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USA: Psychedelika-Forschung soll Gesetz werden – Cannabis kämpft vor Gericht

Während der US-Kongress Psychedelika-Therapien dauerhaft verankern will, blockieren Generalstaatsanwälte die Cannabis-Neueinstufung der Trump-Regierung.

Die US-amerikanische Drogenpolitik bewegt sich auf zwei Gleisen gleichzeitig: Auf der einen Seite treibt ein parteiübergreifendes Bündnis im Kongress die gesetzliche Verankerung von Psychedelika-Forschung voran. Auf der anderen Seite sieht sich die Trump-Regierung mit einer wachsenden Klagewelle gegen ihre Cannabis-Neueinstufung konfrontiert. Beide Entwicklungen könnten die US-Drogenpolitik grundlegend verändern.

Im Mittelpunkt der Psychedelika-Initiative stehen die Abgeordneten Lou Correa (Demokrat, Kalifornien) und Jack Bergman (Republikaner, Michigan). Als Co-Vorsitzende des Congressional Psychedelics Advancing Therapies (PATH) Caucus wollen sie Trumps jüngste Exekutivanordnung zu psychedelischer Medizin in dauerhaftes Bundesrecht überführen. Ziel ist es, die Forschungsförderung für Substanzen wie Psilocybin, MDMA und Ibogain vor künftigen politischen Kurswechseln zu schützen.

Rep. Bergman betonte die Dringlichkeit dieses gesetzgeberischen Schutzschildes: „Der Zeitpunkt ist jetzt gekommen, um den Ball ins Rollen zu bringen – um Durchbrüche zu sehen." Er erklärte, er sei „produktagnostisch" und konzentriere sich ausschließlich auf klinische Ergebnisse für Veteranen und Patienten mit behandlungsresistenten psychischen Erkrankungen. Rep. Correa bezeichnete die Initiative als notwendige Korrektur des gescheiterten „Krieges gegen Drogen" und sieht in Psychedelika-Therapien das Potenzial, die psychische Gesundheitsversorgung zu revolutionieren.

Rückenwind aus der Regierung

Auch aus der Exekutive kommt Unterstützung. HHS-Sekretär Robert F. Kennedy Jr. bestätigte, dass Bundesbehörden „sehr begierig" darauf seien, einen regulatorischen Pfad für kontrollierten therapeutischen Zugang zu schaffen. Kennedy zeigte sich zuversichtlich, dass die Regierung Regeln finalisieren werde, die Veteranen mit PTSD und Depressionen den Zugang ermöglichen. VA-Sekretär Doug Collins signalisierte zudem Offenheit für innovative Finanzierungsmodelle, etwa staatliche Gutscheine für Veteranen, die Psychedelika-Therapien außerhalb des VA-Systems suchen.

Konkrete Gesetzesvorschläge sehen jährliche Mittel von 30 Millionen US-Dollar vor, um sogenannte „Centers of Excellence" an VA-Einrichtungen zu etablieren, die sich diesen neuartigen Behandlungen widmen. Dies unterstreicht den ernsthaften politischen Willen, die Forschung auf eine solide institutionelle Grundlage zu stellen.

Klagen bremsen Cannabis-Neueinstufung

Während die Psychedelika-Branche parteiübergreifenden Schwung erlebt, sieht sich die Cannabis-Industrie mit erheblichem juristischem Gegenwind konfrontiert. Eine Koalition von Generalstaatsanwälten aus Indiana, Nebraska und Louisiana hat Klage eingereicht, um die Cannabis-Neueinstufung der Trump-Regierung zu blockieren. Diese Klage wurde mit einer separaten Klage einer prohibitionistischen Gruppe und eines Drogentest-Branchenverbands zusammengelegt – ein komplexes rechtliches Hindernis für die Reformagenda der Regierung.

Trotz dieser juristischen Herausforderungen bleibt die öffentliche Unterstützung für Cannabis-Reformen auf historischem Höchststand. Eine aktuelle Umfrage des Pew Research Center zeigt, dass eine „große Mehrheit" der Amerikaner die Legalisierung für medizinische oder Freizeitzwecke befürwortet. Rep. Steve Cohen (Demokrat, Tennessee) und andere Gesetzgeber erhöhen zudem den Druck auf den Präsidenten, die Strafen von Personen zu mildern, die wegen gewaltloser Marihuana-Vergehen inhaftiert sind.

Hanf und Bundesstaaten: Gemischtes Bild

Im Hanfsektor warnte Senator Ted Cruz (Republikaner, Texas) Branchenvertreter, dass die Verhinderung einer Rekriminalisierung von Hanf-THC-Produkten auf Bundesebene einen „sehr steilen Weg" darstelle. Cruz verwies auf den Einfluss von Senator Mitch McConnell als wesentliches Hindernis, deutete aber an, dass sich das politische Umfeld für Reformen im Jahr 2027 verbessern könnte.

Auf Bundesstaatsebene bleibt die Aktivität trotz föderaler Unsicherheit robust. Einige bemerkenswerte Entwicklungen im Überblick:

Kalifornien

erzielte im ersten Quartal 2026 fast 248 Millionen US-Dollar an Cannabis-Steuereinnahmen

Virginia:

Gouverneurin Abigail Spanberger räumte ein, bei ihrem Veto gegen die Freizeitlegalisierung möglicherweise zu vorsichtig gewesen zu sein

Rhode Island:

Gouverneur Dan McKee ernannte einen neuen Vorsitzenden der staatlichen Cannabis Control Commission

Wissenschaft:

Eine Studie fand, dass hochpotente THC-Produkte zwar mit schlechterer verbaler Gedächtnisleistung assoziiert sein können, jedoch keine messbaren kognitiven Beeinträchtigungen am Folgetag durch Cannabis-Rauchen festgestellt wurden

Alzheimer-Forschung:

Eine Fallstudie dokumentierte eine „vorübergehende multidimensionale funktionelle Verbesserung" bei Alzheimer-Patienten nach Psilocybin-Gabe

Im Unternehmensbereich stärkte Innovative Industrial Properties, Inc. (IIPR) seine Bilanz durch die vollständige Rückzahlung von 282 Millionen US-Dollar ausstehender vorrangiger Schuldverschreibungen – ein Signal für die fortschreitende finanzielle Reife im Cannabis-Sektor.

Die Entwicklungen zeigen: Die US-Drogenpolitik befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Ob Psychedelika-Therapien dauerhaft im Bundesrecht verankert werden und ob Cannabis seine Neueinstufung vor Gericht verteidigen kann, dürfte die Branche – und die Gesundheitsversorgung von Millionen Amerikanern – in den kommenden Jahren entscheidend prägen.

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