eindringliche Erinnerung an die weiterhin bestehenden Risiken. Politische Beständigkeit sei nichts, was die US-Regierung einfach anbieten könne, wobei die Ölunternehmen das aktuelle politische Klima genau beobachten würden.

"Selbst bei einer formellen Einladung: Wenn ein Regime keine anhaltende interne Unterstützung demonstrieren kann, sieht die Branche ein hohes Risiko für künftige politische Kehrtwenden oder innere Unruhen", erklärt Lamarre. "Politische Beständigkeit ist die zentrale Voraussetzung für Ölinvestitionen."

Infrastruktur allein reicht nicht

Selbst bei verbesserter politischer Lage werde die Wiederherstellung der Infrastruktur keine Investitionen freisetzen, solange nicht auch regulatorische Systeme, fiskalische Rahmenbedingungen und die dezimierte Fachkräftebasis wieder aufgebaut werden. Lamarre sieht langfristig ein von PDVSA geführtes Joint-Venture-Modell als mögliche Lösung zur Risikominderung – ähnlich den Strukturen in Saudi-Arabien, Malaysia und Brasilien. Dies setze jedoch voraus, dass Venezuela zunächst eine stabile, legitime und international anerkannte Regierung etabliere.

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