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USA führen Biotech-Innovation trotz Chinas rasantem Aufstieg

Eine neue Umfrage zeigt: China holt in der Biotechnologie auf, doch die USA behalten in vier von sechs Schlüsselbereichen die Führung.

USA führen Biotech-Innovation trotz Chinas rasantem Aufstieg

China führt inzwischen mehr klinische Arzneimittelstudien durch als die USA – und doch hinkt das Land in mehreren zentralen Bereichen der Biotechnologie-Innovation weiterhin hinterher. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage des Cure Innovation Index unter führenden US-Vertretern aus Industrie und Wissenschaft, die am Montag auf der Jahrestagung der Biotechnology Innovation Organization in San Diego vorgestellt wurde.

Die Umfrage untersuchte sechs Sektoren und kam zu einem differenzierten Bild: China gilt als klarer Marktführer in der klinischen Entwicklung und in der Lieferkette. Die USA hingegen führen in den Bereichen Technologietransfer, Kapital, Kommerzialisierung und Talente. Lediglich im Bereich der wissenschaftlichen Entdeckung wurden beide Länder als gleichauf bewertet.

„Die USA sind zwar noch führend, aber das Vertrauen schwindet. Die meisten Befragten sehen in China eine existenzielle Bedrohung", sagte Seema Kumar, CEO von Cure, einem Partnerunternehmen der Investmentgesellschaft Deerfield Management.

Chinas Aufstieg in Zahlen

Der Aufstieg Chinas in der globalen Arzneimittelentwicklung lässt sich klar an Daten ablesen. Bis 2024 sank der US-Anteil an frühen Programmen zur Arzneimittelentwicklung von 48 Prozent im Jahr 2015 auf rund 37 Prozent. Gleichzeitig stieg Chinas Anteil am weltweiten Gesamtaufkommen von 8 Prozent auf über 32 Prozent – das zeigt eine Studie der Georgetown University.

Multinationale Pharmakonzerne haben ihre Pipelines in den vergangenen Jahren verstärkt um Wirkstoffkandidaten aus China ergänzt. Die Gründe liegen auf der Hand: niedrige Kosten, eine gestraffte Regulierung und – nach Ansicht einiger Beobachter – staatliche Subventionen, die einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Arzneimittelhersteller lizenzieren in zunehmendem Tempo Moleküle aus China und setzen darauf, Vorabzahlungen von lediglich 80 Millionen US-Dollar in Multimilliarden-Dollar-Behandlungen zu verwandeln.

Diese Entwicklung hat die US-Regierung alarmiert. Die National Security Commission on Emerging Biotechnology warnte in einem Bericht vom Dezember: „China hat systematisch ein vertikal integriertes Biotechnologie-Ökosystem aufgebaut, das nun in der besten Position ist, die US-Führungsrolle herauszufordern." Als Reaktion darauf unterzeichnete Präsident Donald Trump den sogenannten Biosecure Act, der die Geschäftsbeziehungen von Bundesbehörden mit nicht-amerikanischen Biotechnologieunternehmen einschränkt.

Kommerzialisierung als amerikanische Stärke

Trotz des chinesischen Aufholprozesses sieht Cure-CEO Kumar entscheidende Stärken auf amerikanischer Seite. „China verfügt über Geschwindigkeit, Größe, Fertigung, Entwicklung und Umsetzung. Die USA hingegen sind besser bei der wissenschaftlichen Qualität, den Talenten, teilweise beim Technologietransfer und – was am wichtigsten ist – sie haben Zugang zum wertvollsten Gesundheitsmarkt der Welt", erklärte Kumar. „Die Kommerzialisierung ist Amerikas Superkraft. Der Käufer sitzt in den USA."

Diese Einschätzung wird durch Marktdaten gestützt: Auf die USA entfielen im Jahr 2025 laut dem Marktforschungsunternehmen Iqvia 53 Prozent des weltweiten Pharmamarktes, gegenüber 49 Prozent im Jahr 2021. Der Anteil Europas blieb stabil bei 24 Prozent, während der Anteil des asiatisch-pazifischen Raums von 13 Prozent auf 11 Prozent sank.

Interne Risiken größer als China-Konkurrenz

Ein weiteres zentrales Ergebnis der Cure-Umfrage überrascht: Die befragten Experten stuften die wachsende Gefahr von Kürzungen bei den US-Forschungsmitteln als größeres Problem ein als den Wettbewerb aus China. Kumar betonte, dass die Finanzierungsstruktur der USA dringend reformiert werden müsse.

Konkret regte sie an, mehr für die Sicherung der Finanzierung der National Institutes of Health zu tun und die klinische Entwicklungsinfrastruktur des Landes zu modernisieren – ein Thema, das seit dem fast 50 Jahre alten Bayh-Dole Act nicht mehr grundlegend angegangen wurde. „Die USA verfügen über alle richtigen Zutaten, aber die Art und Weise, wie wir die Finanzierung gestaltet haben, muss sich wahrscheinlich ändern", so Kumar.

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