US-Inflationsdaten treffen Erwartungen – Fed-Zinserhöhung rückt fern
Der Juli-CPI-Bericht zeigt nachlassende Inflation – Märkte reagieren positiv, Zinspause im September gilt als wahrscheinlich.

Die US-Aktienmärkte verzeichneten am Mittwoch deutliche Kursgewinne, nachdem der neue Verbraucherpreisindex (CPI) für Juli die Erwartungen der Ökonomen exakt traf. Die Inflationsdaten kamen kurz nach einem schwachen Arbeitsmarktbericht für Juli und verstärken die Markterwartung, dass die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) auf ihrer September-Sitzung die Zinsen unverändert lassen wird.
Laut dem Bureau of Labor Statistics stieg der CPI im Juli um 0,1 Prozent, womit die jährliche Inflationsrate auf 3,4 Prozent sank – ein leichter Rückgang gegenüber 3,5 Prozent im Juni. Die Kernrate, die volatile Lebensmittel- und Energiepreise ausklammert, legte monatlich um 0,2 Prozent und jährlich um 2,5 Prozent zu. Beide Werte deckten sich mit den Konsensschätzungen der Wall Street.
Das FedWatch-Tool der CME Group zeigt, dass die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September deutlich gesunken ist. Auf der Prognoseplattform Kalshi sehen Händler eine Wahrscheinlichkeit von 69 Prozent dafür, dass die Fed die Zinsen unverändert hält.
Experten mahnen zur Vorsicht
Ellen Zentner, Chefstrategin für Wirtschaft bei Morgan Stanley Wealth Management, betonte, dass die erwartungskonformen Inflationsdaten die Erzählung „kein Bedarf für eine Zinserhöhung" stützen, die bereits nach dem Arbeitsmarktbericht der Vorwoche entstanden war. „Vor der September-FOMC-Sitzung wird es noch eine weitere Runde Inflationsdaten geben, sodass sich die Geschichte noch ändern könnte", sagte Zentner. „Aber sofern diese Zahlen keine völlig andere Geschichte erzählen, wird die Fed wahrscheinlich in der Lage sein, die Zinsen im nächsten Monat unverändert zu lassen."
Analysten von Wells Fargo und BMO Capital Markets unterstrichen, dass die Fed strikt datenabhängig bleibt. Der Juli-Bericht verschaffe zwar „Spielraum", doch die endgültige Entscheidung hänge von den August-Arbeitsmarktdaten und den folgenden Inflationswerten ab. Ryan Weldon von IFM Investors warnte zudem, die Fed riskiere ihre Glaubwürdigkeit, wenn sie keine klarere Reaktionsfunktion in Bezug auf ihr 2-Prozent-Inflationsziel kommuniziere.
Wohnkosten bleiben der größte Treiber der Gesamtinflation und machen rund zwei Drittel des Anstiegs aus. Energiepreise sanken im Juli um 1,5 Prozent, liegen auf Jahresbasis jedoch noch 14,7 Prozent höher – maßgeblich bedingt durch anhaltende Spannungen im Nahen Osten.
Technologiesektor und KI-Boom treiben Kursgewinne
Technologieaktien führten die Marktrally an, gestützt durch starke Quartalsergebnisse. CoreWeave-Aktien sprangen um 20 Prozent, nachdem das Unternehmen einen Umsatz von 2,58 Milliarden US-Dollar meldete – mehr als eine Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr. Zudem wies CoreWeave einen Auftragsbestand von 104 Milliarden US-Dollar aus und hob die Jahresumsatzprognose auf 12,4 bis 13,2 Milliarden US-Dollar an. Super Micro Computer legte ebenfalls 9 Prozent zu, nachdem die Ergebnisse des vierten Fiskalquartals die Analystenerwartungen fast verdoppelten.
Im Restaurantsektor stiegen Cava-Group-Aktien um 17 Prozent, getrieben von einem Anstieg des Gästeaufkommens um 5 Prozent und einem Wachstum der vergleichbaren Restaurantumsätze von 9 Prozent. Home Depot hingegen verlor 1,5 Prozent, nachdem bekannt wurde, dass CEO Ted Decker vorübergehend aus medizinischen Gründen pausiert. Die Führung übernehmen interimistisch Ann-Marie Campbell und Richard McPhail, während der unabhängige Lead Director Greg Brenneman den Vorstand leitet.
Künstliche Intelligenz bleibt ein zentraler Wachstumstreiber. Morgan-Stanley-Analysten veröffentlichten eine Studie, wonach der Markt die KI-Sparte von SpaceX deutlich unterbewertet. Sie argumentieren, dass Investoren das Potenzial der sogenannten „Neocloud"-Deals und der geplanten Übernahme der KI-Coding-Plattform Cursor nicht ausreichend einpreisen. Morgan Stanley prognostiziert, dass Cursors jährlicher Umsatz von 4 Milliarden US-Dollar im Juni 2025 auf 33 Milliarden US-Dollar bis 2030 wachsen könnte.
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Zur AktienanalyseUngleiche KI-Adoption und geopolitische Risiken
Daten des Ramp AI Index zeigen, dass die Top-1-Prozent der Unternehmen monatlich fast 5.000 US-Dollar pro Mitarbeiter für KI-Dienste ausgeben. Die breitere Adoption bleibt jedoch ungleichmäßig: Laut dem US Census Bureau haben rund 80 Prozent der amerikanischen Unternehmen noch kein nennenswertes Kapital in KI-Produkte investiert.
Geopolitische Risiken bleiben ein persistenter Unsicherheitsfaktor. Analysten von Regan Capital wiesen darauf hin, dass die Fed kaum Einfluss auf externe Faktoren wie die Straße von Hormus hat, die Ölpreise und damit künftige Inflationswerte beeinflussen könnte. Der Marktausblick bleibt insgesamt konstruktiv für Risikoanlagen – der Weg zum 2-Prozent-Inflationsziel der Fed ist jedoch weiterhin von Datenschwankungen und globaler Instabilität geprägt.


