US-Iran-Spannungen stützen Dollar – Yen auf 40-Jahres-Tief
Steigende Ölpreise und geopolitische Risiken treiben Anleger in den sicheren Hafen Dollar, während der Yen kaum Erholung zeigt.

Der US-Dollar hat sich am Donnerstag weitgehend stabilisiert, gestützt durch erneute Spannungen zwischen den USA und dem Iran. Die Eskalation des Konflikts trieb die Ölpreise nach oben und schürte Inflationssorgen – beides Faktoren, die die Nachfrage nach dem Dollar als sicherer Hafenwährung ankurbelten. Der Dollar-Index, der den Greenback gegenüber einem Korb wichtiger Währungen misst, notierte unverändert bei 101,11.
Die Ölpreise reagierten deutlich auf die geopolitischen Entwicklungen: Brent-Futures kletterten am Donnerstag um mehr als 1,3 Prozent auf 95,31 US-Dollar pro Barrel. Auslöser war die Meldung, dass das US-Militär eine neue Runde von Angriffen auf den Iran gestartet hatte. Gleichzeitig beanspruchten die mit dem Iran verbündeten Huthi-Rebellen militärische Angriffe auf zwei saudi-arabische Öltanker im Rahmen einer Seeblockade gegen Saudi-Arabien für sich – ein Schritt, der das Risiko weiterer Störungen der Ölströme im Roten Meer erhöht.
Die steigenden Energiepreise haben auch die Renditen am US-Anleihemarkt bewegt. Die Renditen zweijähriger US-Staatsanleihen stiegen am Mittwoch auf ein 17-Monats-Hoch, da Marktteilnehmer die Wahrscheinlichkeit weiterer Zinserhöhungen durch die US-Notenbank Federal Reserve neu bewerteten.
Experten sehen Dollar strukturell begünstigt
Joseph Capurso, Leiter für internationale Wirtschaft und Devisen bei der Commonwealth Bank of Australia, erklärte in einem Kommentar: „Was sich im Vergleich zum Beginn des Konflikts vor fünf Monaten unterscheidet, sind die Lagerbestände. Geringere Bestände bedeuten, dass Engpässe bei Öl und Gas umso wahrscheinlicher werden, je länger der Konflikt andauert, was die negativen wirtschaftlichen Auswirkungen hoher Energiepreise verschärft und den US-Dollar begünstigt."
Auch andere Währungen gerieten unter Druck. Der australische Dollar sank gegenüber dem Greenback um 0,1 Prozent auf 0,6989 US-Dollar, der neuseeländische Kiwi gab um knapp 0,1 Prozent auf 0,5811 US-Dollar nach. Das britische Pfund wurde zuletzt bei 1,3373 US-Dollar gehandelt. Der Euro legte hingegen leicht um 0,02 Prozent auf 1,1412 US-Dollar zu – auch im Vorfeld der EZB-Sitzung am Donnerstag, bei der die Europäische Zentralbank die Zinsen voraussichtlich unverändert lassen, sich aber die Tür für eine weitere Zinserhöhung im September offenhalten wird.
Yen verharrt nahe 40-Jahres-Tief
Besonders im Fokus der Devisenmärkte steht der japanische Yen. Die Währung notierte zuletzt bei 163,1 Yen pro Dollar – nur knapp über dem Tief von 163,23, das am Dienstag erreicht wurde und den schwächsten Stand seit Dezember 1986 markierte. Damit bewegt sich der Yen auf einem Niveau, das zuletzt vor rund 40 Jahren verzeichnet wurde.
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Zur AktienanalyseKurzfristige Gewinne, die der Yen nach Berichten über eine mögliche schnellere Zinserhöhung durch die Bank of Japan (BoJ) verbuchen konnte, wurden rasch wieder abgegeben. Bloomberg News hatte berichtet, dass BoJ-Vertreter offen für Zinserhöhungen in einem schnelleren Tempo seien, als der Konsens unter Ökonomen erwarte. Reuters bestätigte unter Berufung auf drei mit den Überlegungen vertraute Quellen, dass die BoJ wachsam gegenüber Aufwärtsrisiken bei der Inflation bleibe.
Die anhaltende Schwäche des Yen wird von Analysten auf zwei Hauptfaktoren zurückgeführt: die breite Dollarstärke sowie die nach wie vor niedrigen Zinssätze der Bank of Japan im internationalen Vergleich. Japans Finanzminister hat zwar wiederholt verbale Warnungen vor möglichen Devisenmarktinterventionen ausgesprochen, und Tokio hatte im April und Mai bereits Yen-Kaufoperationen durchgeführt – die grundlegende Richtung der Währung blieb davon jedoch unberührt.
Tony Sycamore, Marktanalyst bei IG Australia, schätzt die Lage nüchtern ein: „Vor dem Hintergrund steigender Energiepreise und wachsender Erwartungen an eine restriktivere Fed-Sitzung in der nächsten Woche erscheint es trotz anhaltender Drohungen sehr unwahrscheinlich, dass die japanischen Behörden vor der FOMC-Sitzung in der nächsten Woche intervenieren werden." Für deutsche Anleger mit Engagements in japanischen Wertpapieren oder Yen-denominierten Produkten bleibt die Währungsentwicklung damit ein wichtiger Risikofaktor.


