US-Jobdaten im Juli enttäuschen – Fed-Zinserhöhung im September fraglich
Schwache Nonfarm Payrolls schüren Zweifel an einer weiteren Zinserhöhung der US-Notenbank im September.

Die US-Wirtschaft hat im Juli überraschend Stellen abgebaut. Die Beschäftigtenzahlen außerhalb der Landwirtschaft – die sogenannten Nonfarm Payrolls – sanken um 23.000 Stellen, wie das Bureau of Labor Statistics am Freitag mitteilte. Ökonomen hatten laut einer Reuters-Umfrage mit einem Zuwachs von 80.000 Stellen gerechnet.
Zusätzlich wurden die Zahlen für den Vormonat Juni deutlich nach unten korrigiert: Statt des ursprünglich gemeldeten Zuwachses von 57.000 Stellen weist das Arbeitsministerium nun nur noch ein Plus von 20.000 aus. Die Arbeitslosenquote sank zwar leicht von 4,2% auf 4,1%, allerdings ist dies vor allem auf eine weiter rückläufige Erwerbsquote zurückzuführen – also weniger Menschen, die aktiv nach Arbeit suchen.
Die Märkte reagierten unmittelbar auf die schwachen Daten. Aktien-Futures legten zu, wobei der Nasdaq Composite um 1,1% und der S&P 500 um 0,5% zulegen dürften. Anleger interpretierten die Zahlen als Signal, dass die Fed weniger Druck verspürt, die Zinsen weiter anzuheben.
Märkte preisen geringere Zinserhöhungswahrscheinlichkeit ein
Am Anleihemarkt fielen die Renditen spürbar: Die zweijährige US-Staatsanleihe, die besonders sensibel auf Fed-Erwartungen reagiert, sank um 8 Basispunkte auf 4,16%. Die zehnjährige Anleihe gab um 6 Basispunkte auf 4,61% nach. Der US-Dollar-Index verlor 0,5% und notierte zuletzt bei 99,43. Zu den Gewinnern im Devisenmarkt zählte der japanische Yen, der auf 157,20 stieg.
Die Fed-Funds-Futures preisten nach Veröffentlichung der Daten nur noch eine Wahrscheinlichkeit von 40% für eine Zinserhöhung auf der September-Sitzung ein – vor dem Bericht waren es noch 55%. Die US-Notenbank hatte ihren Leitzins zuletzt in der Spanne von 3,50% bis 3,75% belassen. Drei Mitglieder des Offenmarktausschusses hatten dabei für eine Anhebung um einen Viertelprozentpunkt gestimmt.
Experten mahnen zur Vorsicht bei voreiligen Schlüssen
Ökonomen und Marktstrategen äußerten sich nach den Daten zurückhaltend. Brian Jacobsen, Chefökonom bei Annex Wealth Management, warnte: „Die Fed wird vorsichtig vorgehen müssen. Zinserhöhungen treffen das verarbeitende Gewerbe zuerst und stärker als den Dienstleistungssektor. Die Heilung könnte schlimmer sein als die Krankheit, wenn die Krankheit eher saisonal als strukturell bedingt zu sein scheint."
Anthony Saglimbene, Chef-Marktstratege bei Ameriprise Financial, betonte, dass ein einzelner schwacher Wert noch keinen Trend begründe: „Selbst mit einem negativen Beschäftigungswert bleibt der Arbeitsmarkt gesund. Aber es gibt der Fed einen gewissen Spielraum für eine Pause im September. Eine Zahl ist kein Trend." Er geht davon aus, dass die Fed im September die Zinsen nicht anheben wird.
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Zur AktienanalyseLindsay Rosner, Leiterin Multi Sector Fixed Income Investing bei Goldman Sachs Asset Management, zog einen historischen Vergleich: „Die Geschichte wiederholt sich nicht, aber manchmal reimt sie sich. Zum dritten Mal in ebenso vielen Jahren zeigten die Arbeitsmarktdaten für Juli einen Momentumverlust mitten im Sommer." Sie betonte, dass die kommenden Inflationsdaten letztlich entscheidend sein werden – das verlangsamte Beschäftigungswachstum spreche jedoch für ein Festhalten an den Zinsen im September.
Hintergrund: Saisonale Schwäche im Juli keine Seltenheit
Wie der Bericht selbst anmerkt, tendieren die Beschäftigtenzahlen im Juli generell dazu, schwächer auszufallen. Dies erschwert die Interpretation der aktuellen Daten. Für die Fed bleibt die Lage damit komplex: Einerseits kämpft sie weiterhin gegen erhöhte Inflation, andererseits zeigt der Arbeitsmarkt erste Schwächezeichen. Die nächste geldpolitische Sitzung im September dürfte damit zu einer der meistbeachteten der jüngeren Zeit werden.


