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USA restrukturieren globales Versorgungsprogramm für Malaria und HIV

Washington krempelt sein milliardenschweres Hilfsprogramm für lebensrettende Medikamente um – Experten warnen vor gefährlichen Versorgungslücken in Entwicklungsländern.

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Die USA stehen vor einer grundlegenden Neuausrichtung ihres globalen Gesundheitsversorgungssystems. Bislang wickelten die Vereinigten Staaten ihre medizinischen Spenden über das „Global Health Supply Chain Program – Procurement and Supply Management" (GHSC-PSM) ab, das vom privaten Dienstleister Chemonics betrieben wurde. Von seiner Gründung im Jahr 2016 bis 2024 lieferte das Programm HIV- und Malaria-Produkte im Gesamtwert von mehr als 5 Milliarden US-Dollar in 90 Länder – hauptsächlich in Subsahara-Afrika und Asien.

Das Programm geriet ins Stocken, als Präsident Donald Trump zu Beginn seiner Amtszeit im Januar die internationale Hilfe eingefroren hatte. Hilfsgüter im Wert von Millionen US-Dollar blieben daraufhin in Häfen und Lagern stecken – darunter antiretrovirale Medikamente gegen HIV sowie mit Insektiziden behandelte Moskitonetze. Ein Großteil der Lieferungen wurde zwar wieder aufgenommen, nachdem Washington eine Ausnahmeregelung für lebensrettende Produkte erlassen hatte. Die langfristige Zukunft des Programms bleibt jedoch ungewiss.

Eiliger Zeitplan alarmiert Experten

Das US-Außenministerium forderte Mitarbeiter in 17 afrikanischen Ländern sowie Haiti in einer E-Mail auf, die Umsetzung des Versorgungsprogramms bis zum 30. Mai einzustellen. Darin wurde darauf hingewiesen, dass der Vertrag mit Chemonics am 30. September auslaufe – obwohl das offizielle Vertragsende eigentlich im November liegt. Die E-Mail, die Reuters vorliegt und von zwei Quellen bestätigt wurde, warnte ausdrücklich vor dem Risiko „unmittelbarer Gefahren für die Kontinuität der Dienstleistungen, falls der Übergang überstürzt oder unvollständig erfolgt".

Fünf mit der Angelegenheit vertraute Quellen bestätigten, dass die Geschwindigkeit des Wandels in mehreren Ländern bereits zu Engpässen oder Lücken bei lebensrettenden Produkten geführt hat oder führen könnte. Konkret wurden Engpässe bei Malariamedikamenten für Kinder sowie Lücken in der HIV-Prävention gemeldet. Ein klarer Übergangsplan wurde bislang nicht vorgelegt; stattdessen wurde jedes US-Länderbüro aufgefordert, eigenständig darzulegen, wie es die Übergabe gestalten wolle.

Ein Sprecher des Außenministeriums erklärte gegenüber Reuters, das Ministerium habe „Chemonics keine technische Anweisung gegeben, den Betrieb bis zum 30. Mai oder zu einem anderen Datum einzustellen". Chemonics selbst lehnte eine Stellungnahme ab. Die widersprüchlichen Signale aus Washington verschärfen die Unsicherheit für die betroffenen Länder zusätzlich.

Globaler Fonds als möglicher Nachfolger

Sechs Quellen berichten, dass die USA derzeit mit dem Globalen Fonds zur Bekämpfung von AIDS, Tuberkulose und Malaria über die Nutzung seiner Lieferplattform verhandeln. Der in Genf ansässige Globale Fonds verwaltet bereits den Einkauf und die Lieferung von Gesundheitsprodukten im Wert von rund 2 Milliarden US-Dollar pro Jahr für die drei Infektionskrankheiten. Er verfügt zudem über eine etablierte Online-Beschaffungsplattform, die von Partnerorganisationen genutzt wird.

Zwei Quellen gaben an, dass frühere Gespräche zwischen dem Fonds und der US-Regierung einen Übergang im November 2027 vorgesehen hatten. Den nun angestrebten Zeitplan von wenigen Wochen bezeichnen sie als unrealistisch: Die Bestellung medizinischer Produkte für schwer zugängliche Regionen könne bis zu einem Jahr in Anspruch nehmen. Der Globale Fonds lehnte eine Stellungnahme ab, das Außenministerium antwortete nicht auf spezifische Fragen zu den Verhandlungen.

Trumps „America First"-Strategie im Gesundheitsbereich

Die Neuausrichtung ist Teil der im September veröffentlichten „America First Global Health Strategy" der Trump-Regierung. Darin werden Auftragnehmer wie Chemonics als Teil einer „erheblichen Ineffizienz und Verschwendung" bezeichnet, die aus dem System beseitigt werden solle. Ein Sprecher des Außenministeriums nannte das bisherige System einen „aufgeblähten Teil eines veralteten Entwicklungsmodells", das „die amerikanischen Steuerzahler nicht an erste Stelle setzt".

Als Alternative setzt Washington künftig auf bilaterale Abkommen direkt mit Empfängerländern sowie auf private Logistikunternehmen für die Verteilung. Bislang wurden 28 bilaterale Gesundheitspakte unterzeichnet, unter anderem mit Kenia, Ruanda und Uganda. Die Details dieser Abkommen werden jedoch noch ausgearbeitet. Das Abkommen mit Kenia sieht sich zudem einer gerichtlichen Anfechtung durch lokale Aktivisten wegen Datenschutzbedenken gegenüber, während Verhandlungen mit Sambia ins Stocken geraten sind.

Für Millionen von Menschen in Subsahara-Afrika und Asien hängt von einer reibungslosen Übergangsgestaltung buchstäblich das Leben ab. Ob die ambitionierten Reformpläne der Trump-Regierung ohne gefährliche Versorgungslücken umgesetzt werden können, bleibt angesichts des engen Zeitrahmens und der ungeklärten logistischen Fragen mehr als fraglich.

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