US-Jobdaten im Juli: Lösen sie ein Zinsumdenken der Fed aus?
Anleger warten gespannt auf die US-Arbeitsmarktdaten – die Fed-Entscheidung und ein kommunikationsarmer Vorsitzender Warsh sorgen für Unsicherheit.

Anleger richten am Freitag ihre Aufmerksamkeit auf die US-Arbeitsmarktdaten für Juli. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob die Federal Reserve die Zinsen anheben wird, um die durch den Iran-Krieg unter Präsident Donald Trump ausgelöste Inflation einzudämmen. Die Fed hatte auf ihrer Sitzung am Mittwoch die Zinsen unverändert gelassen – eine Entscheidung, die weitgehend erwartet worden war.
Für Frustration unter Marktteilnehmern sorgte jedoch Fed-Vorsitzender Kevin Warsh. In seiner ersten Pressekonferenz nach Amtsantritt hinterließ er viele Investoren ratlos: sein reduzierter Kommunikationsstil und ein Mangel an zukunftsorientierten Aussagen – sogenannter Forward Guidance – trieben die US-Kreditkosten in die Höhe und erhöhten die Marktvolatilität. Seitdem achten Investoren noch genauer auf Wirtschaftsindikatoren als Orientierungshilfe.
Ökonomen erwarten schwaches Stellenwachstum
Von Bloomberg befragte Ökonomen prognostizieren, dass im Juli rund 90.000 Stellen außerhalb der Landwirtschaft geschaffen wurden. Das würde das bereits schwache Wachstum aus dem Juni fortsetzen und die Argumente für ein Aufschieben weiterer Zinserhöhungen stärken. Für die Fed wäre ein solches Ergebnis ein Signal, sich bei Zinsentscheidungen stärker auf die Inflationsdaten zu konzentrieren.
Citi-Ökonomin Veronica Clark schrieb an ihre Kunden, ein schwacher Beschäftigungswert kombiniert mit der hohen Wahrscheinlichkeit von Abwärtskorrekturen früherer Daten solle „das Narrativ weiter widerlegen, dass sich der Arbeitsmarkt wieder anspannt und selbst eine Quelle für Inflationsdruck sein könnte". Clark erwartet zudem, dass die Arbeitslosenquote im Juli wieder auf 4,3 Prozent ansteigen wird.
Gleichzeitig besteht Ungewissheit über die Erwerbsbeteiligung. Trumps hartes Vorgehen gegen Einwanderung verändert die demografische Zusammensetzung des Arbeitsmarkts. Clark geht davon aus, dass sich das Arbeitskräfteangebot später im Jahr ausweiten wird, wenn insbesondere junge Frauen in Pflegeberufen oder mit Betreuungsaufgaben mit Beginn des Schuljahres in den Arbeitsmarkt zurückkehren – was die Arbeitslosenquote letztlich über 4,5 Prozent treiben könnte.
Chinas Handelsdaten: Überschuss unter Druck
Ebenfalls am Freitag veröffentlicht China seine Handelszahlen für Juli. Ökonomen der ING erwarten, dass die Importe weiterhin schneller wachsen als die Exporte: Die Importe sollen im Jahresvergleich um 33,6 Prozent gestiegen sein, die Exporte um 28,1 Prozent. Das wäre eine Fortsetzung des Trends aus dem Juni, als Importe um 36 Prozent und Exporte um 27 Prozent zulegten.
Treiber dieser Entwicklung sind massive globale Investitionen in Künstliche Intelligenz, die die Nachfrage nach chinesischen elektronischen Komponenten wie Leiterplatten und optischen Transceivern ankurbeln. Gleichzeitig stiegen die Kosten für Güter wie Speicherchips, die China in großem Umfang importiert. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres lag Chinas Handelsüberschuss laut chinesischen Zolldaten bei 576 Milliarden US-Dollar – leicht unter den 583 Milliarden US-Dollar des ersten Halbjahres 2025.
Ob der Überschuss seinen Höhepunkt erreicht hat, ist jedoch umstritten. Brad Setser, Senior Fellow beim Council on Foreign Relations, weist darauf hin, dass Chinas Handelsüberschuss ohne Berücksichtigung der stark gestiegenen Goldimporte im ersten Halbjahr dieses Jahres um 80 Milliarden US-Dollar gewachsen ist. Analysten betonen, dass eine nachhaltige Veränderung der Handelsbilanz davon abhängen wird, ob Peking substanziellere Schritte zur Stützung der Binnennachfrage unternimmt. Hochrangige Beamte erklärten am Donnerstag, die Ausgaben in der zweiten Jahreshälfte beschleunigen zu wollen.
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Zur AktienanalyseFTSE 100 auf Rekordhoch – aber wie nachhaltig?
Der britische FTSE 100 erreichte in dieser Woche eine Reihe von Rekordhochs. Anleger suchten am Ende eines von Technologieausverkäufen geprägten Monats sichere Häfen – und fanden sie im britischen Blue-Chip-Index, der im Technologiesektor kaum engagiert ist. Seine starke Gewichtung in fossilen Brennstoffen und Finanztiteln erwies sich angesichts steigender europäischer Zinsen und wieder anziehender Ölpreise als Vorteil.
Dennoch zeigen sich Anleger und Analysten skeptisch, wie lange die Rally anhält. Emmanuel Cau, Leiter der europäischen Aktienstrategie bei Barclays, kommentierte: „Es ist nicht wirklich so, dass die Leute auf eine spezifische britische Binnengeschichte setzen; es ist vielmehr eine Frage der Indexzusammensetzung, die hilft oder eben nicht." Da die Energiepreise aufgrund wechselnder Berichte über Angriffe und Gespräche zwischen den USA und dem Iran schwanken und sich Technologiewerte gegen Ende der Woche erholten, bleibt die Nachhaltigkeit der FTSE-Rally fraglich.


