US-Milliarden für Seltene Erden verfehlen laut General Flynn das Ziel
Pensionierter US-General Charles Flynn kritisiert die amerikanische Förderpolitik bei Seltenen Erden als strukturell fehlgeleitet und zu kurzfristig gedacht.

Die USA pumpen Milliarden US-Dollar in die Förderung Seltener Erden – doch das Geld landet bei den falschen Empfängern. Das ist die zentrale Botschaft von General Charles Flynn (ret.), der das US-Heer im Pazifik befehligte und als Chief Operating Officer der Armee fungierte. Im Northern Miner Podcast forderte er einen grundlegenden Strategiewechsel: weg von Großzuschüssen an einzelne Produzenten, hin zu einer koordinierten Industriekampagne über fünf bis zehn Jahre.
Flynn beschreibt eine strukturelle Lücke, die das Kernproblem der amerikanischen Rohstoffpolitik offenbart: Rund 90 Prozent des im Land geförderten Rohmaterials gehen zur Verarbeitung weiterhin ins Ausland. Gleichzeitig erreicht etwa die Hälfte der Bergbaubelegschaft bis 2029 das Rentenalter. Die USA stehen damit vor einem doppelten Problem – fehlende Verarbeitungskapazitäten im Inland und ein drohender Fachkräftemangel.
„Das Land muss in industriellen Systemen denken und nicht nur in einer Ansammlung von Ankündigungen und Zuschüssen", sagte Flynn. Er erkennt zwar an, dass die Trump-Administration die Dringlichkeit bei kritischen Mineralien erkannt habe – kritisiert aber, dass das Geld bei den Äquivalenten der Hauptauftragnehmer lande. Als Beispiel nennt er einen Zuschuss von 200 Millionen US-Dollar an ein einzelnes Unternehmen, dessen Abnahme erst in fünf Jahren erfolge – die nächsten 18 Monate blieben damit unbeantwortet.
Drei Engpässe blockieren den Aufbau
Flynn vergleicht das Muster mit der Vergabe von Verteidigungsaufträgen: Das Kapital konzentriert sich auf Hauptauftragnehmer wie Boeing, Lockheed Martin und Northrop Grumman, während Subunternehmer unbemerkt bleiben. Übertragen auf den Bergbau bedeutet das: Junior-Bergbauunternehmen, Dienstleister und die Belegschaft werden von der Bundesförderung weitgehend ausgeschlossen – obwohl genau sie die Arbeit leisten, die ein Vorkommen zur Produktion führt.
Dienstleister übernehmen Exploration, Labor- und Chemiearbeiten, Pilottests, Landmanagement und Abfalllösungen. Flynn berichtet, deren Betreiber hätten ihm gesagt, die USA wirkten zwar offen für Geschäfte, böten aber keine klare Tür, durch die man eintreten könne. Seine Firmen Flynn Advisors und Manifest Industries positionieren sich als Vermittler zwischen diesen Unternehmen und der Regierung.
Das Problem zeigt sich auch im nachgelagerten Bereich: Von den USA unterstützte Produzenten wie MP Materials (NYSE: MP), Energy Fuels (NYSE American: UUUU; TSX: EFR) und Phoenix Tailings verkaufen weiterhin einen Großteil ihrer Produktion an Käufer in Japan und Südkorea. Die heimische Magnetherstellung ist nicht so schnell expandiert wie die Investitionen im vorgelagerten Bereich.
Das Einmachglas-Beispiel
Ein Fabrikbesuch machte die Abhängigkeit besonders anschaulich. Bei einem Magnethersteller wurden Flynn fünf Einmachgläser gezeigt: Das fünfte enthielt einen fertigen Magneten, die ersten vier die Materialien der jeweiligen Vorstufen. Auf die Frage, ab welchem Glas sein Eigentum am Material beginne, antwortete der Vorstandsvorsitzende: Glas drei. Der Inhalt der Gläser eins und zwei wurde im Ausland verarbeitet.
„Dies ist ein Magnet, der in eine F-22, eine F-35 oder Präzisionsmunition eingebaut wird", sagte Flynn. Das Beispiel verdeutlicht, wie die kritische Verarbeitung in frühen Stadien weiterhin außerhalb der USA konzentriert bleibt – selbst bei Produkten für fortschrittliche Verteidigungssysteme.
Flynns Gegenmodell: Finanzierung von der Lagerstätte aus
Flynn schlägt vor, die Finanzierungslogik umzukehren. Anstatt fertige Batterien, Magnete oder Leiterplatten für Vorräte zu kaufen, sollte Washington Projekte bereits im Stadium der Lagerstätte unterstützen. Konkret: Absichtserklärungen oder Pachtverträge mit Junior-Bergbauunternehmen unterzeichnen und Mittel freigeben, während die Projekte von der Exploration über die Gewinnung bis zur Verarbeitung voranschreiten. Im Gegenzug würde die Regierung einen Anteil an der künftigen Produktion erhalten.
„Die Höhe der Finanzierung ist weniger wichtig als die Sicherheit der Finanzierung", sagte Flynn. Er berichtet von einem Dienstleister im Südosten der USA, der ihm sagte, er habe keine Ahnung, was er mit einem einmaligen Scheck über 25 oder 50 Millionen Dollar anfangen solle – aber 5 bis 6 Millionen Dollar pro Jahr über fünf Jahre würden es ihm ermöglichen, eine Belegschaft aufzubauen und Minen innerhalb von 18 Monaten in Produktion zu bringen.
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Zur AktienanalyseZusätzlich plädiert Flynn dafür, die Verarbeitung Seltener Erden auf Bundesgrundstücken wiederaufzubauen. Er schlägt modulare Verarbeitungsanlagen vor, die auf Armeestützpunkten sowie Einrichtungen der Nationalgarde und der Reserve in allen 50 Bundesstaaten repliziert werden könnten – in der Nähe von Außenhandelszonen, um Steuervorteile zu nutzen.
Strategischer Wettbewerb mit China
Hinter Flynns industriellem Argument steht ein militärisches über das Durchhaltevermögen. „Abschreckung besteht nicht nur aus Schiffen, Flugzeugen und Raketen und Dingen, die eine Nation heute besitzt", sagte Flynn. „Es geht vielmehr um die Fähigkeit, Verluste zu ersetzen, Bestände aufzufüllen, Ausrüstung zu reparieren, die Produktion auszuweiten und im Grunde eine lang anhaltende Krise durchzustehen."
Flynn argumentiert, dass China seine Dominanz bei Seltenen Erden über mehr als ein Jahrzehnt bewusst aufgebaut hat und nun über ein Druckmittel verfügt, das es nachweislich bereit ist einzusetzen. Er beschreibt das Verhältnis zwischen den USA und China als den entscheidenden strategischen Wettbewerb des Jahrhunderts. Für deutsche Anleger und Beobachter ist diese Debatte hochrelevant: Auch Europa ist bei der Verarbeitung Seltener Erden stark von Asien abhängig und steht vor ähnlichen strukturellen Herausforderungen.


