Varta stellt Vorstand neu auf und verlässt Börse
Sanierung über StaRUG, Schuldenschnitt und Investitionen von Porsche und Tojner

Der Batteriehersteller Varta befindet sich in einer Phase der Neuausrichtung, die mit einer Umstrukturierung des Vorstands einhergeht. Im Zuge dessen wird Finanzvorstand Marc Hundsdorf das Unternehmen in Kürze verlassen. Hundsdorf hatte das Amt erst im Mai 2023 übernommen, um die erste Phase der Sanierung zu begleiten. Diese Aufgabe sei nun abgeschlossen, weshalb sein Abschied nicht überraschend komme, heißt es aus dem Unternehmensumfeld. Eine offizielle Stellungnahme von Varta dazu liegt nicht vor.
Ebenfalls scheidet Michael Giesswein aus dem Vorstand aus. Giesswein war im Jahr 2023 als Chief Restructuring Officer (CRO) zu Varta gekommen und verlässt das Unternehmen nun auf eigenen Wunsch. Seine Familie lebt in Österreich, wo er eine neue berufliche Herausforderung angenommen habe. Auch zu diesem Personalwechsel äußerte sich Varta nicht. Die Nachfolgeregelung für Giesswein wird derzeit geprüft. Die Personalberatung Michael Page wurde beauftragt, einen geeigneten Kandidaten zu finden. Ob tatsächlich ein neuer CRO eingestellt wird, ist noch nicht abschließend geklärt. Es besteht die Möglichkeit, dass nur ein neuer Vorstand berufen und zusätzlich eine weitere Führungskraft unterhalb der Vorstandsebene eingesetzt wird.
Parallel zu diesen personellen Veränderungen befindet sich Varta in einem Sanierungsprozess, der über das „Gesetz über den Stabilisierungs- und Restrukturierungsrahmen von Unternehmen“ (StaRUG) abgewickelt wird. Eine Mehrheit der betroffenen Gläubigergruppen hatte dem Plan im November 2024 zugestimmt. Kernpunkte der Sanierung sind die Reduzierung der Schuldenlast von knapp 500 Millionen Euro auf 230 Millionen Euro sowie die Herabsetzung des Grundkapitals auf null Euro. Damit scheiden die bisherigen Aktionäre ohne Kompensation aus, und die Varta-Aktien werden nicht länger an der Börse gehandelt. Anschließend sollen neue Aktien ausgegeben werden, die ausschließlich von einer Gesellschaft des Mehrheitseigners Michael Tojner sowie von Porsche erworben werden. Beide investieren jeweils 30 Millionen Euro, während von den Gläubigern 60 Millionen Euro als Darlehen bereitgestellt werden.
Die wirtschaftlichen Probleme von Varta bestehen bereits seit zwei Jahren. Nachdem das Unternehmen mit Batterien für kabellose Ohrhörer große Erfolge erzielte, geriet das Geschäft durch rückläufige Bestellungen und sinkende Preise unter Druck. Hohe Investitionen in neue Batterietechnologien, insbesondere für Hybridfahrzeuge, führten nicht zum gewünschten Erfolg, da lediglich Porsche Interesse an den Produkten zeigte. Gleichzeitig wurden hohe Schulden aufgenommen und die Mittel aus dem Börsengang vollständig investiert, ohne Rücklagen zu bilden. Im Herbst 2022 mehrten sich die Anzeichen für wirtschaftliche Schwierigkeiten. Frühere Sanierungsversuche blieben erfolglos, sodass der Vorstand im Sommer 2024 den aktuellen Restrukturierungsplan erarbeitete.
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Zur AktienanalyseDie Herabsetzung des Grundkapitals auf null Euro stößt auf Kritik seitens der Anlegervertreter, die dadurch den vollständigen Verlust ihrer Investitionen befürchten. Sie haben angekündigt, gegen den Sanierungsplan vor dem Bundesverfassungsgericht vorzugehen. Varta-Chef Michael Ostermann äußerte Verständnis für die Sorgen der Kleinaktionäre, betonte jedoch, dass das StaRUG-Verfahren alternativlos sei. Es gehe um die Zukunft des Unternehmens und den Erhalt von 4000 Arbeitsplätzen. Ohne die Restrukturierung drohten gravierende wirtschaftliche Schäden, die nicht nur Aktionäre, sondern die gesamte Belegschaft betreffen würden.


