USA und Iran einigen sich auf Rahmenplan zur Kriegsbeendigung
Ein Abkommen soll die Straße von Hormus wieder öffnen – die Märkte reagieren mit einer breiten Risk-on-Rallye.

US-amerikanische und iranische Beamte haben sich auf einen Rahmenplan zur Beendigung ihres Krieges geeinigt. Das Abkommen sieht vor, die US-Blockade des Irans zu stoppen und die Straße von Hormus wieder zu öffnen. Das heikle Schicksal des iranischen Atomprogramms soll weiteren Verhandlungen überlassen werden. Die Meerenge soll am Freitag vollständig geöffnet werden, wenn das ursprüngliche Abkommen unterzeichnet werden soll.
Die Einigung löste umgehend eine breite Risk-on-Rallye an den globalen Finanzmärkten aus. US-amerikanische und europäische Aktien-Futures legten alle um 1 % oder mehr zu. Besonders stark profitierten japanische und südkoreanische Aktien, die um mehr als 5 % stiegen – als Netto-Energieimporteure profitieren diese Länder besonders stark von einem fallenden Ölpreis.
Der Rohölpreis der Sorte Brent fiel um 5 %. Sollte dieser Rückgang anhalten, würde er das Inflationsrisiko und damit die Notwendigkeit von Zinserhöhungen verringern. Die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen fielen um 6 Basispunkte auf ein Einmonatstief, und die Fed-Funds-Futures legten zu, wobei eine Straffung um 8 Basispunkte für das nächste Jahr ausgepreist wurde.
Offene Fragen rund um die Straße von Hormus
Trotz der positiven Marktstimmung bleiben erhebliche Unsicherheiten bestehen. Trump erklärte, die Durchfahrt durch die Meerenge werde gebührenfrei sein, während Teheran angab, die lebenswichtige Wasserstraße gemeinsam mit dem Oman zu kontrollieren. Jede Gebühr würde das völkerrechtliche Prinzip der Freiheit der Meere untergraben, das für globale Lieferketten unerlässlich ist und die Grundlage des gesamten Handelssystems bildet.
Die Frage nach möglichen Gebühren hat weitreichende Implikationen. Wenn der Iran die Meerenge kontrollieren kann, stellt sich die Frage, ob nicht auch für andere strategisch wichtige Wasserstraßen wie die Straße von Malakka, das Bab el-Mandeb, die Straße von Taiwan, den Ärmelkanal oder die Straße von Gibraltar irgendwann Gebühren erhoben werden könnten. Zudem ist unklar, ob Schiffseigner ihre Schiffe ohne Schutz in der Meerenge riskieren werden und wie hoch die Versicherungskosten sein könnten. Vor dem Krieg wurden täglich durchschnittlich 138 Transits durch die Meerenge verzeichnet – ob und wann dieser Wert wieder erreicht wird, bleibt offen. Auch der Zustand der beschädigten Öl- und Flüssigerdgasanlagen ist weiterhin unklar.
Auswirkungen auf die Fed und globale Zentralbanken
Billigeres Öl könnte die Position der „Tauben" im Fed-Vorstand stärken, vermutlich einschließlich des Vorsitzenden Kevin Warsh, die an der Lockerungstendenz (Easing Bias) festhalten wollen. Das Aufgeben dieser Tendenz und der Wechsel zu einer neutralen Haltung bleibt angesichts der Kommentare vieler FOMC-Mitglieder ein reales Risiko für die Sitzung in dieser Woche.
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Zur AktienanalyseIn dieser Woche stehen zudem Sitzungen der Zentralbanken im Vereinigten Königreich, in Japan, Australien, der Schweiz, Schweden, Norwegen und Russland an. Japan gilt dabei als der Kandidat, der dieses Mal wahrscheinlich die Zinsen anheben wird. Besondere Aufmerksamkeit gilt der russischen Sitzung am Freitag: Notenbankgouverneurin Elvira Nabiullina wurde seit einigen Wochen nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen, was Spekulationen über ihre Zukunft ausgelöst hat. Analysten schreiben Nabiullina zu, die russische Wirtschaft während des Ukraine-Krieges stabilisiert zu haben – ihre Abwesenheit würde das Vertrauen der Märkte in das System auf die Probe stellen.
Zu den weiteren wichtigen Ereignissen der Woche zählen der Beginn des G7-Gipfels in Evian-les-Bains in Frankreich sowie eine vorab aufgezeichnete Grundsatzrede von EZB-Präsidentin Christine Lagarde. Auf der Datenseite stehen EU-Handelsdaten und Industrieproduktionszahlen für April sowie US-Industrieproduktionsdaten für Mai und der Empire State Manufacturing Index für Juni auf dem Programm.


