US-Iran-Waffenstillstand beflügelt Märkte – Ölpreis fällt deutlich
Ein fragiler Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran sorgt für Erleichterung an den globalen Finanzmärkten und lässt den Ölpreis deutlich sinken.

Die globalen Finanzmärkte schöpfen neue Hoffnung: Nachdem das US-Militär seine Angriffe im Golf eingestellt hat, hat sich ein fragiler Waffenstillstand eingestellt. Der Iran erklärte seinerseits, er werde pausieren, solange die USA sich zurückhielten. Anleger werteten dies als klaren Schritt in Richtung Deeskalation – mit spürbaren Auswirkungen auf die Rohstoff- und Aktienmärkte.
Der Preis für die Ölsorte Brent sank infolge der Entspannung um rund 4 % auf 92,80 US-Dollar pro Barrel. Marktbeobachter sehen die Marke von 100 US-Dollar offenbar als kritische Schwelle, bei der die USA zum Einlenken bereit sind. Dies deutet darauf hin, dass der Ölpreis nahe genug an diesem Niveau bleiben muss, um beide Seiten im Gespräch zu halten. Die Huthi-Rebellen komplizierten die Lage zwar durch Angriffe auf Ölanlagen in Saudi-Arabien, doch der übergeordnete Trend zeigte klar in Richtung Beruhigung.
Aktienmärkte verhalten optimistisch
Die Aktienmärkte reagierten gedämpft positiv auf die geopolitische Entspannung. Die Nasdaq-Futures stiegen um 1 %, während die asiatischen Börsen nachgaben. Hintergrund ist die Sorge, dass eine Reihe von Quartalszahlen aus dem Technologiesektor in dieser Woche die Bedenken hinsichtlich der massiven Investitionsausgaben für Künstliche Intelligenz weiter verstärken könnte.
Die Dimensionen dieser KI-Investitionen wurden durch einen Bericht des Wall Street Journal unterstrichen: Nvidia soll demnach in Gesprächen über eine Absicherung in Höhe von rund 250 Milliarden US-Dollar für OpenAI im Rahmen eines Rechenzentrumsprojekts stehen. Solche Summen verdeutlichen, wie gewaltig der globale Wettlauf um KI-Infrastruktur inzwischen geworden ist – und wie stark er die Bilanzen der großen Technologiekonzerne belastet.
In dieser Woche legen gleich mehrere Schwergewichte ihre Quartalszahlen vor: Microsoft, Meta Platforms, Amazon, Apple und Qualcomm gehören ebenso dazu wie zahlreiche Unternehmen aus den Bereichen Industrie, Verteidigung und Gesundheitswesen. Insgesamt wird etwa ein Drittel der im S&P 500 gelisteten Unternehmen in dieser Woche Bericht erstatten. Die Gewinne sind auf Kurs, ein Plus von 26,5 % gegenüber dem Vorjahr auszuweisen – doch selbst das könnte möglicherweise nicht ausreichen, um die extrem hohen Markterwartungen zu erfüllen.
Chinesischer Chiphersteller feiert Börsendebüt
Als positives Signal aus Asien gilt das Börsendebüt des chinesischen Chipherstellers CXMT Corp an der Shanghaier Börse: Die Aktien stiegen beim Handelsstart um 500 %. Das Unternehmen hatte im Rahmen des größten asiatischen Börsengangs des laufenden Jahres 8,6 Milliarden US-Dollar eingesammelt – ein Zeichen dafür, dass das Anlegerinteresse an Halbleitern trotz geopolitischer Spannungen ungebrochen ist.
Der Rückgang der Ölpreise verhalf auch den Anleihemärkten nach einer schwierigen Vorwoche zu einer Erholung. Die Fed-Funds-Futures nahmen eine Straffung um 2 bis 3 Basispunkte aus der Zinskurve heraus. Der Markt sieht derzeit eine Chance von eins zu drei für eine Zinserhöhung durch die US-Notenbank Federal Reserve in dieser Woche. Die überwiegende Mehrheit der Analysten geht davon aus, dass Fed-Vorsitzender Kevin Warsh nicht für eine Straffung plädieren wird – allerdings könnte es ein oder zwei Abweichler geben, die sich für eine sofortige Anhebung aussprechen.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseNotenbanken im Fokus: Bank of England und Bank of Japan tagen
Neben der Fed stehen in dieser Woche weitere wichtige Zentralbankentscheidungen an. Die Bank of England hält ihre Sitzung am Donnerstag ab, die Bank of Japan folgt am Freitag. Von beiden wird erwartet, dass sie die Zinsen unverändert lassen, während sie angesichts künftiger Inflationsrisiken vorsichtig bleiben.
Wie ernst die Zentralbanken diese Risiken nehmen, zeigte die Zentralbank von Singapur bereits am Montag: Sie nahm überraschend eine eigene Straffung vor, indem sie eine etwas schnellere Aufwertung ihrer Währung zuließ. Für deutsche Anleger bleibt zudem der Ifo-Geschäftsklimaindex für Juli ein wichtiger Datenpunkt, der am Montag veröffentlicht wird und Aufschluss über die Stimmung in der deutschen Wirtschaft geben dürfte.


