USA ziehen Truppen aus Deutschland ab – Europa muss mehr leisten
Das Pentagon kündigt den Abzug einer vollständigen Brigade aus Deutschland an – Verteidigungsminister Pistorius fordert mehr europäische Eigenverantwortung.

Das Pentagon hat am Freitag den Teilabzug amerikanischer Truppen aus Deutschland bekanntgegeben. Hintergrund sind Zerwürfnisse über den Iran-Krieg sowie anhaltende Zollstreitigkeiten, die das Verhältnis zwischen den USA und Europa weiter belasten. Der Abzug soll laut Pentagon innerhalb der nächsten sechs bis zwölf Monate abgeschlossen sein.
Verteidigungsminister Boris Pistorius bestätigte, dass der Teilabzug die derzeitige US-Präsenz von fast 40.000 in Deutschland stationierten Soldaten betreffen würde. Nach Angaben des Defense Manpower Data Center der USA waren zum Dezember vergangenen Jahres 36.436 aktive Soldaten in Deutschland stationiert. Konkret bedeutet die Entscheidung des Pentagons, dass eine vollständige Brigade Deutschland verlassen wird und ein Bataillon für weitreichende Artillerie, das im Laufe dieses Jahres verlegt werden sollte, gestrichen wird.
Besonders der Wegfall der weitreichenden Artillerie trifft Deutschland hart. Diese sollte ein bedeutendes zusätzliches Element der Abschreckung gegen Russland bilden, während die Europäer selbst solche Langstreckenraketen noch entwickeln. Unklar bleibt bislang, welche Stützpunkte konkret betroffen sein werden und ob die Truppen in die USA zurückkehren oder innerhalb Europas verlegt werden.
Hintergrund: Jahrzehnte US-Militärpräsenz in Deutschland
Die US-Militärpräsenz in Deutschland begann nach dem Zweiten Weltkrieg als Besatzungsmacht und erreichte ihren Höhepunkt in den 1960er Jahren, als Hunderttausende amerikanische Militärangehörige dort stationiert waren, um der Sowjetunion während des Kalten Krieges entgegenzuwirken. Zu den bekanntesten Einrichtungen zählen der riesige Luftwaffenstützpunkt Ramstein und das Krankenhaus in Landstuhl, die beide von den USA zur Unterstützung ihres Krieges im Iran sowie früherer Konflikte im Irak und in Afghanistan genutzt wurden.
Bereits in seiner ersten Amtszeit forderte Trump eine verringerte Militärpräsenz in Deutschland und drängte Europa wiederholt dazu, mehr Verantwortung für die eigene Verteidigung zu übernehmen. Die aktuelle Ankündigung verschärfte er Anfang dieser Woche nach einem Schlagabtausch mit Bundeskanzler Friedrich Merz, der Washingtons Ausstiegsstrategie im Nahen Osten infrage gestellt hatte.
Pistorius: Deutschland auf dem richtigen Weg
„Wir Europäer müssen mehr Verantwortung für unsere eigene Sicherheit übernehmen", sagte Pistorius. Er fügte hinzu, Deutschland sei mit dem Ausbau seiner Streitkräfte, der Beschleunigung der militärischen Beschaffung und dem Aufbau der Infrastruktur „auf dem richtigen Weg". Deutschland plant, die Zahl der aktiven Bundeswehrsoldaten von derzeit 185.000 auf 260.000 zu erhöhen – Kritiker des Ministers fordern angesichts der wachsenden Bedrohung durch Russland jedoch noch mehr.
Ein NATO-Sprecher erklärte, das Bündnis arbeite mit den USA zusammen, um die Details der Entscheidung zu verstehen. Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk, dessen Land angesichts des andauernden Russland-Ukraine-Krieges Zusicherungen für eine fortgesetzte US-Unterstützung an der NATO-Ostflanke sucht, äußerte sich besorgt. „Die größte Bedrohung für die transatlantische Gemeinschaft sind nicht ihre äußeren Feinde, sondern der fortschreitende Zerfall unseres Bündnisses. Wir müssen alles tun, um diesen verhängnisvollen Trend umzukehren", schrieb Tusk am Samstag auf X.
Doppelter Schlag für Deutschland: Truppen und Zölle
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Zur AktienanalyseDie Pläne des Pentagons waren nicht der einzige Schlag aus Washington gegen Deutschland an diesem Wochenende. Trump kündigte zudem an, die Zölle auf EU-Autoimporte auf 25 Prozent zu erhöhen – ein Schritt, der die deutsche Wirtschaft Milliarden kosten könnte. Er warf der EU vor, ein Handelsabkommen nicht einzuhalten.
Ein Außenpolitiker der CDU von Bundeskanzler Merz versuchte, die Ankündigungen einzuordnen. Peter Beyer sagte gegenüber Reuters, beide Schritte müssten vor dem Hintergrund des Drucks auf Trump im In- und Ausland gesehen werden – angesichts schwacher Umfragewerte und ungelöster Konflikte in der Ukraine, Venezuela und dem Iran. „Vor diesem Hintergrund wirken sowohl der Truppenabzug als auch die Handelspolitik weniger wie Ausdruck einer kohärenten Strategie, sondern eher wie ein politischer Reflex und eine aus Frustration geborene Reaktion", so Beyer.
Die NATO-Mitglieder haben zwar zugesagt, mehr Verantwortung für ihre eigene Verteidigung zu übernehmen. Angesichts knapper Budgets und großer Lücken in den militärischen Fähigkeiten wird es jedoch nach Einschätzung von Experten noch Jahre dauern, bis die Region ihren eigenen Sicherheitsbedarf vollständig decken kann.


