US-Senat will Hanf-THC-Markt vorübergehend vor Verbot retten
Ein Senatsausschuss hat eine Übergangsregelung eingebracht, die das drohende Verbot von Hanf-THC-Produkten um einen Monat verschiebt.

Der US-Senat könnte den auf 28 Milliarden US-Dollar geschätzten Markt für aus Hanf gewonnene THC-Produkte mit einem ungewöhnlichen Manöver retten: Ein wichtiger Ausschuss des Senats hat am Sonntag eine Bestimmung in die Haushaltsgesetzgebung aufgenommen, die das drohende Verbot um mindestens einen Monat verschieben würde. Die Maßnahme ist Teil einer sogenannten Continuing Resolution – einer kurzfristigen Überbrückungsfinanzierung, die einen Government Shutdown verhindern soll. Damit wird zumindest teilweise einer Forderung von Präsident Donald Trump nachgekommen, die im November in Kraft tretenden Beschränkungen für aus Hanf gewonnene Cannabinoide zu überprüfen.
Hintergrund ist eine Neudefinition von Hanf auf Bundesebene, die Trump im vergangenen Jahr unterzeichnet hat. Diese würde Hanf-THC-Produkte zu kontrollierten Substanzen machen und ihnen damit den Schutz durch die bundesweite Farm Bill entziehen. Nach geltendem Recht wäre das Verbot bereits am 12. November in Kraft getreten – die neue Übergangsregelung würde diesen Termin auf den 11. Dezember verschieben, sofern sie den gesamten Gesetzgebungsprozess erfolgreich durchläuft.
Wegweisender Sieg für die Hanfindustrie?
Jonathan Miller, Vorsitzender des U.S. Hemp Roundtable, bezeichnete eine erfolgreiche Verabschiedung der Regelung als potenziell historisch bedeutsam. „Das wäre ein wegweisender Sieg für die Hanfindustrie – unser größter Erfolg seit der Legalisierung von Hanf durch die Farm Bill 2018", sagte Miller in einer Erklärung am Sonntag. Die Branche hofft, dass die gewonnene Zeit genutzt werden kann, um eine dauerhafte gesetzliche Lösung zu erarbeiten.
Betroffen von einem möglichen Verbot wären nicht nur klassische Hanf-CBD-Produkte, sondern auch zunehmend populäre Hanf-THC-Getränke, die im herkömmlichen Einzelhandel und bei Großveranstaltungen wie dem Lollapalooza-Musikfestival in Chicago verkauft werden. Für Hanf-CBD-Produkte hatte die Trump-Administration zudem eine begrenzte Deckung über die staatlich subventionierte Krankenversicherung angeboten – auch diese Regelung steht auf dem Spiel.
Der politische Kontext ist dabei alles andere als einfach: Der Kongress steuert offenbar auf einen erneuten Showdown über die Bundesausgaben zu. Das aktuelle Haushaltsgesetz läuft am 11. Dezember aus – genau dem Datum, auf das das Hanf-Verbot nun verschoben werden soll. Im vergangenen Jahr führte ein ähnliches Haushaltspoker zu einem 43-tägigen Government Shutdown.
Alkohol-Einzelhändler begrüßen die Übergangsregelung
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseAuch Teile der Alkoholbranche reagieren positiv auf die Entwicklung. Die Beverage Alcohol Merchants Coalition (BAMCO), die Einzelhändler wie BevMo! und Total Wine & More vertritt, begrüßte am Montag das Engagement der Gesetzgeber. „Die Übergangsregelung des Senats schafft eine wichtige Gelegenheit, eine sinnvolle Hanf-Regulierung zu erreichen", erklärte BAMCO-Sprecher Jonathan Grella. Die Koalition setzt sich nach eigenen Angaben für eine „intelligente und sichere Regulierung für niedrig dosierte Hanfgetränke" ein, die Verbraucher schützt und langfristige regulatorische Sicherheit bietet.
Für die Hanfindustrie bleibt die Lage dennoch angespannt. Die Übergangsregelung würde nur dann Gesetz werden, wenn der Senat den Entwurf verabschiedet, das Repräsentantenhaus zustimmt und Präsident Trump ihn unterzeichnet. Es gibt zwar mehrere Bestrebungen, das drohende Verbot zu verzögern oder dauerhaft abzuwenden – bisher wurde jedoch keine davon im Kongress offiziell angehört. Die Branche steht damit weiterhin unter erheblichem Druck, und die kommenden Wochen dürften entscheidend für die Zukunft des milliardenschweren Hanf-THC-Marktes in den USA sein.


