US-Solarhersteller fordern Handelsuntersuchung gegen Qcells wegen Zollumgehung
Ein Produktions-Joint-Venture aus Canadian Solar, SEG und Heliene wirft Hanwha Qcells vor, chinesische Zölle über Südkorea zu umgehen.

Drei US-amerikanische Solarmodulhersteller haben beim US-Handelsministerium eine Petition eingereicht, die eine Untersuchung von Solarzellimporten aus Südkorea fordert. Das gemeinsame Produktionsunternehmen von Canadian Solar, SEG und Heliene – das sich unter dem Namen American Manufacturers for Energy Resilience (AMER) zusammengeschlossen hat – reichte den Antrag am 18. Juni ein. Im Mittelpunkt der Vorwürfe steht Hanwha Qcells, ein südkoreanischer Solarkonzern mit bedeutenden Produktionsstandorten in den USA.
Die AMER-Koalition wirft Qcells vor, die Zellproduktion von China nach Südkorea verlagert zu haben, um US-Zölle auf chinesische Solarprodukte zu umgehen. Solarzellen sind die Grundbausteine von Solarmodulen, die Sonnenlicht in elektrische Energie umwandeln. Nach US-Handelsrecht können bestehende Zölle auf Waren ausgeweitet werden, die über Drittländer umgeleitet werden – sofern die dortige Verarbeitung als nur geringfügig eingestuft wird.
Gegenseitige Handelsvorwürfe in der Solarbranche
Rechtsanwalt John Anwesen, der die AMER-Gruppe vertritt, äußerte sich in einer Erklärung deutlich: „Es ist an der Zeit, dass Unternehmen wie Hanwha Qcells, denen es viel zu lange erlaubt wurde, beide Seiten des US-Handelsrechts gegeneinander auszuspielen, zur Rechenschaft gezogen werden." Er betonte, dass der Antrag auf eine Umgehungsuntersuchung ein konkreter Schritt sei, um gleiche Wettbewerbsbedingungen für amerikanische Solarhersteller zu schaffen.
Qcells selbst betreibt zwei Solarfabriken im US-Bundesstaat Georgia und hat nach eigenen Angaben Milliarden in seine amerikanischen Produktionsstandorte investiert. Das Unternehmen verfolgt das erklärte Ziel, alle Schlüsselkomponenten für siliziumbasierte Solarmodule auf US-Boden zu fertigen. Damit positioniert sich Qcells als einer der größten ausländischen Investoren im amerikanischen Solarsektor.
Die Situation ist dabei von einer gewissen Ironie geprägt: Qcells war selbst eine treibende Kraft hinter früheren US-Handelspetitionen, die sich gegen Solarimporte aus südostasiatischen Ländern richteten – Importe, die unter anderem die Fabriken von Canadian Solar, SEG und Heliene belieferten. Nun sehen sich die damaligen Zielunternehmen in der Rolle der Kläger.
Qcells weist Vorwürfe zurück
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Zur AktienanalyseQcells-Sprecherin Marta Stoepker wies die Anschuldigungen in einer schriftlichen Erklärung entschieden zurück: „Qcells ist führend bei den Bemühungen, die Solarproduktion in die Vereinigten Staaten zurückzuverlagern, und wir blicken auf eine jahrzehntelange Geschichte der Unterstützung einer strengen Durchsetzung von Handelsregeln zurück, statt diese zu umgehen." Sie zeigte sich zuversichtlich, dass eine Untersuchung die Haltlosigkeit der Vorwürfe belegen werde.
Der Fall verdeutlicht die zunehmenden Spannungen innerhalb der US-Solarindustrie, die durch ein komplexes Geflecht aus Zöllen, Subventionen und Handelsschutzmaßnahmen geprägt ist. Für deutsche Anleger und Beobachter ist der Konflikt besonders relevant, da er zeigt, wie stark geopolitische Handelskonflikte die globale Solarlieferkette beeinflussen – und welche Risiken für international aufgestellte Unternehmen entstehen können. Das US-Handelsministerium muss nun entscheiden, ob es eine formelle Untersuchung einleitet.


