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Venedig droht ohne rasches Handeln beim Klimaschutz unterzugehen

Eine neue Studie warnt: Venedig wird ohne schnelle Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel „letztendlich verloren gehen".

Venedig droht ohne rasches Handeln beim Klimaschutz unterzugehen

Venedig steht vor einer existenziellen Bedrohung durch den steigenden Meeresspiegel. Laut einer am Donnerstag in der Fachzeitschrift Scientific Reports veröffentlichten Studie werden die derzeitigen Schutzvorkehrungen der Stadt in diesem Jahrhundert an „harte Grenzen" stoßen – sofern nicht rasch gehandelt wird. Die Forscher warnen unmissverständlich: Ohne radikale Transformationen würde die historische Stadt „letztendlich verloren gehen".

Venedig ist längst zum Symbol für die globale Herausforderung geworden, Städte und Länder an die Folgen des Klimawandels anzupassen. Die Studie kritisiert dabei die „völlig unzureichenden internationalen Bemühungen zur Reduzierung" von Treibhausgasemissionen – ein deutlicher Fingerzeig in Richtung der Weltgemeinschaft.

Vier Strategien, keine optimale Lösung

Die Wissenschaftler verglichen vier potenzielle Strategien zur Rettung Venedigs: bewegliche Barrieren, Ringdeiche, die Schließung der venezianischen Lagune sowie die dauerhafte Umsiedlung der Stadt. Jede dieser Optionen birgt jedoch Kompromisse. „Es gibt keine Option, die alle Ziele gleichzeitig maximiert", sagte Piero Lionello, Hauptautor der Studie und Professor an der Universität Salento. Jede Strategie „bewahrt einige Aspekte Venedigs – die städtische Struktur, das Ökosystem, die Wirtschaft oder die Sicherheit –, aber beeinträchtigt andere".

Je nach Entwicklung der globalen Emissionen könnte der Meeresspiegel in Venedig bis zum Jahr 2100 um etwa 0,42 Meter im besten Fall steigen – oder im schlimmsten Szenario um bis zu 1,8 Meter. Das bestehende System aus 78 mobilen Flutbarrieren könnte bereits ab einem Anstieg von 0,5 Metern ohne zusätzliche Maßnahmen „unzureichend" werden, so Lionello.

Würden ergänzende Maßnahmen ergriffen – etwa das schrittweise Anheben der Lagune und der Stadt durch das Injizieren von Meerwasser in tiefe Aquifere unter Venedig – könnte das bestehende System bis zu einem Anstieg von 1,25 Metern wirksam bleiben. Ohne solche Eingriffe wären bei einem Anstieg von mehr als 0,5 Metern Deiche oder eine vollständige Abriegelung der Lagune vom Meer nötig. Letzteres würde das Ende oder eine erhebliche Einschränkung der Rolle Venedigs als Hafen bedeuten.

Zeitdruck als entscheidender Faktor

Ein zentrales Problem ist der enorme Zeitbedarf für großangelegte Schutzmaßnahmen. Der Bau permanenter Barrieren kann zwischen 30 und 50 Jahre in Anspruch nehmen. „Wenn die Planung zu spät beginnt, ist die nächste Verteidigungslinie möglicherweise nicht bereit, wenn sie benötigt wird. Das Risiko ist daher nicht nur physischer Natur, sondern auch institutionell und zeitlich bedingt", warnte Lionello gegenüber der Financial Times.

Die historischen Daten unterstreichen die Dringlichkeit: In den vergangenen 150 Jahren wurde Venedig von 28 extremen Hochwasserereignissen heimgesucht, bei denen jeweils 60 Prozent der Stadt überflutet wurden. Besorgniserregend: 18 dieser Ereignisse fanden allein in diesem Jahrhundert statt.

Tommaso Alberti, Forscher am italienischen Istituto Nazionale di Geofisica e Vulcanologia, betonte, dass die „Kombination aus Meeresspiegelanstieg, Landsenkung und energiereicheren Stürmen" dazu führe, dass extreme Wasserstände, die einst als außergewöhnlich galten, künftig weitaus häufiger auftreten könnten. Das venezianische acqua alta – das bekannte Hochwasser – trete bereits „außerhalb seiner traditionellen Saison und mit größerer Wucht auf".

Das Mittelmeer entwickle sich insgesamt zu einem „Hotspot beschleunigter Risiken" im Kontext des Klimawandels, so Alberti. Seine Schlussfolgerung ist eindeutig: „Ohne eine rasche Emissionsminderung bei gleichzeitiger dringender Anpassung werden das Ausmaß und die Häufigkeit der Auswirkungen unsere Kapazitäten zu ihrer Bewältigung übersteigen."

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