Variabel verzinsliche Anleihen: Die unterschätzte Alternative im Portfolio
Neue Studie zeigt: Floating Rate Bonds können bei steigenden Zinsen klassische Festzinsanleihen übertreffen.

Während Immobilienkäufer routinemäßig zwischen Fest- und variablen Zinsen wählen, greifen Anleger bei Anleihen meist automatisch zu festverzinslichen Papieren. Eine aktuelle Untersuchung über 35 Jahre Marktgeschichte zeigt jedoch: Diese Gewohnheit könnte Rendite kosten.
Ein Forscherteam um William Murad und Yamila Espinoza hat die Performance von festverzinslichen und variabel verzinslichen Anleihen seit 1990 verglichen. Das überraschende Ergebnis: Über den gesamten Zeitraum lieferten beide Anlageformen nahezu identische Renditen. In Phasen steigender Zinsen hatten jedoch Floating Rate Bonds deutlich die Nase vorn.
Der Grund liegt in der Konstruktion der Wertpapiere: Festverzinsliche Anleihen zahlen über die gesamte Laufzeit einen festen Kupon, typischerweise halbjährlich. Variabel verzinsliche Bonds hingegen koppeln ihre Zinszahlung an eine Benchmark wie den Leitzins der US-Notenbank Federal Reserve. Steigt der Referenzzinssatz, erhöht sich automatisch die Ausschüttung an den Anleger.
Methodik der Langzeitstudie
Für die Analyse wurden alle auf US-Dollar lautenden Fonds für variabel verzinsliche Anleihen mit durchschnittlichem AA-Rating und fünfjähriger Restlaufzeit herangezogen. Diese wurden mit vergleichbaren Festzinsfonds abgeglichen. Neben der annualisierten Rendite berechneten die Forscher auch die Volatilität – ein Maß für die Preisschwankungen innerhalb eines Jahres.
Besonders aufschlussreich war die Betrachtung unterschiedlicher Zinszyklen. Die Wissenschaftler untersuchten gezielt Phasen, in denen die Federal Reserve den Leitzins anhob oder senkte. Diese Perioden entsprechen in etwa den Expansions- und Kontraktionsphasen der Wirtschaft.
Bedeutung für deutsche Anleger
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Zur AktienanalyseDie Erkenntnisse sind auch für Investoren im Euroraum relevant. Die Europäische Zentralbank hat in den vergangenen Jahren ebenfalls mehrere Zinszyklen durchlaufen. Anleger, die ausschließlich auf festverzinsliche Papiere setzen, verzichten möglicherweise auf Renditechancen in Zeiten steigender Zinsen.
Die Studie unterstreicht die Bedeutung, die geldpolitischen Signale der Zentralbanken aufmerksam zu verfolgen. Wer die Einschätzungen zur wirtschaftlichen Entwicklung und den künftigen Zinskurs frühzeitig erkennt, kann sein Anleihenportfolio entsprechend ausrichten und von Zinsänderungen profitieren statt darunter zu leiden.


