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US-Rente: Lohnt sich das Warten bis 70 wirklich?

Wann der optimale Zeitpunkt für den Bezug von Social-Security-Leistungen ist, beschäftigt viele US-Rentner – eine Frage mit großer finanzieller Tragweite.

US-Rente: Lohnt sich das Warten bis 70 wirklich?

Wer in den USA in Rente geht, steht vor einer der wichtigsten finanziellen Entscheidungen des Ruhestands: Wann soll man die staatlichen Social-Security-Leistungen beantragen? Diese Frage stellt sich aktuell für eine Frau, die im nächsten Jahr 67 Jahre alt wird und kürzlich in den Ruhestand getreten ist. Ihr Bruder wandte sich an MarketWatch, um zu verstehen, wie man den sogenannten Break-even-Punkt berechnet – also den Zeitpunkt, ab dem das Warten auf höhere Leistungen sich finanziell auszahlt.

Das Kernproblem ist simpel, aber die Antwort komplex: Wer früher beginnt, erhält mehr Jahre lang Zahlungen, aber in geringerer Höhe. Wer wartet, bekommt höhere monatliche Beträge, aber erst später. Die Frage ist, welche Strategie über die gesamte Lebenszeit mehr einbringt – und das hängt entscheidend davon ab, wie lange man lebt.

Was ist das reguläre Rentenalter (FRA) in den USA?

In den USA gibt es das sogenannte Full Retirement Age (FRA), also das reguläre Rentenalter, ab dem man Anspruch auf die volle Social-Security-Rente hat. Für die betroffene Frau liegt dieses Alter bei 67 Jahren. Sie hat nun die Wahl: Leistungen sofort mit 67 Jahren beziehen oder bis zum Alter von 70 Jahren warten, um von höheren monatlichen Zahlungen zu profitieren. Wer bis 70 wartet, erhält in den USA deutlich höhere monatliche Beträge, da die Leistungen für jeden Monat des Aufschubs ansteigen.

Der Bruder schätzt den Break-even-Punkt auf etwa 82 bis 83 Jahre. Das bedeutet: Erst wenn die Frau dieses Alter erreicht, hätte sie durch das Warten bis 70 insgesamt mehr Geld erhalten als durch den früheren Bezug ab 67. Für Menschen mit einer hohen Lebenserwartung – wie es in der beschriebenen Familie der Fall ist – kann das Warten daher eine lohnende Strategie sein.

Investmentdepots als Alternative zur Sofortrente

Ein weiterer wichtiger Aspekt in diesem Fall: Die Frau verfügt über Investmentdepots, aus denen sie monatlich Beträge entnehmen könnte, um den Lebensunterhalt im Ruhestand zu finanzieren. Das würde es ihr ermöglichen, die Social-Security-Leistungen zunächst aufzuschieben und später höhere staatliche Zahlungen zu erhalten. Diese Strategie – Kapitalvermögen zunächst anzuzapfen und staatliche Leistungen aufzuschieben – ist in der US-amerikanischen Ruhestandsplanung ein bekannter Ansatz.

Allerdings gibt es auch Gegenstimmen: Andere Berater empfehlen, bereits mit Erreichen des FRA – also mit 67 Jahren – mit dem Bezug zu beginnen. Die Argumentation dahinter: Das Geld steht früher zur Verfügung, kann investiert werden und bringt möglicherweise eigene Renditen. Zudem ist die Zukunft ungewiss, und ein früherer Bezug sichert Zahlungen auch dann, wenn die Lebenserwartung doch kürzer ausfällt als erwartet.

Lebenserwartung als entscheidender Faktor

Die Entscheidung, wann man Social-Security-Leistungen beantragt, ist letztlich eine Wette auf die eigene Lebenserwartung. Wer jung und gesund ist und aus einer langlebigen Familie stammt, profitiert statistisch gesehen eher vom Aufschub bis 70. Wer hingegen gesundheitliche Einschränkungen hat oder eine kürzere Lebenserwartung einkalkuliert, fährt mit einem früheren Bezug oft besser.

Für deutsche Leser ist diese Debatte durchaus vergleichbar mit der Frage, ob man in Deutschland früher in Rente gehen soll – mit Abschlägen – oder länger arbeitet, um höhere Rentenansprüche zu erwerben. Auch hierzulande gibt es einen Break-even-Punkt, ab dem sich das längere Warten finanziell rechnet. Die grundlegenden Überlegungen zur Lebenserwartung, zu vorhandenem Kapitalvermögen und zur persönlichen Risikobereitschaft sind in beiden Systemen ähnlich.

Zusammenfassend zeigt der Fall, dass es keine universell richtige Antwort gibt. Entscheidend sind die individuelle Lebenserwartung, die finanzielle Situation, vorhandene Ersparnisse und Investmentdepots sowie die persönliche Risikobereitschaft. Eine professionelle Finanzberatung kann helfen, den Break-even-Punkt individuell zu berechnen und die optimale Strategie zu entwickeln.

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