US-Inflationsbericht im Juli: Was die Fed jetzt erwartet
Der Verbraucherpreisindex für Juli könnte der Fed entscheidenden Spielraum im Kampf gegen die Inflation verschaffen.

Der US-Inflationsbericht für Juli steht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit der Finanzmärkte. Das Bureau of Labor Statistics veröffentlicht den Verbraucherpreisindex (CPI) um 14:30 Uhr MESZ – und die Erwartungen sind verhalten optimistisch. Laut dem Dow-Jones-Konsens wird für Juli lediglich ein moderater Anstieg von 0,1 Prozent bei der Gesamtrate erwartet, während die Kernrate – die volatile Lebensmittel- und Energiepreise ausschließt – bei 0,2 Prozent liegen soll.
Auf Jahresbasis werden Werte von 3,4 Prozent bei der Gesamtrate und 2,5 Prozent bei der Kernrate prognostiziert. Das entspräche jeweils einem Rückgang von 0,1 Prozentpunkten gegenüber dem Vormonat Juni. Damit läge die Inflation zwar weiterhin deutlich über dem Ziel der Federal Reserve von 2 Prozent, doch zwei aufeinanderfolgende moderate Monatswerte könnten dem Offenmarktausschuss (FOMC) wichtigen Handlungsspielraum verschaffen.
Fed hält Leitzins vorerst stabil
Bei seiner Juli-Sitzung stimmte das FOMC mit 9 zu 3 Stimmen dafür, den Leitzins unverändert bei 3,5 bis 3,75 Prozent zu belassen. Die drei Abweichler sprachen sich jeweils für eine Erhöhung um einen Viertelprozentpunkt aus. Gouverneurin Lisa Cook deutete zudem kürzlich an, dass auch sie Zinserhöhungen für notwendig hält, sollten die Inflationsdaten nicht die gewünschte Richtung einschlagen.
Die Fed-Vertreter haben dabei einen strategischen Vorteil: Sie können sowohl die Inflationsdaten für Juli als auch für August auswerten, bevor sie erneut zusammenkommen. Im August findet keine reguläre Sitzung der Notenbank statt, da die Kansas City Fed ihr jährliches Symposium in Jackson Hole, Wyoming, abhält – ein wichtiges Treffen, das traditionell richtungsweisende Signale für die Geldpolitik liefert.
Der Blick auf den Juni zeigt, dass die Inflation bereits für Entlastung gesorgt hatte: Die Gesamtrate sank auf Monatsbasis um 0,4 Prozent, während die Kernrate unverändert blieb. Haupttreiber waren sinkende Energiepreise und eine Abschwächung der Wohnkosten. Gleichzeitig zeigte ein Bericht vom vergangenen Freitag, dass die Beschäftigtenzahl außerhalb der Landwirtschaft im Juli um 23.000 sank, obwohl die Arbeitslosenquote auf 4,1 Prozent zurückging.
Bank of America rechnet mit weiteren Zinserhöhungen
Trotz möglicher Anzeichen für eine Abkühlung des Arbeitsmarktes warnen einige Ökonomen vor einer Überraschung nach oben bei den Juli-Inflationsdaten. Die Bank of America rechnet weiterhin mit drei Zinserhöhungen in den kommenden Monaten. Die Ökonomen der Bank erklärten in einer Mitteilung an Kunden, dass der Arbeitsmarktbericht für Juli „das Gesamtbild des Arbeitsmarktes nicht verändert hat – er ist stabil". Und weiter: „Die Reaktionsfunktion der Fed ist stark auf die Inflationsdaten ausgerichtet, wie jüngste Äußerungen von Fed-Vertretern belegen."
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Zur AktienanalyseDie Bank of America skizziert dabei ein klares Szenario: Sollte das wichtigste Inflationsmaß der Fed in den nächsten zwei Monaten im Durchschnitt Anstiege von 0,25 Prozent verzeichnen, „ist es so gut wie sicher, dass die Fed im September mit Zinserhöhungen beginnen wird". Ein Durchschnittswert unter 0,2 Prozent würde eine Erhöhung hingegen verzögern. Alles dazwischen mache den September zu einer „reinen Glückssache", so die BofA.
Die Entscheidung hänge laut BofA-Bericht auch von Fed-Chef Warsh ab – konkret davon, ob er bei Bedarf für Erhöhungen offen ist oder ob seine taubenhaften Kommentare aus der Pressekonferenz im Juli eher seiner grundsätzlichen Haltung entsprechen. Sollten die Inflationszahlen hoch ausfallen, könnte Warsh einem Ausschuss gegenüberstehen, der nicht nur eine, sondern gleich mehrere Zinserhöhungen anstrebt.
Dass mehrere Schritte in dieselbe Richtung möglich sind, unterstrich auch Beth Hammack, Präsidentin der Cleveland Fed und eine der drei Abweichler bei der Juni-Sitzung. Sie erklärte am Montag, sie erwarte, dass wahrscheinlich mehrere Erhöhungen erforderlich sein werden. Die Notenbank agiert selten nur ein einziges Mal in die eine oder andere Richtung – ein Muster, das Anleger und Märkte gleichermaßen im Blick behalten sollten.


