US-Strategische Ölreserve auf tiefstem Stand seit 1983
Massive Notfallfreigaben und marode Infrastruktur bringen Amerikas strategische Erdölreserve in eine kritische Lage.

Die strategische Erdölreserve der USA (Strategic Petroleum Reserve, SPR) hat in dieser Woche den niedrigsten Stand seit März 1983 erreicht. Innerhalb von nur vier Jahren entnahmen die USA insgesamt 352 Millionen Barrel Rohöl aus der Reserve – als Reaktion auf den Krieg mit dem Iran und Russlands Invasion in der Ukraine. Bundesrechnungsprüfer warnen nun, dass die Fähigkeit der SPR, auf künftige Notfälle zu reagieren, ernsthaft gefährdet ist.
Besonders alarmierend: Das Netz aus Pipelines, Kavernen und Lagertanks wird laut Beamten des Energieministeriums nur noch durch „Provisorien" zusammengehalten. Wie lange diese halten, sei ungewiss. Die Infrastruktur der SPR wurde 1975 vom US-Kongress als Reaktion auf das arabische Ölembargo von 1973 geschaffen – und erreicht nun das Ende ihrer Lebensdauer, ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem die Bestandsfreigaben größer und häufiger werden.
Trumps Freigabe trifft auf geschwächte Reserve
Präsident Donald Trump ordnete im März die Freigabe von 172 Millionen Barrel aus der SPR an, nachdem der Iran die Ölexporte durch die Straße von Hormus blockierte – was die größte Versorgungsunterbrechung der Geschichte auslöste. Die staatlichen Lagerbestände sanken in der vergangenen Woche laut Energieministerium um 3,7 Millionen Barrel auf insgesamt rund 308 Millionen Barrel. Wenn Trumps Freigabe vollständig umgesetzt ist, wird die SPR laut Daten der Energy Information Administration auf etwa 243 Millionen Barrel sinken.
Die genehmigte Gesamtkapazität der Notfallreserve beträgt laut Energieministerium 714 Millionen Barrel. Bundesprüfer stellten fest, dass mehr als ein Viertel der SPR „aufgrund einer Kombination aus baubedingten Ausfällen und Kavernenausfällen nicht für eine Entnahme zur Verfügung stand". Eine Analyse von Rapidan Energy vom Juli kommt zu dem Schluss, dass derzeit mindestens 103 Millionen Barrel in der SPR nicht einsatzbereit sind.
Das Rohöl der SPR wird in 60 Salzkavernen in Tausenden von Metern Tiefe an vier Hauptstandorten an der Golfküste gelagert. Wasser wird in den Boden der Kavernen gepumpt, um das Öl an die Oberfläche zu verdrängen und es durch Bohrlöcher in Pipelines zu befördern. Dieses technisch aufwendige System zeigt nach Jahrzehnten des Betriebs deutliche Verschleißerscheinungen.
Bidens Freigabe als „ungeplanter Stresstest"
Bereits Präsident Joe Biden hatte als Reaktion auf den Ukraine-Krieg die Freigabe von 180 Millionen Barrel angeordnet – die bis dahin größte Freigabe in der Geschichte der SPR. Diese massive Entnahme diente laut Bundesprüfern als „ungeplanter Stresstest für die operativen Fähigkeiten der SPR". Das Energieministerium führte Bidens Freigabe zwar „ohne größere Geräteausfälle oder Rohölverschüttungen" durch, doch war dies „operativ anspruchsvoll". Die Entnahme erforderte die „Priorisierung von Notreparaturen" aufgrund undichter Wasserpumpen und Leitungen.
Energiebeamte teilten den Prüfern mit, dass die frühere Freigabe „auch Risiken für die Fähigkeit der SPR aufgezeigt hat, eine Entnahme von ähnlicher Geschwindigkeit und ähnlichem Umfang wie die Entnahme von 2022 zu wiederholen, falls dies in naher Zukunft angeordnet werden sollte". Dies ist eine deutliche Warnung: Eine weitere Großfreigabe in kurzer Zeit könnte die Infrastruktur an ihre Grenzen bringen.
Sanierungsplan mit eingeschränktem Budget
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Zur AktienanalyseDas Energieministerium setzt einen 1,4 Milliarden Dollar umfassenden Plan zur Instandsetzung der SPR um. Allerdings musste der Umfang des Projekts eingeschränkt werden, um das Budget einzuhalten. Ein Sprecher des Energieministeriums erklärte gegenüber CNBC, dass das Bundesgesetz keinen Mindestbetriebsstand für die SPR vorschreibe. Das betriebliche Minimum, das erforderlich sei, „um die Kavernen sicher zu verwalten, liegt bei etwa zehn Prozent der Kapazität – etwa 70 Millionen Barrel".
Trotz der strukturellen Probleme gibt es auch beruhigende Stimmen. David Goldwyn, der unter Präsident Barack Obama als Sonderbeauftragter des Außenministeriums für internationale Energieangelegenheiten tätig war, zeigte sich gelassen: „Ich mache mir keine Sorgen um die Stabilität der Reserve oder unsere Fähigkeit, eine weitere Entnahme durchzuführen", sagte Goldwyn. Die SPR verfüge derzeit über genügend Bestände, um eine weitere Krise zu bewältigen.
Für deutsche Anleger und Energiemarktbeobachter ist die Entwicklung der US-Ölreserve von erheblicher Bedeutung. Die SPR gilt als wichtiges Instrument zur Stabilisierung der globalen Ölpreise in Krisenzeiten. Eine eingeschränkte Reaktionsfähigkeit der USA könnte bei künftigen Versorgungsunterbrechungen stärkere Preisausschläge an den internationalen Rohstoffmärkten zur Folge haben.


