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US-Ölvorräte auf bedenklich niedrigem Niveau durch Iran-Konflikt

Raffinerien laufen auf Hochtouren, strategische Reserve fällt auf 40-Jahres-Tief – Analysten warnen vor wachsender Versorgungsvulnerabilität.

US-Ölvorräte auf bedenklich niedrigem Niveau durch Iran-Konflikt

Die US-amerikanischen Rohölvorräte sind in der vergangenen Woche drastisch gesunken. Die kommerziellen Bestände verringerten sich um 7,2 Millionen Barrel, während die strategische Erdölreserve (SPR) um weitere 3,8 Millionen Barrel auf nur noch 307,7 Millionen Barrel fiel – den niedrigsten Stand seit mehr als 40 Jahren.

Ausgelöst wurde der starke Rückgang durch eine Kombination aus erhöhter Raffinerieauslastung und anhaltenden Versorgungsstörungen im Nahen Osten. US-Raffinerien arbeiten derzeit mit 97 Prozent ihrer Kapazität, wobei Anlagen im Mittleren Westen sogar eine Auslastung von 100 Prozent erreichen. Die Betreiber griffen gezielt auf ihre Lagerbestände zurück, um Produkte wie Benzin, Diesel und Kerosin herzustellen und von den gestiegenen Kraftstoffpreisen zu profitieren.

Iran-Konflikt stört Tankerverkehr durch Straße von Hormus

Hintergrund der Preissteigerungen sind die erneuten Feindseligkeiten zwischen den USA und dem Iran. Seit der Wiederaufnahme der Angriffe in der vergangenen Woche ist der Tankerverkehr durch die Straße von Hormus massiv eingeschränkt – eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten für Öl aus dem Nahen Osten. Dies trifft besonders Asien und Europa hart, die in hohem Maße von Öllieferungen aus der Region abhängig sind.

Gleichzeitig steigern US-Energieunternehmen ihre Exporte, um die energiehungrigen Märkte in Asien und Europa zu bedienen. Damit übernehmen die USA zunehmend die Rolle eines globalen Ersatzlieferanten – doch diese Funktion hat ihren Preis: Die eigenen Reserven leeren sich in einem besorgniserregenden Tempo.

Matt Smith, Analyst beim Datenanbieter Kpler, ordnet die Entwicklung in einen größeren Kontext ein: „Die US-Rohölvorräte, sowohl die kommerziellen als auch die der SPR, sind seit Anfang April um fast 20 Prozent gesunken. Auf die USA entfallen etwa 70 Prozent der weltweiten Onshore-Rohölbestandsentnahmen der letzten vier Monate." Smith warnt weiter: „Das Land hat in diesem Zeitraum die Last getragen, die Ölpreise durch Freigaben aus der strategischen Reserve und höhere Exporte in Schach zu halten. Doch die Vorräte leeren sich schnell, und dieses Tempo der Entnahmen kann nicht unbegrenzt fortgesetzt werden."

Operatives Minimum der strategischen Reserve rückt näher

Rory Johnston, Ölmarktanalyst und Gründer von Commodity Context, beschreibt die Lage noch deutlicher: Die Rohöl- und Benzinbestände befänden sich auf einem „bedenklich niedrigen" Niveau. Branchenanalysten schätzen das operative Minimum der strategischen Reserve auf 180 bis 200 Millionen Barrel – unterhalb dieser Schwelle könnten weitere Entnahmen die Infrastruktur beschädigen und den Pipeline-Betrieb stören.

Mit dem aktuellen Stand von 307,7 Millionen Barrel ist der Puffer zwar noch vorhanden, schrumpft aber rapide. Sollte das derzeitige Entnahmetempo anhalten, rückt das operative Minimum in greifbare Nähe. Analysten warnen, dass Washington damit zunehmend anfällig für künftige Angebotsschocks wird – und dass ein Erreichen des Minimums den Boden für einen deutlichen Anstieg der Rohölpreise bereiten würde.

Für deutsche Anleger und Verbraucher ist die Entwicklung von direkter Relevanz: Europa zählt zu den Regionen, die stark von Öl aus dem Nahen Osten abhängig sind und auf US-Exporte als Ausgleich angewiesen sind. Eine weitere Eskalation des Iran-Konflikts oder ein Versiegen der amerikanischen Reserven könnte die Energiepreise in Deutschland und der gesamten EU spürbar nach oben treiben.

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