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US-Iran-Abkommen: Naher Osten neu geordnet – Wer gewinnt?

Das erste US-iranische Abkommen seit 1979 beendet einen dreimonatigen Krieg – doch Israels und Golfstaaten sehen es als strategische Niederlage.

US-Iran-Abkommen: Naher Osten neu geordnet – Wer gewinnt?

Das Abkommen zwischen den USA und dem Iran, unterzeichnet von US-Präsident Donald Trump und dem iranischen Präsidenten Masoud Pezeshkian am Rande des G7-Gipfels in Versailles, markiert einen historischen Wendepunkt im Nahen Osten. Es ist das erste Abkommen dieser Art, das seit der Islamischen Revolution 1979 von einem amerikanischen und einem iranischen Präsidenten unterzeichnet wurde. Befürworter feiern es als „Deal des Jahrhunderts" – doch für Teherans Rivalen in der Region liest es sich wie ein strategischer Rückschlag.

Das 14-Punkte-Abkommen verlängert einen bestehenden Waffenstillstand um 60 Tage, auch im Libanon, und schafft damit Raum für Verhandlungen über eine dauerhafte Beilegung des Konflikts. Auf der Agenda stehen unter anderem das iranische Atomprogramm sowie regionale Sicherheitsfragen. Der Konflikt, der am 28. Februar begann, forderte mehr als 7.000 Todesopfer – hauptsächlich im Iran und im Libanon – und trieb die Energiepreise in die Höhe, während er Ängste vor einer Nahrungsmittelkrise in Entwicklungsländern schürte.

Der libanesische Kommentator Sarkis Naoum ordnet das Abkommen klar ein: „Für Washington und Teheran ist dies ein ‚Grand Bargain' – der Deal des Jahrhunderts, von dem es kein Zurück mehr gibt. Die Erfolgswahrscheinlichkeit überwiegt das Risiko des Scheiterns. Der Iran kann keine weiteren wirtschaftlichen Schmerzen unter den Sanktionen ertragen, und Trump hat keinen Anreiz, einen neuen Krieg zu beginnen."

Israels strategische Niederlage

Für Israel hingegen ist die Bilanz verheerend. Der israelische Analyst Danny Citrinowicz vom Institute for National Security Studies bezeichnet das Abkommen als strategische „Katastrophe". Was als gemeinsame US-israelische Kampagne zur Schwächung oder gar zum Sturz der Islamischen Republik konzipiert war, hat sich aus seiner Sicht in eine amerikanische Anerkennung des Irans verwandelt.

„Wir sind angetreten, um das Regime mit US-Unterstützung zu stürzen, und am Ende hat Washington demselben Regime, das wir zu Fall bringen wollten, faktisch Legitimität verliehen und es gestärkt", sagte Citrinowicz. Er bemängelt, dass das Abkommen keine der Kernforderungen Israels erfülle: keine Beschränkungen für das iranische Raketenprogramm, keine Einschränkungen für iranische Stellvertreter und kein klarer Weg zur Demontage der Atomanlagen. Sogar Israels Feldzug im Libanon wurde durch den auf Drängen des Irans auferlegten Waffenstillstandsrahmen eingeschränkt. „Alles ist schlecht", sagte Citrinowicz unverblümt. „Und es wird nur noch schlimmer werden."

Das Abkommen untergräbt zudem Netanjahus Narrativ zum Iran und offenbart die Grenzen seines Einflusses bei einem US-Präsidenten, der als eng mit Israel verbündet gilt. Citrinowicz warnt, der Iran habe an Handlungsspielraum gewonnen, während sich die Isolation Israels vertiefe.

Iran als klarer Gewinner – Golfstaaten unter Druck

Sollte das Abkommen Bestand haben, scheint der Iran das stärkere Ergebnis zu erzielen: ein Ende des Krieges, eine schrittweise Lockerung der Sanktionen, erneute Ölexporte und die Aussicht auf umfangreiche Wiederaufbaumittel – neben der impliziten Akzeptanz seines politischen Systems. Washington hingegen bleibt hinter den Zielen zurück, die es mit Israel teilte: der Sturz des klerikalen Establishments, die Demontage des iranischen Atomprogramms und die Eindämmung seiner regionalen Reichweite.

Am Golf ist die Besorgnis besonders groß. Die Golfstaaten gelten als Hauptverlierer des Krieges – Zuschauer bei Entscheidungen, die ihre Sicherheitslandschaft neu gestaltet haben. Quellen am Golf berichten, dass das Abkommen bereits das strategische Denken verändert: Das Vertrauen in den Schutz durch die USA erodiere, der Iran werde als dauerhafte regionale Kraft gefestigt, und eine Verschiebung hin zu einer Politik der Verständigung statt der Konfrontation werde beschleunigt.

Für den Libanon verschiebt das Abkommen das Gleichgewicht zugunsten des Irans und stärkt die Rolle der von Teheran unterstützten Hisbollah. Der libanesische Präsident Joseph Aoun warnte, dass der Iran nicht im Namen des Libanon über Themen wie den Waffenstillstand und den israelischen Rückzug aus südlichen Gebieten verhandeln könne. Hisbollah-nahe Quellen sehen das jedoch anders: Der US-iranische Weg stärke die Position des Libanon, indem er ihn in eine Verhandlung auf höherer Ebene hebe.

Experten sehen den eigentlichen Test noch vor sich

Der Iran-Experte Alex Vatanka vom Middle East Institute in Washington relativiert die Kritik. Er sieht in dem Abkommen keine Kapitulation, sondern das am wenigsten schlechte Ergebnis nach Jahren gescheiterten Zwangs. „Man hat versucht, den Iran militärisch zu Fall zu bringen. Das ist nicht gelungen. Die Alternative wäre katastrophal gewesen – ein größerer Krieg hätte den Golf über Jahrzehnte verwüsten können", sagte Vatanka.

Der eigentliche Test stehe noch bevor – bei der Umsetzung des Abkommens, in den ungelösten Atomverhandlungen und in den regionalen Reaktionen. „Es ist eine große Sache, aber es ist noch nicht das Ende. Es ist erst der Anfang", so Vatanka. Einige Analysten sehen Israel als den entscheidenden Unsicherheitsfaktor: Es sei zwar unwahrscheinlich, dass Israel einen von Trump gesteuerten Prozess torpediere, doch das Risiko bleibe bestehen – insbesondere im Libanon.

Ein iranischer Beamter, der nicht namentlich genannt werden wollte, fasste die Lage aus Teherans Perspektive zusammen: „Israel ist nach diesem Krieg sowohl in der Region als auch in der Welt isoliert worden. Der Iran hat bekommen, was er wollte."

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