US-Ölkonzerne bereiten Venezuela-Expansion vor
Nach der Lockerung der US-Sanktionen gegen Venezuela bereiten sich amerikanische Öldienstleister auf eine Rückkehr in das südamerikanische Land vor. Erste Rohöllieferungen haben bereits die USA erreicht.

Die politischen Umwälzungen in Venezuela eröffnen US-Ölkonzernen neue Geschäftsmöglichkeiten. Nach dem Sturz von Präsident Nicolas Maduro Anfang Januar signalisieren führende Dienstleister ihre Bereitschaft, die Aktivitäten im ölreichen südamerikanischen Land rasch auszuweiten.
SLB und Halliburton stehen in den Startlöchern
SLB, ehemals Schlumberger, ist derzeit das einzige internationale Öldienstleistungsunternehmen, das aktiv in Venezuela operiert. Das Unternehmen unterhält weiterhin Anlagen, Ausrüstung und lokales Personal vor Ort. Vor etwa einem Jahrzehnt erzielte SLB Spitzenjahreseinnahmen von über einer Milliarde US-Dollar aus Venezuela. Das Unternehmen erklärt, bei Vorliegen der richtigen Bedingungen – einschließlich Lizenzen und Zahlungsmodalitäten – schnell Kapazitäten hochfahren zu können.
Auch Konkurrent Halliburton bereitet eine Rückkehr vor, sobald kommerzielle und rechtliche Rahmenbedingungen geklärt sind. Berichten zufolge sucht das Unternehmen bereits nach Personal für verschiedene Positionen im Land. Analysten sehen beide Konzerne als Hauptprofiteure einer möglichen Wiederaufnahme von Investitionen in Venezuela.
Erste Öllieferungen erreichen US-Raffinerien
US-Raffinerien an der Golfküste haben bereits begonnen, venezolanisches Rohöl zu kaufen. Die Konzerne Valero und Phillips 66 erwarben erste Ladungen über das Handelshaus Vitol. Diese Transaktionen sind Teil eines Abkommens, das den Export von bis zu 50 Millionen Barrel erlaubt.
Die ersten Verkäufe von schwerem venezolanischem Rohöl wurden laut US-Energieminister Chris Wright zu einem Abschlag von 15 US-Dollar pro Barrel gegenüber dem Brent-Benchmark ausgehandelt. Die Handelshäuser tragen die Versandkosten zur US-Golfküste, was ihre Gewinnmargen auf 2 bis 4 Dollar pro Barrel reduziert. Vor den Sanktionen von 2019 verarbeiteten US-Raffinerien bis zu 800.000 Barrel pro Tag venezolanisches Schweröl.
Reform des Kohlenwasserstoffgesetzes geplant
Entwürfe einer Reform des venezolanischen Kohlenwasserstoffgesetzes deuten darauf hin, dass ausländischen und lokalen Unternehmen künftig erlaubt werden könnte, Ölfelder eigenständig zu betreiben und Erlöse zu kommerzialisieren. Dies wäre selbst als Minderheitspartner der staatlichen PDVSA möglich. Präsident Donald Trump hatte angekündigt, dass US-Ölunternehmen bald wieder in Venezuela bohren würden.
Mexiko unter Druck wegen Kuba-Lieferungen
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseParallel zu den Entwicklungen in Venezuela gerät Mexiko wegen seiner Rolle als wichtigster Öllieferant für Kuba unter Druck. Nach der Einstellung der venezolanischen Lieferungen ist Mexiko zur Hauptquelle für die kommunistisch regierte Karibikinsel geworden. Zwischen Januar und September des Vorjahres lieferte Mexiko rund 17.200 Barrel Rohöl und 2.000 Barrel raffinierte Produkte täglich nach Kuba.
Präsident Trump hat Mexiko wiederholt aufgefordert, jegliche Öl- und Geldtransfers nach Kuba einzustellen. Obwohl Präsidentin Claudia Sheinbaum öffentlich bekräftigt hat, die Lieferungen auf Basis langfristiger Verträge fortzusetzen, wird die Politik intern überprüft. Quellen innerhalb der mexikanischen Regierung äußern die Sorge vor möglichen Repressalien der USA, insbesondere im Kontext laufender Verhandlungen über das USMCA-Handelsabkommen.
Die mexikanische Regierung befürchtet, dass ein vollständiger Stopp der Ölversorgung Kubas zu einer humanitären Katastrophe und massiver Migration nach Mexiko führen könnte. Zudem wurden seit Dezember verstärkt US-Navy-Drohnen über dem Golf von Mexiko gesichtet, was die Spannungen in der Region erhöht.


