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Van Moof wagt Neuanfang nach Pleite

Kunden erhalten 1000-Euro-Gutscheine als Entschädigung für nicht gelieferte E-Bikes

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Van Moof wagt Neuanfang nach Pleite

Die Pleite des niederländischen E-Bike-Spezialisten Van Moof hat die Fahrradbranche im vergangenen Jahr stark erschüttert. Zahlreiche Kunden, die bereits für ihr Fahrrad bezahlt hatten, standen ohne das versprochene Produkt da. Unter der neuen Führung soll nun ein Neuanfang gewagt werden. Eliott Wertheimer, der neue Co-Chef von Van Moof, betont, dass das Projekt mit hohen Risiken verbunden ist, aber auch große Chancen auf Erfolg bietet. Van Moof hat trotz der Insolvenz eine starke Marke, eine solide technologische Basis und eine treue Anhängerschaft. Das Vertrauen der Kunden müsse nun zurückgewonnen werden.

Van Moof hatte Schulden von mehr als 100 Millionen Euro angehäuft. Die minimalistischen und stilvoll designten E-Bikes des Unternehmens, bei denen der Akku unauffällig im Rahmen versteckt ist und die Scheinwerfer sowie Rücklichter elegant integriert sind, waren besonders bei Großstadtpendlern als Hipster-Räder beliebt. Während des Fahrrad-Booms zu Beginn der Coronapandemie galt Van Moof als einer der Gewinner und konnte über 100 Millionen Euro bei Investoren wie Hillhouse Capital und Norwest Venture Partners einwerben.

Jedoch geriet die Fahrradbranche in eine Krise, als zunächst aufgrund von Teilemangel die Nachfrage nicht bedient werden konnte und später die Nachfrage einbrach, als genügend Komponenten und Räder verfügbar waren. Die Insolvenz von Van Moof hatte jedoch auch hausgemachte Ursachen. Das Unternehmen verkaufte seine technologisch innovativen Räder zunächst für vergleichsweise günstige 2000 Euro, obwohl viele Komponenten aufwendig selbst entwickelt waren. Viele Werkstätten konnten die Räder wegen der speziellen und teils fehleranfälligen Teile nicht reparieren. Zudem waren die Margen zu niedrig und die Räder nicht zuverlässig genug.

Nach der Pleite wurde Van Moof von der E-Roller-Tochter Lavoie des Formel-1-Zulieferers McLaren Applied übernommen. Die neuen Co-CEOs Eliott Wertheimer und Albert Nassar, die zuvor gemeinsam ein E-Bike-Start-up in Großbritannien gegründet hatten, das von McLaren Applied übernommen wurde, wollen nun das Vertrauen der Kunden zurückgewinnen. Van Moof bietet Kunden, die ihre Fahrräder nicht erhalten haben und kein Geld von ihren Zahlungsdienstleistern zurückbekommen haben, freiwillig einen 1000-Euro-Rabatt beim Kauf eines neuen Rades an. Dies soll helfen, das Vertrauen wiederherzustellen, auch wenn es keine vollständige Entschädigung darstellt.

Van Moof plant zudem, die Schwächen im Geschäftsmodell zu korrigieren. Der Vertrieb soll künftig auch über Fachhändler erfolgen und der Service über Partnerwerkstätten, die auch die Software der E-Bikes auslesen und über Ersatzteile verfügen. Bereits jetzt hat Van Moof 130 Partner, bis Ende des Jahres sollen es 200 sein. Die neuen Pläne sehen vor, nicht nur eigene Komponenten zu verwenden, sondern auch Standardteile und spezielle Partnerentwicklungen. Kernkomponenten wie Beleuchtung und Antrieb sollen jedoch weiterhin eigens entwickelt werden.

Die Herausforderung, Produktion, Vertrieb und Service erfolgreich aufzustellen, bleibt groß. Die Fahrradbranche steckt nach wie vor in der Krise. Der E-Bike-Absatz in Deutschland sank in den ersten vier Monaten dieses Jahres leicht auf 800.000 Verkäufe, bei klassischen Fahrrädern brach der Absatz um 19 Prozent ein. Eine deutliche Erholung wird erst ab 2025 erwartet. Van Moof sieht dies als Chance, sich bis dahin neu aufzustellen und am zukünftigen Aufschwung des Markts teilzuhaben. Das Unternehmen plant auch, künftig E-Scooter anzubieten, und McLaren Applied ist bereit, erhebliche Investitionen zu tätigen.

Van MoofE-BikeStart-Ups

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