USA und Japan intervenieren gemeinsam am Devisenmarkt für Yen
Washington und Tokio stützen gemeinsam den japanischen Yen – eine historische Intervention mit weitreichenden Folgen für globale Anleihemärkte.

Die USA und Japan haben gemeinsam am Devisenmarkt interveniert, um den japanischen Yen zu stützen. Dieser koordinierte Schritt markiert eine historische Maßnahme, die die Tiefe der Währungskrise verdeutlicht. Kurz vor der Intervention testete der Yen 40-Jahres-Tiefs – ein alarmierendes Signal für beide Regierungen.
Die Schwäche des Yen hat mehrere Ursachen. Anleger zeigen sich besorgt über das langsame Tempo der Zinserhöhungen durch die Bank of Japan. Hinzu kommt die Erwartung höherer Staatsausgaben und einer stärkeren Kreditaufnahme unter Premierministerin Sanae Takaichi, was das Vertrauen in die Währung weiter belastet.
Wer profitiert – und wer leidet
Ein schwacher Yen ist nicht für alle Japaner ein Problem. Touristen und japanische Exporteure profitieren von der günstigen Währung, da ihre Waren und Dienstleistungen im Ausland wettbewerbsfähiger werden. Für japanische Haushalte hingegen ist die Lage schmerzhaft: Die Inflation bei Importgütern beschleunigt sich spürbar, was die Kaufkraft der Bevölkerung direkt trifft.
Die japanische Regierung ist nicht zum ersten Mal aktiv geworden. Bereits im April und Mai intervenierte Tokio, um die Währung bei rund 160 Yen pro US-Dollar zu stabilisieren. Der Verfall des Yen setzte sich jedoch kurz darauf fort – ein Zeichen dafür, dass die strukturellen Probleme tiefer liegen.
Energie und Carry Trade als Belastungsfaktoren
Ein neuerer Druckfaktor für den Yen ist der Energiesektor. Japan ist ein bedeutender Importeur von Öl und Gas aus dem Nahen Osten. Versorgungsengpässe infolge des Iran-Krieges haben die Importpreise in die Höhe getrieben. Da Energie in US-Dollar abgerechnet wird, schwächen sich die Währungen von Importnationen typischerweise ab, wenn die Öl- und Gaspreise steigen.
Auch das Verhalten ausländischer Investoren spielt eine entscheidende Rolle. Wetten gegen den Yen haben sich vervielfacht – getrieben nicht nur von Erwartungen einer weiteren Abschwächung, sondern auch durch ein Wiederaufleben des sogenannten Carry Trades. Bei dieser Strategie nutzen Anleger Terminkontrakte, um die Aufnahme von Yen-Krediten zu niedrigen Zinssätzen zu simulieren, tauschen diese Yen in US-Dollar und investieren den Erlös in höher verzinsliche US-Anlagen. Das verstärkt den Abwärtsdruck auf den Yen erheblich.
Warum die USA ein Eigeninteresse haben
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Zur AktienanalyseFür die Vereinigten Staaten ist ein schwacher Yen kein rein japanisches Problem. Japan ist der weltweit größte Einzelhalter von US-Staatsanleihen. Um seine Währung zu verteidigen, muss Japan einen Teil dieser Bestände verkaufen, um an die benötigten US-Dollar zu gelangen. Das erhöht das Angebot an US-Anleihen auf dem Markt und treibt deren Renditen nach oben.
Die Renditen von US-Anleihen sind bereits durch Kriegsnervosität, hohe Haushaltsdefizite sowie Unsicherheiten über Inflation und den Kurs der US-Notenbank Federal Reserve erhöht. US-Finanzminister Scott Bessent hat daher ein klares Interesse daran, weiteren Aufwärtsdruck auf die Renditen zu verhindern. Höhere Renditen bedeuten höhere Kreditkosten für die gesamte amerikanische Wirtschaft – von Hypotheken bis hin zu Unternehmensfinanzierungen.
Japan hat für den Fall einer erneuten Intervention eine wichtige Zusage gemacht: Tokio erklärte, dass es sich in diesem Fall Geld bei der US-Notenbank Fed leihen werde, anstatt seine Bestände an US-Staatsanleihen direkt zu verkaufen. Diese Vereinbarung schützt den amerikanischen Anleihemarkt vor zusätzlichem Verkaufsdruck und erklärt, warum Washington bereit war, die Intervention gemeinsam zu tragen.


