Vale feuert Verwaltungsratsmitglied nach bestätigtem Informationsleck
Der brasilianische Bergbauriese Vale beruft Marcelo Gasparino da Silva nach einer unabhängigen Untersuchung wegen vertraulicher Datenweitergabe ab.

RIO DE JANEIRO – Der Verwaltungsrat des brasilianischen Bergbaukonzerns Vale hat beschlossen, das Verwaltungsratsmitglied Marcelo Gasparino da Silva abzuberufen. Dem Mitglied wird vorgeworfen, vertrauliche Informationen aus einer Sitzung vom 19. Juni weitergegeben zu haben. Das Unternehmen gab dies am späten Mittwoch bekannt.
Eine unabhängige externe Anwaltskanzlei untersuchte den Vorfall und bestätigte das Informationsleck. Vale stuft das Verhalten als Fehlverhalten gemäß den eigenen Unternehmensrichtlinien ein. Gasparino reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage für eine Stellungnahme.
Die Abberufung ist jedoch noch nicht endgültig vollzogen: Sie muss von den Aktionären auf einer kommenden Hauptversammlung offiziell genehmigt werden. Zusätzlich zur drohenden Abberufung aus dem Verwaltungsrat wurde Gasparino bereits aus zwei beratenden Ausschüssen entfernt, denen er angehörte.
Führungskrise bei Vale: Wochenlange Spannungen eskalieren
Der Fall Gasparino ist eingebettet in eine breitere Führungskrise beim weltgrößten Eisenerzproduzenten. Vale wählte am selben Mittwoch einen neuen Verwaltungsratsvorsitzenden, nachdem es wochenlang zu erheblichen Spannungen in der Unternehmensführung gekommen war. Auslöser war die Forderung des Großaktionärs Previ – der Pensionskasse der brasilianischen Staatsbank Banco do Brasil – nach der Abberufung des ehemaligen Vorsitzenden Daniel Stieler, der daraufhin zurücktrat.
Bei der anschließenden Wahl zum neuen Vorsitzenden unterlag Gasparino dem Kandidaten Manuel Lino Oliveira, der von Previ unterstützt wurde. Damit verlor Gasparino nicht nur die Wahl um den Vorsitz, sondern steht nun auch vor seiner vollständigen Abberufung aus dem Gremium. Der Fall verdeutlicht, wie stark der Einfluss institutioneller Großaktionäre auf die Unternehmensführung brasilianischer Konzerne sein kann.
Gasparino auch im Petrobras-Verwaltungsrat aktiv
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Zur AktienanalyseBemerkenswert ist, dass Gasparino nicht nur bei Vale, sondern auch im Verwaltungsrat des staatlichen brasilianischen Ölriesen Petrobras sitzt. Ob die Vorgänge bei Vale Konsequenzen für seine Tätigkeit bei Petrobras haben werden, ließ das Unternehmen offen. Für internationale Investoren, die in brasilianische Rohstoff- und Energiewerte investiert sind, ist die Personalie daher von besonderem Interesse.
Vale gehört zu den bedeutendsten Bergbauunternehmen der Welt und ist vor allem als führender Produzent von Eisenerz und Nickel bekannt. Das Unternehmen ist an der brasilianischen Börse B3 in São Paulo sowie als ADR an der New Yorker Börse gelistet und damit auch für deutsche Privatanleger handelbar. Governance-Themen wie das vorliegende Informationsleck können das Vertrauen institutioneller und privater Investoren nachhaltig beeinflussen und sind daher ein wichtiger Faktor bei der Bewertung des Unternehmens.


