US-Proteste gegen Rechenzentren: Widerstand gegen KI-Infrastruktur wächst
An mindestens 125 Standorten in den USA sind für Samstag koordinierte Proteste gegen den rasanten Ausbau von KI-Rechenzentren geplant.

Gegner des massiven Ausbaus von Rechenzentren in den Vereinigten Staaten mobilisieren sich erstmals landesweit. Für Samstag sind Proteste an mindestens 125 Standorten geplant – der erste koordinierte nationale Versuch, den wachsenden Unmut über die Expansion der KI-Infrastruktur zu bündeln. Koordiniert werden die Demonstrationen von der Basisgruppe HumansFirst, die von einer ehemaligen Anführerin der Tea-Party-Bewegung mitbegründet wurde.
HumansFirst-Mitbegründerin Amy Kremer vergleicht den Widerstand gegen Rechenzentren mit der rechtspopulistischen Tea-Party-Bewegung, die 2009 gegen übermäßige Besteuerung und staatliche Eingriffe protestierte. Kremer betont jedoch, dass der Zorn gegen Rechenzentren überparteilich sei. „Sie sind eines Tages aufgewacht und haben festgestellt, dass sie dieses Ungetüm in ihrer Gemeinde haben werden, und sie wollen es nicht", sagte Kremer. Sie prognostiziert, dass das Thema bei den Zwischenwahlen im November und dem Präsidentschaftswahlkampf 2028 eine entscheidende Rolle spielen wird.
Die Demonstranten wenden sich gegen den laut HumansFirst „unkontrollierten" Ausbau von Rechenzentren und eine „unannehmbare Verletzung unserer Freiheit". Konkret kritisieren sie drohende höhere Stromrechnungen, die Abzweigung kostbarer Wasserressourcen sowie Umweltverschmutzung. Städte und Landkreise stehen dabei an der Spitze des Widerstands – in einigen Fällen hatten lokale Beamte Projekte trotz Anwohnerprotesten und unter Geheimhaltungsvereinbarungen mit Entwicklern genehmigt.
Breite Ablehnung in der Bevölkerung
Der Widerstand gegen Rechenzentren gehört zu den wenigen Themen, die Amerikaner über ideologische Grenzen hinweg vereinen. Laut einer Reuters/Ipsos-Umfrage vom Juni befürwortet nur ein Drittel der Amerikaner das aktuelle Tempo des Rechenzentrumsbaus. Noch deutlicher fällt die Ablehnung auf lokaler Ebene aus: Lediglich 14 Prozent der Befragten würden den Bau eines Rechenzentrums in ihrer eigenen Gemeinde unterstützen – selbst wenn es KI-Projekten von Technologieriesen wie Meta, Alphabet, Amazon, Microsoft oder Elon Musks xAI zugutekäme.
Die Data Center Coalition, der Branchenverband der Industrie, gab zunächst keinen Kommentar zu den geplanten Protesten ab. Zuvor hatte sie gegenüber Reuters erklärt, dass Rechenzentren bestrebt seien, verantwortungsbewusste Nachbarn in den Gemeinden zu sein, in denen sie tätig sind. Die Branche argumentiert zudem, dass ihr Wasserverbrauch im Vergleich zu anderen Industriezweigen nicht so bedeutend sei.
Forderungen der Protestbewegung
Die Organisatoren erheben konkrete Forderungen an Politik und Industrie. Dazu gehören:
- Transparenz im Entwicklungsprozess
- Schutz von natürlichen Ressourcen und der Umweltgesundheit
- Vorteile für die Gemeinschaft, etwa durch gut bezahlte Gewerkschaftsarbeitsplätze
- Mechanismen, um Entwickler bei Nichteinhaltung von Versprechen zur Rechenschaft zu ziehen
Kremer kritisiert dabei explizit die Republikaner dafür, dass sie „Big Tech" einen Freifahrtschein ausstellen. Gleichzeitig lehnen sie und einige Organisatoren Maßnahmen wie Moratorien für Rechenzentrumsgenehmigungen ab – wie sie etwa im demokratisch regierten Bundesstaat New York verabschiedet wurden.
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Zur AktienanalyseTexas führt bei Proteststandorten
Geografisch zeichnet sich ab, dass die republikanische Hochburg Texas mit 16 geplanten Kundgebungen die meisten Proteste verzeichnen wird – bezeichnend, da Texas eines der wichtigsten Zentren für die Entwicklung von Rechenzentren in den USA ist. Im umkämpften Bundesstaat Georgia sind 11 Proteste geplant, während Kalifornien, Florida und Pennsylvania jeweils 7 Kundgebungen verzeichnen.
Unter den Aktivisten finden sich Menschen unterschiedlichster Hintergründe. Die 31-jährige Eva Cardona, eine Erstaktivistin und selbsternannte „politische Nomadin", organisiert einen Protest in Texas. Im Imperial County in der kalifornischen Wüste leitet der linksorientierte Ivan DelSol, 54, eine Demonstration. Dort könnte ein geplantes Rechenzentrumsprojekt jährlich 260 Millionen Gallonen Wasser aus dem Colorado River verbrauchen. „Es ist dystopisch, dass man so viel Frischwasser für KI verbraucht", sagte DelSol. Gerade in wasserarmen Regionen der USA ist der Wasserverbrauch ein zentrales Anliegen der Protestierenden.


