USA investieren zwei Milliarden Dollar in Quantencomputer-Unternehmen
Die Trump-Administration übernimmt Kapitalbeteiligungen an neun Firmen, darunter IBM, zur Stärkung der heimischen Quantentechnologie.

Die Trump-Administration hat zugestimmt, Kapitalbeteiligungen in Höhe von insgesamt zwei Milliarden US-Dollar an neun Quantencomputing-Unternehmen zu übernehmen. Größter Empfänger ist IBM, das eine Milliarde Dollar für die Gründung eines neuen Unternehmens erhält. Der Schritt ist Teil einer umfassenderen Initiative zur Stärkung der heimischen Lieferkette und zur Begrenzung des chinesischen Einflusses in strategischen Sektoren.
Das US-Handelsministerium gab am Donnerstag bekannt, dass IBM die Mittel für die Gründung eines Unternehmens namens Anderon in New Albany, New York, nutzen wird. Anderon soll Amerikas erste spezialisierte Produktionsstätte für Quantenchips werden. IBM wird neben der Milliardeninvestition auch geistiges Eigentum, Vermögenswerte und Personal in das neue Unternehmen einbringen und weitere Investoren gewinnen.
Der Auftragsfertiger GlobalFoundries erhält 375 Millionen Dollar, um eine heimische Fabrik für Komponenten verschiedener Quantenmaschinen zu errichten. GlobalFoundries gründete dafür einen neuen Geschäftsbereich namens Quantum Technology Solutions. Die US-Regierung übernimmt dabei eine Kapitalbeteiligung von rund einem Prozent an dem Unternehmen.
Weitere Empfänger und Marktreaktionen
Neben IBM und GlobalFoundries profitieren auch kleinere Quantencomputing-Firmen von den staatlichen Mitteln. D-Wave, Rigetti Computing und Infleqtion erhalten jeweils rund 100 Millionen Dollar. Das Unternehmen Diraq bekommt bis zu 38 Millionen Dollar, um zentrale technische Hürden bei der Entwicklung leistungsfähigerer Quantencomputer zu überwinden.
Die Börse reagierte positiv auf die Nachrichten: Die Aktien der beteiligten Unternehmen stiegen im frühen Handel zwischen drei und 24 Prozent. Die Finanzierung erfolgt über Anreize im Rahmen des CHIPS and Science Act, der noch unter dem ehemaligen Präsidenten Joe Biden unterzeichnet worden war.
Handelsminister Howard Lutnick kommentierte die Maßnahme: „Diese strategischen Investitionen in die Quantentechnologie werden auf unserer heimischen Industrie aufbauen, Tausende von gut bezahlten amerikanischen Arbeitsplätzen schaffen und gleichzeitig die amerikanischen Quantenfähigkeiten vorantreiben."
Strategische Industriepolitik gegen China
Die Investition reiht sich in eine Serie staatlicher Eingriffe der Trump-Administration ein. Im vergangenen Jahr wandelte die Regierung Fördergelder des CHIPS Act sowie ausstehende staatliche Anreize in eine Beteiligung von zehn Prozent an Intel um und wurde damit zum größten Aktionär des Chipherstellers. Zudem übernahm sie eine bedeutende Beteiligung an MP Materials, einem Bergbauunternehmen für Seltene Erden.
Quantencomputer sind darauf ausgelegt, Informationen exponentiell schneller zu verarbeiten als herkömmliche Supercomputer. Die Technologie gilt als potenziell revolutionär für Bereiche wie Wirkstoffforschung, Finanzmodellierung und Kryptografie. Allerdings stehen die Maschinen noch vor erheblichen technischen Hürden, darunter hohe Fehlerraten, die ihre praktische Leistungsfähigkeit einschränken.
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Zur AktienanalyseZeitplan bleibt umstritten
Die Frage, wann Quantencomputer für den breiten praktischen Einsatz bereit sein werden, ist unter Experten umstritten. Nvidia-CEO Jensen Huang äußerte sich im vergangenen Jahr skeptisch und schätzte, dass „sehr nützliche Quantencomputer" wahrscheinlich noch zwei Jahrzehnte entfernt seien.
Matthew Kinsella, CEO von Infleqtion, sieht das anders. Gegenüber Reuters sagte er: „Die Regierung hat bisher bewiesen, dass sie keine Technologien finanziert, die sie als spekulativ erachtet, und ich glaube, dass diese Investition wirklich bestätigt, dass Quantencomputing viel schneller kommt, als man denkt." Die staatliche Investition wird von Befürwortern der Technologie als wichtiges Signal gewertet, dass die USA die Quantentechnologie als strategisch entscheidend für die Zukunft betrachten.


