US-Iran-Abkommen überschattet Fed-Entscheidung an den Märkten
Ein Memorandum of Understanding zwischen den USA und dem Iran lässt Ölpreise auf ein Dreieinhalbmonatstief fallen und beflügelt die globalen Aktienmärkte.

Die globalen Finanzmärkte stehen am Donnerstag im Zeichen zweier großer Ereignisse: der ersten Zinsentscheidung unter dem neuen Fed-Chef Kevin Warsh und der überraschenden Unterzeichnung einer Absichtserklärung zwischen den USA und dem Iran. Während die Federal Reserve die Märkte zunächst mit einem restriktiven Signal belastete, dominiert das geopolitische Abkommen das Marktgeschehen am Donnerstagmorgen.
Die US-Notenbank beließ die Leitzinsen wie erwartet unverändert bei 3,50 % bis 3,75 %. Die begleitende Kommunikation signalisierte jedoch eine Tendenz zur Straffung – ein sogenannter „hawkish tilt". Dies trieb die Renditen kurzfristiger US-Staatsanleihen auf ein 16-Monats-Hoch und löste einen Ausverkauf an der Wall Street aus. Der S&P 500 und der Nasdaq schlossen am Mittwoch jeweils mehr als 1 % im Minus.
Die Terminmärkte preisten daraufhin eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung bereits im September ein. Neun von 19 Fed-Entscheidungsträgern erwarten laut neuen Quartalsprognosen eine Zinserhöhung bis Ende 2026. Warsh selbst war an diesen Prognosen nicht beteiligt, erklärte aber gegenüber Reportern, die Zentralbank werde „Preisstabilität gewährleisten".
Neue Ära unter Fed-Chef Warsh
Kevin Warsh tritt damit in große Fußstapfen: Er löst Jerome Powell ab, den US-Präsident Donald Trump zuletzt scharf dafür kritisiert hatte, die Zinsen nicht zu senken. Trump zeigte sich am Mittwoch jedoch gelassen und erklärte, er werde sich von Warshs Wünschen leiten lassen. Bereits in den vergangenen Wochen hatte Trump signalisiert, dem neuen Fed-Chef einen gewissen Spielraum einzuräumen.
Auffällig ist zudem die veränderte Kommunikationsstrategie der Fed: Die neue Erklärung unter Warsh verzichtet auf eine sogenannte „Forward Guidance" – also konkrete Hinweise auf den künftigen Zinspfad. Marktbeobachter werten dies als Zeichen einer ruhigeren, weniger vorhersehbaren Notenbankpolitik.
US-Iran-Abkommen drückt Ölpreise auf Mehrmonatstief
Die stärkere Kraft, die die Märkte am Donnerstag bewegte, kam jedoch nicht aus Washington, sondern aus dem Nahen Osten. Die USA und der Iran unterzeichneten am Mittwoch eine 14-Punkte-Absichtserklärung (Memorandum of Understanding), die von US-Präsident Trump und dem iranischen Präsidenten Massud Peseschkian unterzeichnet wurde.
Das Abkommen sieht weitreichende Maßnahmen vor:
- Ein sofortiges Ende des Krieges an allen Fronten, einschließlich des Libanon
- Die vollständige Wiederaufnahme des Seeverkehrs „ohne Gebühren" in der Straße von Hormus
- Die Aufhebung der US-Blockade iranischer Häfen
- Den Verzicht auf US-Sanktionen gegen den Iran sowie die Freigabe iranischer Vermögenswerte
- Einen Investitionsfonds in Höhe von 300 Milliarden US-Dollar für den Wiederaufbau des Iran
Die Energiemärkte reagierten prompt: Rohöl der Sorte Brent fiel am frühen Donnerstag auf rund 78 US-Dollar pro Barrel – ein Dreieinhalbmonatstief. Anleger gehen offenbar davon aus, dass bald wieder große Mengen an Energielieferungen durch die strategisch wichtige Meerenge fließen werden. Ob die Straße von Hormus nach Ablauf der 60-Tage-Frist tatsächlich gebührenfrei bleibt, ist allerdings noch unklar.
Asiatische Märkte auf Rekordhoch, Wall-Street-Futures im Plus
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Zur AktienanalyseDie positive Stimmung strahlte auf die Aktienmärkte aus: Die wichtigsten asiatischen Aktienindizes erreichten am Donnerstag Rekordhochs. Auch die Futures an der Wall Street lagen vor Handelsbeginn im grünen Bereich – ein deutlicher Stimmungsumschwung gegenüber dem schwachen Mittwochshandel.
Auch die Bank of England steht am Donnerstag im Fokus. Es wird erwartet, dass die britische Notenbank die Zinsen bei 3,75 % belässt, während sie prüft, welche Auswirkungen das US-Iran-Abkommen auf die britische Inflation haben könnte. Unterstützung erhält die BoE durch überraschend schwache Inflationsdaten: Der britische Verbraucherpreisindex (VPI) verharrte im Mai auf einem 13-Monats-Tief von 2,8 %. Niedrigere Lebensmittelpreise halfen dabei, steigende Flugpreise auszugleichen.
Für den weiteren Handelstag stehen zudem wichtige US-Konjunkturdaten auf dem Programm, darunter die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sowie der Philadelphia-Fed-Geschäftsindex, beide um 14:30 Uhr MESZ.


