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US-Industrie boomt, doch Inflation bleibt hartnäckig über Fed-Ziel

ISM-Index erreicht bestes Ergebnis seit Mai 2022 – doch Preisdruck und geopolitische Unsicherheit belasten die Branche weiterhin stark.

US-Industrie boomt, doch Inflation bleibt hartnäckig über Fed-Ziel

Die US-amerikanische Industrie hat im Juli einen überraschend starken Wachstumsschub verzeichnet. Das Institute for Supply Management (ISM) meldete in seiner Juli-Umfrage zur Lage des verarbeitenden Gewerbes einen Indexwert von 55,6 – das schnellste Wachstumstempo seit mehr als vier Jahren und das beste Ergebnis seit Mai 2022. Damit übertraf der Wert die Erwartungen der Wall Street von 54,0 deutlich.

Der ISM-Index misst den Prozentsatz der Unternehmen, die ein Wachstum verzeichnen. Jeder Wert über 50 signalisiert eine Expansion der Industrietätigkeit. Besonders stark zeigten sich die neuen Exportaufträge, die Auftragsbestände sowie die Produktion, die um 6,3 Punkte zulegte. Laut Troy Ludtka, leitendem US-Ökonom bei SMBC Nikko Securities Americas, erreichte der Produktionsindex damit den höchsten Stand seit November 2021.

Auch am Arbeitsmarkt im verarbeitenden Gewerbe gibt es positive Signale. Der Beschäftigungsindikator stieg auf den höchsten Stand seit August 2022 und markierte laut ISM-Vertretern zum ersten Mal seit 33 Monaten wieder eine Expansion. Dies deutet darauf hin, dass die US-Industrie trotz der anhaltenden Zollbelastungen neue Arbeitsplätze schafft.

Preisdruck auf höchstem Niveau seit Monaten

Hinter den positiven Schlagzeilen verbirgt sich jedoch ein ernstes Problem: Der Preisindex gab zwar leicht nach, liegt aber weiterhin bei 71,1. Das bedeutet, dass fast drei Viertel aller befragten Unternehmen steigende Preise melden – und das bereits im 22. Monat in Folge. Für deutsche Anleger ist dieser Wert besonders relevant, da er die Hartnäckigkeit der US-Inflation unterstreicht.

Branchenvertreter beschreiben die aktuelle Lage in drastischen Worten. Ein Manager aus der Branche für elektrische Ausrüstung, Geräte und Komponenten erklärte, man sehe „nichts als beständige Aufwärtstrends sowohl bei der Preisgestaltung als auch bei den Lieferzeiten, die keine Anzeichen einer Verlangsamung zeigen". Mehrere Branchenführer stufen die geopolitische Unsicherheit – unter anderem durch den Iran-Krieg und Zölle – als schlimmer ein als die Covid-Pandemie. Einkaufsmanager hätten Schwierigkeiten, den Ereignissen voraus zu sein.

Fed unter Druck: Zinserhöhung im September möglich?

Aus geldpolitischer Sicht stellt die aktuelle Dynamik die US-Notenbank Federal Reserve vor eine schwierige Aufgabe. Der Offenmarktausschuss (FOMC) hatte vergangene Woche beschlossen, den Leitzins in der Spanne zwischen 3,5 % und 3,75 % zu belassen, wo er sich bereits das gesamte Jahr über befindet. Doch angesichts des robusten Wirtschaftsbilds und des anhaltenden Preisdrucks könnte sich das bald ändern.

Mehrere Analysten sehen in den ISM-Daten Argumente für eine baldige Zinserhöhung. Ein robustes Wirtschaftsbild kombiniert mit hartnäckiger Inflation könnte Fed-Chef Kevin Warsh und seine Kollegen bereits im September zu einer Zinserhöhung bewegen – insbesondere da der Arbeitsmarkt stabil erscheint. Zum Vergleich: Vor einem Jahr herrschte noch erhebliche Sorge über eine stagnierende Einstellungsentwicklung, was ab September zu drei aufeinanderfolgenden Zinssenkungen geführt hatte.

Die Inflationsdaten für Juni fielen zwar vergleichsweise positiv aus – eine kurze Entspannung bei den Spannungen im Nahen Osten drückte die Energiepreise, und die Wohnkosten moderierten sich weiter. Dennoch liegt die Inflation nach wie vor deutlich über dem 2-Prozent-Ziel der Fed, wie praktisch alle Preisindikatoren zeigen.

Goldman Sachs hob nach dem ISM-Bericht seine Wachstumsprognose für das dritte Quartal auf 2,4 % an, nach einer ersten Schätzung von 1,5 % für das zweite Quartal. Analysten gehen dennoch davon aus, dass der anhaltende Inflationsdruck die Zentralbank voraussichtlich zum Handeln zwingen wird. Für Anleger bleibt die Frage, wann und wie stark die Fed reagieren wird, ein zentrales Thema für die weiteren Marktentwicklungen.

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