US-Notenbank: Zinserhöhungen wieder im Gespräch – was das bedeutet
Steigende Inflation lässt Fed-Vertreter über weitere Zinserhöhungen nachdenken – mit direkten Folgen für Kreditnehmer weltweit.

Amerikaner, die auf sinkende Kreditkosten gehofft hatten, müssen sich möglicherweise länger gedulden als erwartet. Noch vor wenigen Wochen rechneten Investoren damit, dass die Federal Reserve die Zinsen senken würde. Nun diskutieren einige Fed-Vertreter offen über mögliche Zinserhöhungen bis zum Jahresende – ein deutlicher Stimmungsumschwung an den Finanzmärkten.
Auslöser ist eine erneut anziehende Inflation in den USA. Die Verbraucherpreise stiegen im Mai im Jahresvergleich um 4,2 Prozent, wie aus den aktuellen Daten zum Verbraucherpreisindex hervorgeht. Das ist ein Anstieg gegenüber dem April-Wert von 3,8 Prozent und liegt deutlich über dem 2-Prozent-Ziel der Federal Reserve. Die Notenbank reagiert auf zu hohe Inflation typischerweise mit Zinserhöhungen, um die Wirtschaft abzukühlen und das Preiswachstum zu bremsen.
„Ich bin zunehmend besorgt, dass im weiteren Jahresverlauf höhere Zinssätze erforderlich sein könnten", sagte Lorie Logan, Präsidentin der Dallas Fed, in einer Rede am 3. Juni in El Paso, Texas. Logan betonte zudem, dass es „zu lange dauert", bis die Inflation zum 2-Prozent-Ziel zurückkehrt – selbst wenn man vorübergehende Faktoren wie Zölle und höhere Energiepreise berücksichtigt.
Markterwartungen drehen sich um
Die Märkte reagieren auf die veränderte Tonlage der Fed-Vertreter deutlich. Laut dem FedWatch-Tool der CME, das Markterwartungen für Zinsentscheidungen verfolgt, sahen Händler zuletzt eine Wahrscheinlichkeit von 66 Prozent für mindestens eine Zinserhöhung um einen Viertelprozentpunkt bis zum Jahresende. Eine Mehrheit der Marktteilnehmer rechnet demnach damit, dass die Fed die Zinsen bis Oktober um mindestens einen Viertelprozentpunkt anheben wird. Zusätzlich preisen die Märkte eine Wahrscheinlichkeit von 23,5 Prozent ein, dass die Zinsen bis Dezember um mindestens einen halben Prozentpunkt höher liegen werden.
Für die unmittelbar bevorstehende Fed-Sitzung am 17. Juni wird allerdings allgemein erwartet, dass die Zinsen unverändert bleiben. Die Diskussion über mögliche Erhöhungen betrifft also vor allem den weiteren Jahresverlauf.
„Es ist mehr als fünf Jahre her, dass die Inflation nahe dem 2-Prozent-Ziel der Federal Reserve lag, und wir bewegen uns in die falsche Richtung", sagt Stephen Kates, zertifizierter Finanzplaner und Analyst bei Bankrate. Diese Einschätzung unterstreicht, wie hartnäckig das Inflationsproblem in den USA geblieben ist – trotz der bereits erfolgten Zinserhöhungen der vergangenen Jahre.
Politisch brisant ist die Situation auch deshalb, weil US-Präsident Donald Trump wiederholt niedrigere Zinsen gefordert hat. Anfang des Jahres hatte Trump erklärt, er hätte Fed-Chef Kevin Warsh nicht ausgewählt, wenn dieser die Zinsen hätte anheben wollen. Zuletzt sagte Trump jedoch, Warsh solle „tun, was immer er will", während er gleichzeitig für niedrigere Zinsen argumentierte.
Was höhere Zinsen für Verbraucher bedeuten
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Zur AktienanalyseFür die meisten Haushalte würde eine einzelne Zinserhöhung um einen Viertelprozentpunkt die monatlichen Ausgaben nicht dramatisch verändern. In einigen Fällen würde die Auswirkung lediglich einige Dollar pro Monat betragen. Da höhere Zinsen die Kreditaufnahme jedoch generell verteuern, können sich die Kosten für hoch verschuldete Haushalte oder solche mit verschiedenen Arten von Schulden summieren. Betroffen sind vor allem variabel verzinste Produkte wie Kreditkarten, Autokredite und Eigenheimkredite, die direkt an den Leitzins der Federal Reserve gekoppelt sind.
Für deutsche Anleger und Verbraucher ist die Entwicklung in den USA relevant, da die globalen Finanzmärkte eng miteinander verknüpft sind. Steigende US-Zinsen beeinflussen Wechselkurse, internationale Kapitalströme und können indirekt auch auf europäische Zinsentscheidungen ausstrahlen.
Experte Kates weist darauf hin, dass die individuelle Kreditwürdigkeit oft eine größere Rolle bei den Kreditkosten spielt als kleine Änderungen in der Geldpolitik. Für Kreditnehmer, die ihre Kosten senken wollen, könnten Gewohnheiten wie die pünktliche Begleichung von Rechnungen und die Kontrolle der eigenen Verschuldung eine größere Wirkung haben als das Warten auf sinkende Zinsen.


