US-Raffineriemargen auf Rekordhoch: Kraftstoffknappheit treibt Preise
Niedrige Lagerbestände und Spannungen im Nahen Osten lassen US-Raffineriemargen zum dritten Mal in Folge auf Rekordniveau steigen.

Die Margen der US-Raffinerien haben am Donnerstag den dritten Handelstag in Folge ein neues Rekordhoch erreicht. Als Haupttreiber gelten niedrige Kraftstofflagerbestände sowie die eskalierenden Spannungen im Nahen Osten, die Versorgungsengpässe im weltgrößten Kraftstoffverbraucherland befürchten lassen. Der sogenannte 3-2-1 Crack-Spread – die meistgenutzte Benchmark für die Rentabilität von US-Raffinerien – stieg um über 2 Prozent und schloss bei 69,66 US-Dollar pro Barrel, einem historischen Rekordwert.
Der an der New York Mercantile Exchange gehandelte Spread dient Raffinerien als Absicherungsinstrument, um ihre Gewinnmargen abzusichern. US-Raffinerien gehören zu den größten Profiteuren des Iran-Krieges, da internationale Käufer verstärkt auf deren Lieferungen angewiesen sind. Dies hat die Kraftstoffexporte des Landes auf Rekordhöhen getrieben – gleichzeitig aber die inländischen Vorräte deutlich schrumpfen lassen.
Diesel und Benzin: Lagerbestände auf Jahrzehnttiefs
Diesel ist der Haupttreiber der aktuellen Entwicklung. Die Bestände des Industriekraftstoffs waren bereits seit Jahren aufgrund von Raffineriestilllegungen im Westen knapp. Störungen der Exporte aus dem Nahen Osten infolge des Iran-Krieges sowie ein in diesem Monat angekündigtes vorübergehendes Verbot russischer Exporte haben die globale Dieselknappheit weiter verschärft. Der Diesel-Crack-Spread schloss am Donnerstag bei über 91 US-Dollar pro Barrel – ebenfalls ein Rekordwert.
Die US-Dieselvorräte stiegen in der vergangenen Woche zwar um 4,5 Millionen Barrel auf über 102 Millionen Barrel. Dennoch lagen sie fast 11 Millionen Barrel unter dem Stand vom 27. Februar und rund 8 Millionen Barrel unter dem saisonalen Fünfjahresdurchschnitt, wie Daten der US-Energieinformationsbehörde (EIA) zeigen.
Auch bei Benzin spitzt sich die Lage zu. US-amerikanische und globale Raffinerien haben die Benzinproduktion zugunsten höherer Diesel- und Kerosinausbeuten gedrosselt. Die US-Benzinvorräte fielen in der Woche bis zum 10. Juli um über 1,5 Millionen Barrel auf 210,5 Millionen Barrel – ein Rückgang von über 42 Millionen Barrel seit der Woche zum 27. Februar. Die Bestände liegen damit rund 14 Millionen Barrel unter dem saisonalen Fünfjahresdurchschnitt. Insgesamt befinden sich die Kraftstoffvorräte auf dem niedrigsten Stand für diese Jahreszeit seit 2012.
Benzinpreise als politisches Reizthema
Der landesweite Durchschnittspreis für Benzin an US-Tankstellen lag am Donnerstag bei 3,95 US-Dollar pro Gallone – ein Anstieg von fast 80 Cent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, wie Daten von GasBuddy zeigen. Im Mai hatten die Preise aufgrund von Störungen der Ölexporte aus dem Nahen Osten infolge der Blockade der Straße von Hormus sogar 4,56 US-Dollar pro Gallone erreicht.
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Zur AktienanalyseBenzinpreise gehören zu den sichtbarsten Inflationsindikatoren für US-Verbraucher und sind damit ein politisch hochsensibles Thema. US-Präsident Donald Trump hat Ölgesellschaften der Preistreiberei bezichtigt, ohne jedoch Beweise dafür vorzulegen. Der Preisanstieg belastet die Budgets der Verbraucher während der Hauptreisesaison im Sommer und stellt Landwirte im Mittleren Westen vor potenzielle Probleme.
Analysten warnen, dass US-Autofahrern noch größere Belastungen bevorstehen könnten. „Um Raffinerien dazu zu bewegen, wieder in den Modus der maximalen Benzinproduktion zu wechseln, sind höhere Benzinpreise auf Einzel- und Großhandelsebene sowie gestiegene Margen im Vergleich zu anderen Kraftstoffen erforderlich", schrieb der in London ansässige unabhängige Ölanalyst John Kemp am Donnerstag an seine Abonnenten. Der US-Benzin-Crack-Spread schloss am Donnerstag bei etwa 59 US-Dollar pro Barrel – ein Niveau, das zuletzt im Juni 2022 erreicht wurde.


