US-Postdienst USPS fleht Kongress an: Bargeld fast aufgebraucht
Postchef David Steiner warnt vor drohender Zahlungsunfähigkeit und fordert dringende gesetzgeberische Maßnahmen zur Rettung des Postdienstes.

Der US-amerikanische Postdienst USPS steckt in einer tiefen Finanzkrise. Postchef David Steiner wandte sich am Mittwoch in einer Anhörung vor dem US-Senat mit einem eindringlichen Hilferuf an den Kongress. „Unter dem Strich ist uns das Bargeld ausgegangen. Wir leihen uns Mittel aus den Pensionsfonds unserer Mitarbeiter, um den Betrieb aufrechtzuerhalten", erklärte Steiner in seiner schriftlichen Stellungnahme.
Die Lage ist ernst: Sollte die Behörde aufhören, Zahlungsverpflichtungen aufzuschieben, könnten die Betriebsmittel laut Steiner bereits in wenigen Monaten vollständig erschöpft sein. Sein Fazit ist unmissverständlich: „Der Postdienst hat ein kaputtes Geschäftsmodell, und es bedarf Maßnahmen des Kongresses, um dies zu korrigieren."
Verlustbringendes Netz belastet den Betrieb
Ein zentrales Problem ist das flächendeckende Zustellnetz. Der USPS beliefert an sechs Tagen pro Woche rund 170 Millionen Adressen – ein Service, der jährlich 3,4 Milliarden US-Dollar kostet. Besonders alarmierend: 70 Prozent dieser Zustellrouten sind defizitär. Auch das Filialnetz ist ein Kostentreiber – etwa 58 Prozent der rund 18.000 Postfilialen schreiben rote Zahlen.
Hinzu kommt der strukturelle Rückgang beim Briefvolumen. Seit dem Aufkommen der digitalen Kommunikation ist das Volumen der Standardbriefe (First-Class Mail), das profitabelste Produkt des USPS, drastisch gesunken. Seit 2007 hat der Postdienst Nettoverluste von rund 120 Milliarden US-Dollar angehäuft – während er gleichzeitig den kostspieligen landesweiten Zustellbetrieb aufrechterhalten muss.
Steiner fordert vom Kongress zweierlei: eine Entschädigung für verlustbringende Tätigkeiten sowie weitergehende strukturelle Reformen. Bereits im März hatte er bekanntgegeben, dass der Postdienst Restrukturierungsberater engagiert habe, um die finanzielle Schieflage zu bewältigen.
Notmaßnahmen sollen Zeit kaufen
Um kurzfristig Liquidität zu sichern, hat der USPS bereits mehrere Sofortmaßnahmen ergriffen. Im vergangenen Monat setzte die Behörde nicht notwendige Ausgaben für Reisen, Bürobedarf und Berater aus. Steiner begründete diese Schritte in einem internen Memo damit, „das Kerngeschäft zu schützen und sicherzustellen, dass wir weiterhin alle wesentlichen Verpflichtungen erfüllen können".
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Zur AktienanalyseDarüber hinaus hat der Postdienst die Arbeitgeberbeiträge für ein Bundespensionsprogramm vorübergehend ausgesetzt. Diese Maßnahme soll bis zum 30. September 2025 rund 2,5 Milliarden US-Dollar einsparen – und bis 2030 potenziell sogar 15 Milliarden US-Dollar. Zusätzlich plant der USPS, den Preis für Briefmarken der Standardklasse zum 12. Juli von 78 Cent auf 82 Cent zu erhöhen.
Für deutsche Beobachter bietet die Krise des USPS eine bekannte Parallele: Auch die Deutsche Post musste sich angesichts sinkender Briefmengen und steigender Kosten grundlegend neu aufstellen. Der entscheidende Unterschied liegt jedoch in der Eigentümerstruktur – der USPS ist eine staatliche Behörde, die ohne Kongresszustimmung kaum handlungsfähig ist und keine Möglichkeit hat, sich am Kapitalmarkt zu refinanzieren. Die Entscheidung des Kongresses dürfte damit über die Zukunft eines der ältesten Institutionen der USA entscheiden.

