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Venezuela fordert Milliarden-Gold von der Bank of England zurück

Nach verheerenden Erdbeben und explodierender Inflation plant Caracas die Rückführung von rund 31 Tonnen Gold aus London.

Venezuela fordert Milliarden-Gold von der Bank of England zurück

Venezuela plant, seine in der Bank of England gelagerten Goldreserven im Wert von schätzungsweise 4 Milliarden US-Dollar für den nationalen Wiederaufbau zu nutzen. Parlamentschef Jorge Rodriguez kündigte am Mittwoch an, die Bemühungen zur Rückführung dieser Vermögenswerte zu intensivieren – während die monatliche Inflationsrate des Landes auf knapp 20 Prozent gestiegen ist.

Die Bank of England weigert sich seit Jahren, rund 31 Tonnen venezolanisches Gold freizugeben. Hintergrund ist die fehlende Anerkennung der Legitimität der Regierung von Präsident Nicolás Maduro durch britische Behörden. Die Goldbarren sind Gegenstand eines langjährigen Rechtsstreits vor britischen Gerichten, der bislang keine Lösung gefunden hat.

Auch jüngste diplomatische Schritte blieben ohne Erfolg: Weder die Festnahme Maduros durch die USA im Januar noch ein persönliches Ersuchen der amtierenden Präsidentin Delcy Rodriguez an König Charles führten zur Freigabe des Goldes. Das Thema bleibt damit eines der zentralen außenpolitischen und wirtschaftlichen Streitpunkte Venezuelas.

Erdbeben verschärfen die Wirtschaftskrise

Ende Juni erschütterten zwei verheerende Erdbeben das südamerikanische Land und forderten mehr als 6.000 Menschenleben. Die Katastrophe hinterließ massive Schäden an Infrastruktur und Versorgungsnetzen und verschärfte die ohnehin angespannte wirtschaftliche Lage des Landes erheblich.

Rodriguez erklärte, Regierung und Parlament hätten sich auf konkrete Wiederaufbauprojekte geeinigt. Im Fokus stehen dabei der Wiederaufbau von Wohnhäusern, die Stärkung der Gesundheitskapazitäten, die Wiederherstellung der Stromversorgung sowie die Beseitigung von Trümmern. Zur Finanzierung dieser Maßnahmen sollen die Bemühungen um die Rückführung der internationalen Vermögenswerte bei der Bank of England gezielt verstärkt werden.

Inflation springt auf fast 20 Prozent im Monat

Die venezolanische Zentralbank bestätigte, dass die Erdbeben maßgeblich zum Anstieg der Inflation beigetragen haben. Im Juli kletterte die monatliche Inflationsrate auf 19,9 Prozent – nach 13,8 Prozent im Vormonat Juni. Als Hauptursache nannte die Zentralbank die durch die Erdbebenkatastrophe unterbrochene Warenverteilung im Land.

Für den Monat August erwartet die Zentralbank einen Rückgang der Inflationsrate. Dennoch verdeutlichen die Zahlen das Ausmaß der wirtschaftlichen Misere: Im Jahresvergleich liegt die Inflationsrate laut Berechnungen der Nachrichtenagentur Reuters, basierend auf Daten der venezolanischen Zentralbank, bei enormen 575,9 Prozent.

Venezuela kämpft damit weiterhin mit einer der schwersten Wirtschaftskrisen der Region. Die Kombination aus politischer Isolation, Naturkatastrophen und einer galoppierenden Inflation stellt das Land vor gewaltige Herausforderungen. Die Frage, ob und wann das in London gelagerte Gold tatsächlich freigegeben wird, bleibt dabei ein Schlüsselelement der venezolanischen Finanzstrategie.

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