USA und China: Warum ein kalter Frieden ausreicht
Ein Experte der Johns Hopkins University analysiert, warum Stabilität zwischen Washington und Peking möglich – und wirtschaftlich notwendig ist.

Xi Jinpings Warnung an Donald Trump über die kritische Bedeutung Taiwans war diese Woche sowohl vorhersehbar als auch beunruhigend. Der chinesische Präsident brauchte klare Worte über einen möglichen „Konflikt", um innenpolitische Hardliner zu besänftigen. Doch beide Staatschefs wissen: Ein Krieg in der Region würde ihre Volkswirtschaften zerstören.
Das überraschendere Signal aus den jüngsten Gesprächen ist, dass Xi und Trump offenbar ein echtes Interesse an einer Stabilisierung der US-chinesischen Beziehungen haben. Wenn die Falken auf beiden Seiten des Pazifiks dies akzeptieren können, könnte ein Patt zu der dauerhaften Entspannung führen, die beide Länder dringend benötigen. Ein Zeitfenster dafür öffnet sich gerade.
Trumps unerwarteter Spielraum
Bemerkenswerterweise hat Trump echten Spielraum in den US-chinesischen Beziehungen geschaffen. Er hat ideologische Einwände beiseitegewischt, Xi als „guten Freund" bezeichnet und viele der Instrumente demontiert, mit denen die USA lange Zeit Autokratien herausgefordert haben. Er signalisierte Offenheit für chinesische Investitionen, die Arbeitsplätze für amerikanische Landwirte und die Industrie bringen würden, und hieß sogar 600.000 chinesische Studenten an US-Universitäten willkommen.
Gleichwohl vollzog Trump auch seine üblichen Kehrtwenden. Er genehmigte im März chinesische Käufe von iranischem Öl und verhängte einige Sekundärsanktionen. Während hochrangige US-Beamte chinesische Bemühungen anerkennen, den Iran zu einem Waffenstillstand zu bewegen, werfen andere China vor, den Konflikt auszunutzen. In Peking erklärte Xi gegenüber Trump, er werde keine Waffen an den Iran verkaufen – was Spekulationen über chinesische Militärhilfe dämpfte.
Auch China hat eigene Gründe, Stabilität zu wollen. Zwischen 10 und 20 Millionen chinesische Arbeitsplätze hängen vom Handel mit den USA ab. Angesichts einer zweistelligen Jugendarbeitslosigkeit möchte die chinesische Führung den Handelsfrieden eher verlängern, als weitere Turbulenzen zu riskieren. Xi bereitet sich zudem darauf vor, im nächsten Jahr eine vierte Amtszeit anzustreben – und möchte dem heimischen Publikum zeigen, dass er eine Konfrontation mit Washington vermeiden kann.
Vier harte Wahrheiten für beide Seiten
Der Autor, Professor an der Johns Hopkins School of Advanced International Studies und Verfasser des bald erscheinenden Buches „What China Wants", benennt vier Wahrheiten, die beide Seiten akzeptieren müssen, um diesen Moment zu nutzen.
Erstens: Eine Entkopplung ist eine Fantasie. Die Volkswirtschaften beider Supermächte sind so symbiotisch verflochten, dass eine Trennung schlicht unmöglich ist. Die USA können sich nicht schnell von chinesischen Seltenen Erden lösen – in 15 Jahren hat Japan seine Abhängigkeit lediglich von über 90 Prozent auf 60 Prozent gesenkt. Mehr als ein Drittel der amerikanischen pharmazeutischen Wirkstoffe wird ausschließlich aus China bezogen. Chinesische Unternehmen sind ihrerseits auf US-amerikanische Chips, Tierfutter und mehr angewiesen.
Zweitens: Der Begriff „strategischer Wettbewerb" sollte aufgegeben werden. Im Chinesischen ist der entsprechende Begriff linguistisch noch stärker belastet – die Regierung rät Berichten zufolge von seiner Verwendung ab. Eine solche konfrontative Rahmung verhindert eine Koexistenz, mit der beide Seiten tatsächlich leben könnten. Zwei Dutzend amerikanische und chinesische Experten, die der Autor in diesem Frühjahr zusammenrief, waren sich einig: Eine neue Sprache ist der Schlüssel zur Änderung der Denkmodelle auf beiden Seiten. Alternativen wie „Koevolution" oder „gesteuerte Interdependenz" wurden diskutiert.
Wiederankopplung statt Abkopplung
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Zur AktienanalyseDrittens plädiert der Autor dafür, die Gemäßigten auf beiden Seiten zu stärken. Zu den Kräften, die eine Spaltung zwischen den USA und China vorantreiben, gehören führende Gesetzgeber sowie Tech-Giganten, die einen Wettlauf mit Peking beschwören, um sich Sicherheitsvorkehrungen bei der KI zu widersetzen. Die amerikanische Öffentlichkeit hingegen ist eher besorgt über Arbeitsplätze, Bezahlbarkeit und die Zukunft der Menschheit als über veraltete Vorstellungen eines Wettbewerbs um globale Vorherrschaft.
Eine gezielte Wiederankopplung in bestimmten Bereichen ist sinnvoll – ökonomisch wie symbolisch. US-Autofabrikarbeiter könnten beispielsweise von chinesischer Technologie und Investitionen in Batterie- und Elektrofahrzeugwerke profitieren. Sicherheits- und Arbeitsmarktbedenken ließen sich durch lokales Eigentum, Gewerkschaftsbeteiligung und ähnliche Maßnahmen abmildern. Um in Schlüsselbranchen wie Automobil, Batterie und Hochtechnologie aufzuholen, müssten US-Hersteller eher mit als gegen chinesische Unternehmen agieren, die diese Sektoren derzeit dominieren.
Die Botschaft des Analysten ist klar: Ein kalter Frieden zwischen den USA und China ist kein Scheitern der Diplomatie – er ist gut genug, und er ist erreichbar. Beide Seiten haben die wirtschaftlichen Anreize, ihn zu wollen. Die Frage ist, ob die politischen Systeme auf beiden Seiten des Pazifiks klug genug sind, ihn auch zu gestalten.

