USA geben 600 Millionen Dollar für globale Impfinitiative Gavi frei
Nach monatelangem Streit um Impfstoffsicherheit entsperrt die Trump-Regierung zurückgehaltene Mittel für die Impfallianz Gavi.

Die Trump-Regierung hat am Mittwoch angekündigt, umgehend vom Kongress bewilligte Mittel in Höhe von 600 Millionen US-Dollar für die globale Impfallianz Gavi freizugeben. Washington hatte die Gelder zuvor zurückgehalten – auf Betreiben von US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr., der unbegründete Sicherheitsbedenken gegenüber bestimmten Impfstoffen geäußert hatte. Die Entscheidung markiert eine bedeutende Kehrtwende in der US-amerikanischen Gesundheitspolitik gegenüber den ärmsten Ländern der Welt.
Gavi, die in Genf ansässige globale Impfallianz, unterstützt die ärmsten Länder beim Kauf von Impfstoffen und schützt damit Kinder vor Krankheiten wie Masern und Diphtherie. Die USA hatten zuvor rund 13 Prozent der Gavi-Finanzierung beigesteuert – was etwa 300 Millionen Dollar pro Jahr entspricht. Der Entzug dieser Mittel hatte bei der Organisation erhebliche finanzielle Lücken hinterlassen, die durch Kürzungen anderer einkommensstarker Nationen noch verschärft wurden.
Thimerosal-Streit als Auslöser der Krise
Im Zentrum des Konflikts stand das Konservierungsmittel Thimerosal – eine quecksilberhaltige Substanz, die in manchen Impfstoffen eingesetzt wird. Kennedy, ein langjähriger Impfskeptiker und Gründer einer Impfgegner-Organisation, hatte im Juni 2025 erklärt, die USA würden keine weiteren Mittel bereitstellen, da Gavi Sicherheitsaspekte ignoriere. Belege für diese Behauptung legte er nicht vor. Impfgegner-Gruppen behaupten seit Jahrzehnten, Thimerosal stehe mit Autismus und neurologischen Entwicklungsstörungen in Verbindung – zahlreiche wissenschaftliche Studien konnten jedoch keine entsprechenden Sicherheitsprobleme belegen.
Den Weg zur Einigung ebnete Gavi-Vorstandsvorsitzende Sania Nishtar, die im Vormonat erklärt hatte, die Organisation distanziere sich von Impfstoffen mit quecksilberhaltigen Konservierungsmitteln. Das US-Außenministerium bestätigte am Mittwoch, dass die Mittelfreigabe erfolge, nachdem Gavi sich verpflichtet habe, „auf eine Umstellung quecksilberhaltiger Impfstoffe hinzuarbeiten und den Zugang zu neueren, quecksilberfreien Alternativen auszuweiten".
Rubio signalisierte Entspannung bereits im Juni
US-Außenminister Marco Rubio hatte bereits im Juni signalisiert, dass eine Wiederaufnahme der Zusammenarbeit mit Gavi angestrebt werde. Er verwies dabei auf Bedenken des Kongresses sowie auf „unsere Ziele im Bereich der globalen Gesundheit". Die nun vollzogene Freigabe der Mittel folgt dieser diplomatischen Öffnung und stellt die USA wieder als wichtigen Partner der internationalen Gesundheitsarchitektur dar.
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Zur AktienanalyseDas Außenministerium erklärte zudem, dass die USA erwarten, ihren Sitz im Gavi-Vorstand wieder einzunehmen. Künftige US-Unterstützung für die Organisation werde allerdings an Bedingungen geknüpft: Sie soll auf Grundlage von „nachgewiesener Leistung, Rechenschaftspflicht und Umsetzung" von Reformen bewertet werden. Gavi hatte inzwischen eine Reihe von Kostensenkungsmaßnahmen eingeleitet, um die durch den US-Rückzug entstandenen Finanzierungslücken zu überbrücken.
Für die ärmsten Länder der Welt kommt die Entscheidung zur rechten Zeit: Gavi ist eine der wichtigsten Säulen der globalen Impfversorgung und hat seit seiner Gründung im Jahr 2000 dazu beigetragen, Hunderte Millionen Kinder zu impfen. Eine dauerhafte Unterfinanzierung hätte weitreichende humanitäre Folgen gehabt.


