US-Postdienst USPS meldet Milliardenverlust und Liquiditätskrise
Der USPS verzeichnet im Quartal einen Verlust von 2 Milliarden Dollar und kämpft mit massiven Liquiditätsengpässen.

Der US-amerikanische Postdienst USPS steckt tief in der Krise: Im Quartal bis zum 31. März meldete das Unternehmen einen Nettoverlust von 2 Milliarden Dollar. Gleichzeitig sank das Postaufkommen um weitere 6,3 Prozent – ein Trend, der sich seit Jahren fortsetzt und die finanzielle Lage des staatlichen Unternehmens zunehmend verschärft.
Trotz des Verlustes stieg der operative Umsatz im Vergleich zum Vorjahresquartal um 2,3 Prozent auf 20,2 Milliarden Dollar. Das zeigt: Mehr Einnahmen allein reichen nicht aus, um die strukturellen Probleme des USPS zu lösen. Das Volumen der Briefpost der ersten Klasse – das profitabelste Produkt des Unternehmens – ist auf den niedrigsten Stand seit Ende der 1960er Jahre gefallen.
„Wir befinden uns in einer Liquiditätskrise und ergreifen nun ernsthafte und angemessene Maßnahmen, um die für den Betrieb notwendigen Mittel zu sichern", sagte Postmaster General David Steiner. Er appellierte zugleich an den US-Kongress: „Um Störungen zu vermeiden und unsere Rolle bei der Unterstützung des US-Handels und der Öffentlichkeit aufrechtzuerhalten, benötigen wir dringend Maßnahmen des Kongresses, um unseren Kreditrahmen zu erweitern und veraltete Beschränkungen für die Organisation anzugehen."
Rentenbeiträge ausgesetzt, Briefmarkenpreise steigen
Um kurzfristig Liquidität zu sichern, hat der USPS die Arbeitgeberbeiträge für ein staatliches Rentenprogramm vorübergehend ausgesetzt. Diese Maßnahme spart alle zwei Wochen rund 200 Millionen Dollar ein – bis zum 30. September summiert sich das auf insgesamt 2,5 Milliarden Dollar. Zusätzlich plant der Postdienst, den Preis für Briefmarken der ersten Klasse ab dem 12. Juli von 78 Cent auf 82 Cent zu erhöhen.
Seit 2007 hat der USPS kumulierte Nettoverluste von insgesamt 120 Milliarden Dollar angehäuft. Die Ursache liegt vor allem im strukturellen Wandel der Kommunikation: Digitale Alternativen haben die klassische Briefpost weitgehend verdrängt, während die gesetzlichen Verpflichtungen des Unternehmens – darunter flächendeckende Zustellung und Rentenverpflichtungen – unverändert hoch bleiben.
Preiserhöhungen und neue Partnerschaften als Gegenmaßnahmen
Im vergangenen Monat erhielt der USPS von der Postaufsichtsbehörde, der Postal Regulatory Commission, die Genehmigung für eine vorübergehende Preiserhöhung von 8 Prozent für Priority Mail und Paketzustellungen. Damit sollen steigende Transport- und Treibstoffkosten aufgefangen werden. Der Zuschlag soll bis zum 17. Januar 2027 beibehalten werden.
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Zur AktienanalyseAuf der Kundenseite gibt es hingegen ermutigende Signale: Reuters berichtete, dass der USPS eine Vereinbarung mit dem Online-Handelsriesen Amazon getroffen hat. Demnach wird Amazon den Postdienst für mindestens 1 Milliarde Pakete pro Jahr nutzen – das entspricht 80 Prozent des Volumens, das Amazon im vergangenen Jahr über den USPS abgewickelt hat. Postmaster General Steiner bezeichnete die Entwicklungen bei Großkunden wie Amazon und DHL als „ermutigend".
Im März hatte Steiner zudem bekanntgegeben, dass der USPS Restrukturierungsberater engagiert hat, um die wachsenden finanziellen Probleme strukturiert anzugehen. Die Kombination aus Sparmaßnahmen, Preiserhöhungen und neuen Großkundenverträgen soll dem angeschlagenen Postdienst helfen, die akute Krise zu überbrücken – eine dauerhafte Lösung bleibt jedoch ohne Unterstützung des Kongresses fraglich.


