Venezuela: Machtkampf zwischen Rodriguez und Cabello spitzt sich zu
Die neue venezolanische Staatschefin Delcy Rodriguez (56) steht vor einem gefährlichen Machtkampf mit Innenminister Diosdado Cabello. Während Rodriguez auf US-Unterstützung setzt, kontrolliert der Hardliner Cabello die Sicherheitsdienste und militante Par

Die neue venezolanische Staatschefin Delcy Rodriguez, eine 56-jährige Technokratin und ehemalige Vizepräsidentin, sieht sich nur wenige Tage nach ihrer Amtsübernahme einem massiven internen Machtkampf gegenüber. Im Zentrum der Auseinandersetzung steht die Rivalität mit dem Hardliner und Innenminister Diosdado Cabello, der über weitreichende Kontrolle der Sicherheitsapparate verfügt.
Strategische Personalentscheidungen zur Machtkonsolidierung
Rodriguez hat bereits erste Schritte unternommen, um ihre Position zu festigen. Sie ernannte einen neuen Zentralbanker zur Wirtschaftslenkung, einen neuen Stabschef des Präsidenten und – besonders bedeutsam – Generalmajor Gustavo Gonzalez (65) zum Leiter des berüchtigten Militärgeheimdienstes DGCIM. Regierungsquellen beschreiben diese Personalie als direkten Schachzug gegen Cabello.
Allerdings bestehen erhebliche Zweifel an Gonzalez' tatsächlicher Kontrolle über die DGCIM. Trotz seiner langjährigen Zusammenarbeit mit Cabello verdankt er seine jüngsten Posten Rodriguez, die ihn 2024 in eine Spitzenposition beim staatlichen Ölkonzern PDVSA berief. Insider befürchten, dass Cabello-Verbündete innerhalb der Behörde seine Autorität untergraben könnten.
Zwei Lager im Machtzentrum
Die venezolanische Regierung ist tief gespalten. Rodriguez, von einigen als "Zarin" bezeichnet, kontrolliert zivile Machthebel, insbesondere die Ölindustrie, und genießt US-Rückendeckung. Ein Treffen mit CIA-Direktor John Ratcliffe in Caracas am Donnerstag unterstrich diese Unterstützung. Präsident Trump äußerte sich positiv über Rodriguez und erwartete einen baldigen Besuch in Washington.
Die Gegenfraktion wird von dem 62-jährigen Cabello angeführt, der auch dem Vorsitz der sozialistischen Regierungspartei PSUV innehat. Der ehemalige Soldat pflegt enge Verbindungen zu den Sicherheitsdiensten und den berüchtigten "Colectivos"-Motorradbanden, die wiederholt Oppositionelle angegriffen haben. Sein erster öffentlicher Auftritt nach Maduros Festnahme zeigte ihn in Schutzweste, umgeben von bewaffneten Wachen, wo er den Schlachtruf "Zweifeln heißt Verrat" anführte.
USA führen geheime Gespräche mit beiden Seiten
Die Trump-Administration versucht, die Situation durch parallele Kontakte zu beiden Lagern zu kontrollieren. Quellen zufolge begannen geheime Gespräche mit Cabello bereits Monate vor der Razzia, die zu Maduros Festnahme führte. Die USA warnten Cabello davor, Sicherheitsdienste oder militante Parteianhänger gegen die Opposition einzusetzen.
Cabello ist in den USA wegen Drogenschmuggels angeklagt, auf ihn wurde ein Kopfgeld von 25 Millionen US-Dollar ausgesetzt. US-Politiker wie die Kongressabgeordnete Maria Elvira Salazar sehen in ihm ein Hindernis für eine demokratische Transition und fordern seine strafrechtliche Verfolgung.
Massive Herausforderungen für Rodriguez
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Zur AktienanalyseRodriguez steht vor enormen Aufgaben. Sie muss die Loyalität der Parteianhänger gewinnen, ohne als US-Marionette zu erscheinen, die Maduro verraten hat. Gleichzeitig gilt es, die Wirtschaft zu stabilisieren, die nach dem US-Angriff von Preissteigerungen betroffen ist. Besonders schwierig ist die Kontrolle über jahrzehntelang gewachsene, militärnahe Patronagenetzwerke.
Venezuela verfügt mit bis zu 2.000 Generälen über mehr als doppelt so viele hochrangige Militärs wie die USA. Viele dieser Offiziere kontrollieren Lebensmittelverteilung und die PDVSA. Ein weiteres Druckmittel sind die von den USA geforderten Freilassungen politischer Gefangener, die laut Menschenrechtsgruppen extrem langsam verlaufen – ein Prozess, den Cabello als Innenminister beaufsichtigt.
Angespannte Sicherheitslage in Caracas
Die Situation in der Hauptstadt bleibt angespannt. Kurz nach Rodriguez' Vereidigung kam es zu einem kurzen Feuergefecht am Präsidialpalast, das offiziell auf eine Fehlkommunikation zwischen Polizei und Präsidentengarde zurückgeführt wurde. Dabei wurden Drohnen abgeschossen, die die Regierung als Spionagedrohnen bezeichnete. Quellen befürchten, dass die Colectivos eine "Anarchisierungsstrategie" anwenden könnten, um Caracas ins Chaos zu stürzen und Rodriguez gezielt zu destabilisieren.


