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USMCA-Neuverhandlungen: Trump erhöht Druck auf Automobilindustrie

Die USA fordern 82% nordamerikanischen Fahrzeuginhalt – Kanada vorerst von Verhandlungen ausgeschlossen. Märkte reagieren gemischt.

Die Trump-Administration verschärft ihren Kurs in der Handelspolitik: Im Rahmen der Neuverhandlungen des US-Mexiko-Kanada-Abkommens (USMCA) fordern US-Handelsvertreter eine deutliche Anhebung der regionalen Inhaltsanforderungen für Fahrzeuge. Bilaterale Gespräche fanden zuletzt in Mexiko-Stadt statt – Kanada war dabei auffällig abwesend.

Konkret schlägt die US-Seite vor, den Anteil nordamerikanischer Inhalte bei in Nordamerika produzierten Fahrzeugen von derzeit 75% auf 82% anzuheben. Zusätzlich sollen 50% dieses Inhalts explizit aus den USA stammen. Das bestehende Abkommen aus dem Jahr 2020 sieht bislang vor, dass 40% bis 45% der sogenannten „Kernteile" – darunter Motoren, Getriebe und Elektrofahrzeugbatterien – in Hochlohnländern wie den USA oder Kanada gefertigt werden müssen.

Strategisches Vorgehen gegen Kanada

Branchenanalysten und Lobbyisten gehen davon aus, dass US-Handelsbeauftragter Jamieson Greer zunächst eine Einigung mit Mexiko anstrebt, um Kanada anschließend vor vollendete Tatsachen zu stellen. Diese Strategie passt zur anhaltenden Kritik der Administration an kanadischen Fahrzeug- und Teileexporten. Ziel ist es laut USTR, Handelsdefizite abzubauen, amerikanische Lieferketten zu stärken und den Einfluss Chinas sowie anderer Länder auf den nordamerikanischen Handelsblock einzudämmen.

Die USA streben zudem strengere Berechnungsmethoden für lokale Inhalte an. Damit soll ein Schiedsspruch vom Januar 2023 umgangen werden, der Mexiko und Kanada erlaubte, einen höheren Anteil nicht-nordamerikanischer Teile in Kernkomponenten zu verwenden. Formelle Gespräche mit Kanada sind bislang nicht angesetzt, was die Zukunft des trilateralen Pakts in Ungewissheit lässt.

Automobilaktien unter Druck

Die Ankündigung der 82%-Schwelle hat bereits Spuren an den Märkten hinterlassen. Der S&P-Automobilindex verzeichnete Verluste, General Motors-Aktien fielen um 1,3%, während die in den USA notierten Stellantis-Papiere um 2,7% nachgaben. Die Unsicherheit rund um die USMCA-Neuverhandlungen belastet die Branche spürbar.

Trotz der handelspolitischen Spannungen zeigten sich die breiten US-Aktienmärkte robust. Der Dow Jones Industrial Average stieg am Freitag um 0,72% auf 51.032,34 Punkte, der S&P 500 legte 0,22% auf 7.580,07 Zähler zu, und der Nasdaq Composite kletterte um 0,21% auf 26.972,62 Punkte. Treiber der Rally war der Technologiesektor: Dell-Aktien schossen nach einer starken Gewinnprognose um 32,8% in die Höhe, auch Hewlett Packard Enterprise und Super Micro Computer verzeichneten Gewinne.

KI-Euphorie trifft auf makroökonomische Risiken

Marktbeobachter, darunter Wells-Fargo-Stratege Ohsung Kwon, sprachen von einer „euphorischen Stimmung" rund um das Thema Künstliche Intelligenz. Der S&P 500 erzielte damit seinen neunten wöchentlichen Gewinn in Folge – die längste Gewinnserie seit Dezember 2023.

Diese Euphorie wird jedoch durch makroökonomische Risiken gedämpft. Die Inflation stieg im April so stark wie seit drei Jahren nicht mehr, und das BIP-Wachstum im ersten Quartal wurde auf 1,6% nach unten revidiert. Fed-Vertreter, darunter Kansas-City-Präsident Jeffrey Schmid und Vize-Chefin Michelle Bowman, warnten vor anhaltend hohem Inflationsdruck, der eine straffere Geldpolitik erfordern könnte. Die Geldmärkte preisen derzeit eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte im Dezember ein.

Die nächste entscheidende Runde der USMCA-Verhandlungen ist für den 16. und 17. Juni in Washington D.C. angesetzt. Das Treffen dürfte als wichtiger Gradmesser für die künftige Ausrichtung des Abkommens und die breitere Handelsstrategie der Trump-Administration gelten. Für Investoren bleibt die Schnittstelle aus geopolitischem Risiko und Unternehmensgewinnen das zentrale Thema der kommenden Wochen.

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