USA planen Zoll-Doppelschlag gegen chinesisches Polysilizium
Washington will 15 Prozent Zoll und Mindestpreise einführen – Wacker Chemie profitiert, Verbraucher könnten draufzahlen.

Die USA bereiten offenbar einen massiven handelspolitischen Angriff auf Chinas Dominanz bei Polysilizium vor. Laut vier US-Insidern plant Präsident Donald Trump, noch am Donnerstag einen Zollsatz von 15 Prozent auf Polysilizium-Derivate sowie eine Reihe von Mindestimportpreisen für Polysilizium, Wafer, Zellen und Solarmodule zu verkünden. Polysilizium ist der zentrale Rohstoff sowohl für Solarmodule als auch für Computerchips.
Hintergrund der Maßnahmen ist der Wille der US-Regierung, die heimische Produktion zu schützen und bei Künstlicher Intelligenz sowie Energie konkurrenzfähig mit China zu bleiben. Rechtliche Grundlage ist Abschnitt 232 des Trade Expansion Act von 1962, der dem Präsidenten erlaubt, Zölle zu verhängen, wenn Importe die nationale Sicherheit bedrohen. Trump hat dieses Instrument bereits bei Stahl, Aluminium und Autos eingesetzt.
Wacker Chemie als klarer Gewinner
Die Nachricht ließ die Aktie der Münchner Wacker Chemie am Mittwoch um 6,5 Prozent nach oben schnellen. Das Unternehmen zählt neben Hemlock Semiconductor – einem Gemeinschaftsunternehmen von Corning und der japanischen Shin-etsu Handotai – zu den wenigen Polysilizium-Produzenten in den USA. Wacker hat sich auf hochreines Chip-Silizium spezialisiert und ist in diesem Segment weltweiter Marktführer. Die Polysilizium-Fabrik des Konzerns in Bayern wurde zuletzt sogar ausgebaut.
Aus Polysilizium werden Siliziumscheiben, sogenannte Wafer, gefertigt, aus denen Chips gestanzt werden. Gleichzeitig bilden Wafer die Basis für Solarmodule – jenen Markt, den China mit massiven Kapazitäten dominiert. Nach Daten der Semiconductor Industry Association entfallen lediglich 2,4 Prozent der weltweiten Polysilizium-Nachfrage auf die Chip-Industrie. China hingegen stellt 80 Prozent der globalen Produktionskapazität für Solaranlagen.
Chinas Dominanz durch Subventionen und Überkapazitäten
Craig Singleton von der Foundation for Defense of Democracies erklärt Chinas Marktmacht mit staatlichen Subventionen und einer chronischen Überkapazität. Diese hätten die Preise unter ein wirtschaftlich tragfähiges Niveau gedrückt und westliche Konkurrenten systematisch geschwächt. Mindestpreise könnten das Überleben der US-Hersteller sichern, so der Experte.
Die chinesische Botschaft in Washington reagierte prompt mit Kritik. Die US-Regierung solle die geplanten Maßnahmen stoppen und die Bedenken aller Parteien „durch einen Dialog auf Augenhöhe ausräumen".
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Zur AktienanalyseRisiko: Höhere Kosten für Chips, Solarmodule und Verbraucher
Die Maßnahmen haben jedoch eine Kehrseite. Zölle und Mindestpreise könnten die Kosten für Chips und Solarmodule deutlich in die Höhe treiben – beides ist für den Betrieb und die Stromversorgung von Rechenzentren unverzichtbar. Auch Konsumelektronik und Automobile könnten sich verteuern.
Importeure, die in die US-Produktion von Wafern und Solarzellen investieren, sollen die entstehenden Mehrkosten durch die neuen Regelungen ausgleichen können. Doch der Großteil der US-Solarfirmen beschränkt sich bislang auf den Zusammenbau von Modulen und ist weiterhin auf Importe aus Malaysia, Singapur oder Deutschland angewiesen. Eine eigenständige Wertschöpfungskette aufzubauen, würde erhebliche Zeit in Anspruch nehmen – insbesondere beim hochkomplexen Chip-Silizium.


