US-Neubauverkäufe steigen im Juni trotz hoher Hypothekenzinsen
Der US-Immobilienmarkt beendet eine zweimonatige Talfahrt – doch hohe Zinsen und Erschwinglichkeitsprobleme bremsen die Erholung.

Der Absatz neuer Einfamilienhäuser in den USA hat im Juni eine zweimonatige Schwächephase überwunden. Die Verkäufe stiegen gegenüber dem nach oben korrigierten Maiwert um 1,6 % auf eine saisonbereinigte Jahresrate von 628.000 Einheiten, wie das Census Bureau des US-Handelsministeriums am Freitag mitteilte. Analysten hatten lediglich 610.000 Einheiten erwartet – der tatsächliche Wert übertraf die Prognosen damit deutlich.
Trotz des monatlichen Anstiegs bleibt das Gesamtbild gedämpft. Im Jahresvergleich lagen die Neubauverkäufe im Juni um 5,6 % im Minus. Neubauverkäufe werden zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses erfasst und machen nur einen kleinen Teil des gesamten US-Immobilienmarktes aus – sie gelten jedoch als Frühindikator für die Nachfrageentwicklung.
Preise sinken, günstigere Segmente gewinnen an Bedeutung
Der mittlere Preis für neue Häuser lag im Juni bei 398.300 US-Dollar – ein Rückgang von 2,7 % gegenüber dem Vorjahr. Dieser Rückgang spiegelt laut Ministerium eine Verschiebung im Preismix der angebotenen Immobilien wider. Häuser unter 300.000 US-Dollar machten 23 % der Verkäufe aus, ein Plus von fünf Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Günstigere Objekte gewinnen damit spürbar an Marktanteilen.
Das Angebot an zum Verkauf stehenden Neubauten veränderte sich gegenüber Mai kaum und lag bei 485.000 Einheiten – rund 3 % weniger als vor einem Jahr. Der aktuelle Lagerbestand entspricht einem Vorrat von 9,3 Monaten bei der Verkaufsgeschwindigkeit vom Juni, nach 9,4 Monaten im Mai und 9,0 Monaten im Juni des Vorjahres.
Hypothekenzinsen auf höchstem Stand seit elf Monaten
Der entscheidende Belastungsfaktor für den Immobilienmarkt bleibt das hohe Zinsniveau. Freddie Mac meldete am Donnerstag, dass der landesweite Durchschnittszins für 30-jährige Festhypotheken – die in den USA mit Abstand beliebteste Darlehensform – auf 6,58 % gestiegen ist. Die Mortgage Bankers Association bezifferte den vertraglichen Zinssatz für die Woche bis zum 17. Juli sogar auf 6,69 %. Beide Werte markieren den höchsten Stand seit elf Monaten.
Seit Ende Februar sind die Hypothekenzinsen um rund 0,60 Prozentpunkte gestiegen. Als Auslöser gelten Angriffe der USA und Israels gegen den Iran, die die globalen Ölpreise in die Höhe trieben und die Inflation allgemein anheizten. Die Preise steigen derzeit etwa doppelt so schnell wie das 2-Prozent-Inflationsziel der US-Notenbank Federal Reserve.
Fed-Sitzung und Anleihemärkte im Fokus
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Zur AktienanalyseDie Anleihemärkte reagieren bereits auf die veränderte Zinsperspektive. Die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen, die als Benchmark für die Preisgestaltung von 30-jährigen Hypotheken dienen, sind im laufenden Monat um einen Viertelprozentpunkt gestiegen und liegen nahe ihrem höchsten Stand seit 18 Monaten.
Die Fed hält nächste Woche eine geldpolitische Sitzung ab. Zinsfutures-Märkte sehen derzeit nur eine Wahrscheinlichkeit von etwa einem zu drei für eine Zinserhöhung bei diesem Treffen. Für die darauffolgende Sitzung im September steigt die Wahrscheinlichkeit einer Erhöhung jedoch auf nahezu 100 %.
Matthew Martin, leitender US-Ökonom bei Oxford Economics, fasst die Lage zusammen: „Steigende Hypothekenzinsen und die Belastung der Haushaltseinkommen durch die höhere Inflation werden die Verkäufe kurzfristig in einer volatilen Spanne halten und jede nachhaltige Verbesserung verzögern." Für potenzielle Hauskäufer ist eine baldige Entlastung angesichts der anhaltenden Inflationssorgen bei der Fed und an den Anleihemärkten kaum in Sicht.


