US-LNG-Exporte auf Rekordniveau – Strompreise steigen drastisch
Flüssigerdgas-Exporteure verbrauchen mehr Gas als amerikanische Haushalte und treiben Energiekosten in die Höhe.

US-Exporteure von Flüssigerdgas (LNG) haben von Januar bis November 2025 eine Rekordmenge von 14,6 Milliarden Kubikmetern Erdgas verbraucht. Damit übersteigt ihr Verbrauch erstmals den aller privaten Haushalte in den USA, wie aktuelle Daten der U.S. Energy Information Administration (EIA) zeigen. Die LNG-Branche ist nach Industrie und Energieversorgern mittlerweile der drittgrößte Gasverbraucher des Landes.
Die exportierten LNG-Mengen lagen 25 Prozent über dem Vorjahresniveau. Parallel dazu stieg der Henry-Hub-Spotpreis, der US-Referenzpreis für Erdgas, um 61 Prozent. Diese Entwicklung hat direkte Auswirkungen auf amerikanische Verbraucher: Da Gaskraftwerke rund 40 Prozent der US-Stromversorgung ausmachen, erreichten die Stromrechnungen im vergangenen Jahr Rekordhöhen.
Für amerikanische Haushalte, die bereits mit steigenden Kosten für Versicherungen, Wohnraum, Lebensmittel und Gesundheitsversorgung kämpfen, werden die explodierenden Energiepreise zu einem zentralen politischen Thema. Im Vorfeld der diesjährigen Zwischenwahlen könnte der Widerstand gegen weitere Strompreiserhöhungen massiv zunehmen. LNG-Exporteure, die mit Haushalten und Energieunternehmen um Gas konkurrieren, geraten dadurch zunehmend unter Druck.
Dramatisches Wachstum der LNG-Exporte
Die Gasmenge, die LNG-Exporteure in den ersten elf Monaten 2025 bezogen, lag 209 Prozent über dem Niveau von 2019. Im Vergleich dazu stieg der Gasverbrauch von Haushalten, Gewerbe, Industrie und Energieversorgern im gleichen Zeitraum nur um durchschnittlich 3 Prozent. LNG-Exporteure sind damit die mit Abstand am schnellsten wachsende Quelle der US-Gasnachfrage.
Diese Verschiebung führt zu einem knapperen Gasangebot für andere Verbraucher und größerer Preisvolatilität. Private Haushalte und gewerbliche Standorte sahen sich 2025 mit etwa 50 Prozent höheren Gaskosten im Vergleich zu 2019 konfrontiert. Industrie- und Energieunternehmen verzeichneten Kostensteigerungen von rund 30 Prozent.
Als Reaktion versuchen viele Endverbraucher, Gas durch alternative Energiequellen zu ersetzen. Haushalte und Unternehmen setzen verstärkt auf Elektrifizierung ihrer Heiz- und Energiesysteme. Energieversorger erhöhen die Erzeugung aus erneuerbaren Energien und reaktivierten 2025 angesichts der sprunghaft gestiegenen Gaskosten sogar günstigere Kohlekraftwerke.
Lukrative Exportmärkte treiben Expansion
LNG-Exporteure können höhere inländische Gaskosten leichter verkraften als konkurrierende Verbraucher. Der durchschnittliche US-LNG-Exportverkaufspreis lag 2025 bei etwa 7,87 Dollar pro tausend Kubikfuß, verglichen mit 3,66 Dollar beim Henry-Hub-Referenzpreis. Selbst nach Abzug von Verflüssigungsgebühren von 2 Dollar und Versandkosten von 1 Dollar pro Einheit bleiben erhebliche Gewinnmargen.
Viele LNG-Ladungen wurden auf dem Spotmarkt zu noch höheren Preisen verkauft, was die Exporteure zu einer raschen Kapazitätserweiterung veranlasst. Laut EIA könnte sich die nordamerikanische LNG-Exportkapazität von 11,4 Milliarden Kubikfuß täglich im Jahr 2024 auf 24,3 Milliarden Kubikfuß bis Ende 2027 mehr als verdoppeln.
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Sollte dieser Kapazitätsausbau wie geplant erfolgen, wird das Gasangebot für inländische Verbraucher weiter verknappen. Dies dürfte zu noch höheren Erdgaskosten für Haushalte und Energieunternehmen führen. Private Haushalte zahlen bereits die höchsten Gaspreise aller Verbraucher – durchschnittlich rund 19 Dollar pro tausend Kubikfuß im Jahr 2025.
Die politische Brisanz des Themas nimmt zu. Während LNG-Exporte erheblich zur US-Handelsbilanz beitragen, wächst der innenpolitische Widerstand gegen die damit verbundenen Belastungen für amerikanische Verbraucher. Die kommenden Monate werden zeigen, ob und wie die Politik auf diesen Zielkonflikt reagiert.


